Diese Themen will Bischof Huonder noch angehen
Ehevorbereitung, Bistumseinteilung, "Gender-Ideologie" und Politik

Diese Themen will Bischof Huonder noch angehen

Schweiz - Noch bis 2019 wird der Churer Bischof Huonder im Amt sein – nicht nur für ihn eine Überraschung. Bis dahin hat er sich einiges vorgenommen. Dabei schreckt Huonder auch vor kontroversen Themen nicht zurück.

Chur/Bonn - 24.05.2017

Der Churer Bischof Vitus Huonder hat seine Themenschwerpunkte für die verbleibenden zwei Jahre seiner Amtszeit vorgelegt. In einem am Dienstag veröffentlichten Brief an die Mitarbeiter des Bistums nennt Huonder vier Felder: Diözesane Standards für Ehevorebreitung, die Diskussion über ein mögliches zukünftiges Bistum Zürich, seelsorgerischer Umgang mit der sogenannten "Gender-Ideologie" sowie die Beschäftigung mit einem "Missbrauch der Kirche für politische Anliegen."

Mit dem ersten Punkt folgt Huonder Papst Franziskus, der in seinem nachsynodalen Schreiben "Amoris Laetitia" angemahnt hatte, die kirchliche Ehevorebreitung zu verbessern. Dafür soll die Churer Kirche Standards entwickeln, die dem Ziel dienen, "den Eheleuten wirklich das mitzugeben, was sie auf ihrem gemeinsamen Weg benötigen, um das Sakrament der Ehe in seiner Fülle, dauerhaft und fruchtbar zu leben, zum Aufbau der Kirche und im Dienst an der Welt", wie es in dem Brief heißt.

Kommt das Bistum Zürich?

Die Frage der Teilung des Bistums und der Errichtung eines eigenen Bistums Zürich geht auf eine Initiative der "Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich" zurück. In der Schweiz gibt es neben den kirchlichen Bistumsstrukturen in den Kantonen staatskirchenrechtliche katholische Körperschaften, die staatliche Voraussetzungen an den demokratischen Aufbau erfüllen. Huonder legt sich in seinem Schreiben nicht auf eine Position fest und kündigt an, die Diskussion mit den Vertretern der kantonalen Körperschaften fortführen zu wollen.

Blick über Zürich.

Graubünden, Schwyz, Uri, Glarus, Obwalden, Nidwalden und Zürich und umfasst damit neben ländlichen Gebieten auch die größte Stadt der Schweiz. Vertreter der kantonalen römisch-katholischen Körperschaft Zürichs hatten eine Teilung des Bistums Chur angeregt.

Der dritte Themenschwerpunkt des Bischofs ist eine Auseinandersetzung mit der "Gender-Ideologie". Mit Bezug auf die Päpste Franziskus und Benedikt XVI. mahnt Huonder in seinem Brief an, sich gegen "eine zum Teil auch von Kirchenvertretern betriebene Verharmlosung dieser mit dem christlichen Menschenbild im Widerspruch stehenden Ideologie" zu stellen. Ziel der Beschäftigung mit dem Thema sei es, "in unserem Bistum dieser verderblichen Ideologie etwas entgegenzusetzen" und zu verhindern, dass "Gender" in Erziehungspläne und Gesetze Einzug hält.

Legitime politische Meinungsvielfalt unter den Gläubigen

Schließlich wendet sich der Bischof der Frage nach der Haltung der Kirche zu politischen Themen zu. In Politik und Medien sei in den vergangenen Jahren die Stimme der Kirche für "(partei-)politische Anliegen" instrumentalisiert worden. Dies habe in vielen Fällen auch zur Abwendung von der Kirche aus Protest dagegen geführt. Huonder betont in seinem Schreiben, dass es in vielen politischen Fragen wie etwa Energiepolitik, Umweltschutz und Wirtschaftspolitik keine zwingende katholische Position gebe: "Hier gibt es einen legitimen Pluralismus und gute Gründe für diese oder jene parteipolitische Haltung." Gläubige sollten nicht als "nicht ganz katholisch, irgendwie unmoralisch oder egoistisch hingestellt werden, nur weil sie zu bestimmten politischen Optionen andere Ansichten haben."

Anfang Mai hatte Papst Franziskus überraschend Huonders kirchenrechtlich vorgeschriebenen Rücktritt aus Altersgründen nicht angenommen und seine Amtszeit um zwei Jahre bis Ostern 2019 verlängert. Das Bistum Chur gilt als polarisiert, nachdem Bischof Huonder immer wieder mit pointierten Stellungnahmen zu Sexualität, Kirchenverfassung und Lebensschutz für Aufsehen sorgte. Huonder gilt in der Schweiz als exponierter Vertreter eines konservativen Kirchenflügels. (fxn)