Habit der Dominikaner mit Gürtel und ein Rosenkranz
US-Dominikaner veröffentlichen Bluegrass-CD

Die "Hunde des Herrn" stürmen die Charts

Musik - Banjo und Waschbrett statt Orgel und Choral: Eine Gruppe von Dominikanern ist jetzt unter die Folkmusiker gegangen. Als "The Hillbilly Thomists" erobern sie gerade die USA.

Von Kilian Martin |  Bonn - 14.12.2017

Sie haben es tatsächlich auf Platz 1 der Charts geschafft: Kein Folk-Album wird derzeit bei Amazon häufiger heruntergeladen als "The Hillbilly Thomists". So wie ihre Erfolgsplatte heißt auch die Band selbst. Und das ist keine gewöhnliche Kapelle, denn die zehn Musiker sind allesamt Dominikaner und gehören zum Ordensnachwuchs der US-Provinz St. Josef.

Auf ihrer Webseite erklären die Ordensleute ihren Antrieb: "Die Freude des Evangeliums durch die Freude der Musik zu verbreiten." Und das ist nicht ihr erster Versuch, denn der Ordensnachwuchs hat bereits vier CDs veröffentlicht. Nach klassischer Choralmusik widmen sie sich nun einem der klassischen Stile des US-Folks.

"Ich bin nur der Hund meines Herrn"

Neben einem Instrumental findet der Hörer auf der Titelliste folgerichtig auch Klassiker des Genres: "Poor Wayfaring Stranger" etwa, oder die unvermeidliche Hymne "Amazing Grace". Mit "I'm a Dog" hat es auch eine Eigenkomposition auf die CD geschafft. Bruder Justin Bolger greift mit dem Titel ein altes Wortspiel mit dem Ordensnamen auf: Ihrer besonderen Rolle in der Inquisition wegen werden die Dominikaner scherzhaft "Domini canes", also "Hunde des Herrn", gerufen. Im Lied jedoch präsentiert sich der Ordensmann nicht als bissiger Kettenhund. Er will vielmehr der treue Gefährte sein, der Lärm für seinen Herrn macht: "Gib mir Dein Feuer und ich mach Deine Arbeit / ich bin nur der Hund meines Herrn".

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Der Einfluss Bolgers auf das Album wird noch an anderer Stelle deutlich: Er singt, spielt Gitarre, Piano, Akkordeon und Bass und leitete nebenbei noch die Aufnahmen. Für "Amazing Grace" steuerte er zudem ein erfrischendes Arrangement bei. Zugunsten einer starken Vokalleistung seiner Mitbrüder verzichtet er dabei fast völlig auf Instrumente. Vom klassischen Gospel bewegt er sich mit rhythmischen Brüchen und simplen Quintakkorden geschickt weg.

Ansonsten überzeugen "The Hillbilly Thomists" vor allem durch einen stringenten Stil. Bluegrass ist das dominante Thema, dass sie etwa durch eine typische Instrumentierung umsetzen. Banjo und Folk-Geige sind genauso zu hören, wie die Mandoline und sogar das Waschbrett. Die lutherische Hymne "What a Friend We Have in Jesus" handelt von Sünde und Versuchung, klingt bei den Dominikanern aber nach freudiger Tanzbodenmusik.

Musikalische Hinweise auf die irische Abstammung

Ebenfalls als Tanz kommt "St. Anne's Reel", das einzige Instrumentalstück daher. Ein "Reel" ist ein schneller irischer Volkstanz, der sich hier mit Bluegrass-Motiven mischt. Die Melodie tragen Mandoline und Fiddel, den Takt liefert die traditionelle irische Trommel, die Bodhran. Auch die Interpretation des Spirituals "What Wondrous Love Is This" weist gälische Anklänge auf, die an die Heimat der Musiker erinnern; die Dominikanerprovinz St. Josef umfasst vor allem die stark vom irischen Katholizismus geprägte Ostküste der USA. In dieser Gegend finden sich auch die Dörfer der "Hillbillys", der rustikalen Hinterwändler. Ihren Band- und Plattennamen haben sich die zehn Ordensmänner jedoch nicht selber ausgedacht, sondern von der Autorin Flannery O'Connor entliehen, die sich wegen ihrer Provenienz und ihrem gleichzeitigen Interesse an den Schriften Thomas von Aquins einmal selbst so bezeichnete.

Wer "The Hillbilly Thomists" kauft, erhält als Gegenwert handwerklich gut gemachte Musik und das ein oder andere Augenzwinkern. Und obendrein tut er noch etwas Gutes: Der Gewinn soll der Ausbildung der jungen Dominikaner in Washington zugute kommen – und damit den "Hillbillys" selbst.

Von Kilian Martin