Zwei flaschen des Doppelbockbiers aus der Andechser Brauerei.
Bild: © KNA
"Fasten wie die deutschen Mönche"

US-Amerikaner ernährt sich bis Ostern nur von Bier

Die Fastenzeit ist für viele Menschen ein Anlass auf Fleisch oder Alkohol zu verzichten. Der Amerikaner Del Hall entschied sich anders: Er nimmt seit Aschermittwoch nichts außer 'flüssigem Brot' zu sich.

Von Cornelius Stiegemann |  Cincinnati - 28.03.2019

In der vorösterlichen Fastenzeit entsagen viele Menschen dem Genuss von Liebgewonnenem wie Fleisch, Schokolade oder Alkohol. Auf Alkohol zu verzichten, ist für den US-Amerikaner Del Hall dieses Jahr aber keine Option. Seit Aschermittwoch nimmt er keine feste Nahrung mehr zu sich und ernährt sich stattdessen von Bier.

Inspiriert von deutschen Mönchen

Dafür hat sich Hall von deutschen Mönchen des 17. Jahrhunderts inspirieren lassen. Weil die Mönche des Paulanerordens in der Fastenzeit nur flüssige Nahrung zu sich nehmen durften, "entschieden sich die Braumeister damals dazu eine in Deutschland beliebte Biersorte, das Bockbier, so zu brauen, dass es besonders herzhaft wurde". Das so entstandene Doppelbockbier war nahrhaft aber mit sieben bis zehn Prozent Alkohol auch sehr stark. Von diesem 'flüssigen Brot' ernährten sich die Mönche die ganze Fastenzeit hindurch.

Hall selbst sei zwar kein Christ, aber "ich habe mir verschiedene religiöse Gruppierungen angesehen und habe herausgefunden, dass alle von ihnen Formen des Fastens oder Fastenzeiten kennen", sagte er katholisch.de. Auch er selbst wollte das ausprobieren. Der Army-Veteran wagt deshalb gerade den Selbsttest und versucht die Fastenweise der Mönche in modernen Zeiten nachzuahmen. Von Aschermittwoch bis Ostersonntag, also 46 Tage, will er durchhalten. Das Projekt dokumentiert er auf seinen Social Media Kanälen, wo er viel Zuspruch dafür erhält. Allein sein Aschermittwochsvideo wurde über 30 000 Mal angesehen. Abseits des Internets seien die Menschen jedoch eher skeptisch: "Die meisten halten mich für verrückt", erzählt Hall. Aber das könne ihn nicht abbringen.

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Hilfreich für seinen Selbstversuch ist sein Job, denn Hall sitzt quasi an der "Quelle": Er arbeitet in der Fifty West Brewery Company, einer Brauerei in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio. Die eigene Produktpalette umfasst immerhin knapp 30 Sorten. Doch sein erstes Fastenbier war ein deutsches: Als Hommage an die brauenden Mönche trank er an Aschermittwoch den "Vater" der Doppelbockbiere, das Salvator-Bier der Münchener Paulaner Brauerei. Dieses Bier begründete die Tradition, dass alle Doppelbockbiere auf "–ator" enden.

An Tag sieben und Tag 14 präsentierte er auf seinem YouTube-Kanal noch zwei weitere deutsche Biere, das Optimator der Spatenbrauerei und das Celebrator aus Aying. Aber hier weicht Hall von der mönchischen Fastenweise ab. Er sei Amerikaner und das, was die "American Diet" ausmache, sei Vielfalt. Die wolle er auch trinken. Helle Biere und Weizen hätten zu wenig Kalorien. Aber er plane, sich durch verschiedene Starkbiersorten durchzuprobieren. Das trifft sich gut, schließlich boomt die amerikanische Craftbierszene, die sich ausgefallenen Bieren verschrieben hat.

Bei sieben bis zehn Prozent Alkoholgehalt könnte man meinen Hall sei den ganzen Tag angetrunken. Weil er normal arbeitet, trinkt er kein Bier zum Frühstück. "Ich bin sowieso kein Frühstücksmensch", sagt er dazu. Morgens gebe es einen schwarzen Kaffee und den Tag über viel Wasser, um ausreichend hydriert zu bleiben. Das erste Bier öffne er dann gegen Nachmittag, wenn er Hunger bekomme. Insgesamt "trinke ich zwei bis fünf Pints pro Tag." Ein amerikanisches Pint ist etwas weniger als ein halber Liter.

Drei Varianten des Trappistenbieres aus dem belgischen Kloster Rochefort.

Zu Anfang sei er sehr nervös gewesen, weil er bisher nur maximal vier Tage lang gefastet habe. Die ersten Tage seien dementsprechend hart gewesen, sagt Hall. Er habe die ganze Zeit Hunger gehabt, vor allem – typisch amerikanisch – auf Fast Food: "Nachdem ich Bier getrunken hatte, wollte ich unbedingt Tacos essen, weil wir das immer so machen." Doch Hall habe der Gewohnheit widerstanden. Gegen Ende der ersten Woche habe sich das Hungerfühl gelegt, seitdem fühle er sich generell "fantastisch". Lachend erzählt er allerdings an Tag 21, dass er nachts von Nudelgerichten und Gummibärchen träume und vom eigenen Kauen aufwache.

Vorfreude auf ein Steak

Eine gesunde Ernährungsform ist eine "Bierdiät" sicher nicht. Auf seinem YouTube-Kanal erzählt Hall, dass er in den über 20 Tagen seit Aschermittwoch elf Kilogramm abgenommen habe. Er freut sich darüber, doch sowohl seine Ärztin als auch YouTube-Kommentatoren sind da vorsichtig. Der drastische Gewichtsverlust ist bei seiner proteinarmen Ernährung vermutlich auf einen Rückgang der Muskelmasse zurückzuführen. Und besonders in Kombination mit den wenig-heilsamen Effekten von Alkohol kann längerfristiges Fasten so zu Leber- und Nierenschäden führen.

Für Hall ist es vornehmlich die Herausforderung, den eigenen Geist und Körper einer Prüfung zu unterziehen, die ihn motiviert. Er will bis Ostersonntag durchhalten. Danach werde er seinen Körper langsam wieder an feste Nahrung gewöhnen müssen. Schon jetzt freut er sich auf sein erstes Steak nach der Bier-Fastenzeit.

Von Cornelius Stiegemann