Blick über einen See auf den Eichstätter Dom mit seinen zwei Türmen.
Serie: Unsere Bistümer

Diözese Eichstätt: Von Willibald, Victor und 5.000 Studenten

Er sollte wohl Bischof von Erfurt werden, stattdessen zog es den heiligen Willibald nach Süddeutschland. Hier wurde seine Mission zum Familienprojekt: Zusammen mit seinen Geschwistern legte er den Grundstein für ein deutsches Bistum, das bis heute zwar klein aber mitnichten unbedeutend ist.

Von Matthias Altmann |  Bonn - 24.08.2019

Es gibt Bischofssitze in Metropolen wie München, in Großstädten wie Mainz, in Mittelstädten wie Fulda – und es gibt Eichstätt. Mit 13.000 Einwohnern ist das Städtchen an der Altmühl die kleinste Bistumszentrale in Deutschland. Doch klein muss nicht immer unbedeutend heißen. Das gilt auch in diesem Fall: Eichstätt hebt sich in vielerlei Hinsicht von den anderen deutschen Bistümern ab und nimmt in manchen Dingen gar eine Vorreiterrolle ein.

Die Ursprünge der Diözese reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück. 740 kam der angelsächsische Wandermönch Willibald (700-787/88) auf Geheiß eines Verwandten ins Altmühltal. Dieser Verwandte war kein geringerer als Bonifatius, der als Apostel der Deutschen in die Geschichte eingehen sollte. Bonifatius hatte von einem Adeligen namens Suidger die "regio Eihstat" am nordwestlichen Rand des Herzogtums Baiern für kirchliche Zwecke gestiftet bekommen. Er beschloss daraufhin, dieses Gebiet Willibald, der damals im Kloster Monte Cassino lebte, als Wirkungsfeld zu überlassen. Als Willibald im späteren Eichstätt ankam, gab es dort nur eine Marienkirche. Dort wurde Willibald noch im selben Jahr von Bonifatius zum Priester geweiht.

Bereits im Jahr darauf, 741, wurde Willibald in Sülzenbrücken bei Erfurt zum Bischof geweiht. Möglicherweise sollte er Oberhirte von Erfurt werden, doch er trat dieses Amt nicht an. Stattdessen kehrte er zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt nach Eichstätt zurück und gründete dort ein Kloster. Diese beiden Ereignisse, die Bischofsweihe und die Niederlassung Willibalds, markieren die Anfänge des bayerischen Bistums: Eine offizielle Gründungsurkunde gibt es nicht. Willibald war zunächst vermutlich eine Art "Klosterbischof", der als Vorposten der bayerischen Herzöge nach Norden hin die Organisation der Region übernahm.

Gebhard: Bischof von Eichstätt – und von Rom

Doch bald entwickelte sich unter Willibalds Führung eine Bistumsstruktur. Unterstützung bei deren Ausbau erhielt der Bischof vor allem von seiner Familie. Sein Bruder Wunibald (701-761) errichtete im rund 40 Kilometer von Eichstätt entfernten Heidenheim ein Kloster. Nach dessen Tod leitete Walburga (710-779), Willibalds und Wunibalds Schwester, das Kloster. Deren Gebeine wurden 880 in eine kleine Kirche nach Eichstätt überführt. 1035 wurde an dieser Stelle ein Benediktinerinnen-Kloster gegründet, das bis heute besteht. Willibald wurde nach seinem Tod im Vorgängerbau des heutigen Doms beigesetzt. Beide werden als Bistumspatrone verehrt. Zu Ehren des ersten Bischofs und de facto Bistumsgründers wurde jahrzehntelang ein Willibaldsfest gefeiert. Seit 2009 ehrt ihn die Diözese mit einer ganzen Festwoche.

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke ist Benediktiner und war bis 2006 Abt des Klosters Plankstetten.

1016 musste die Diözese zwar ihren nördlichen Teil an das kurz zuvor geschaffene Bistum Bamberg abgeben, doch ihre Lage im alemannisch-fränkisch-bayerischen Schnittfeld sorgte dafür, dass Eichstätt im Mittelalter eine große Bedeutung im Heiligen Römischen Reich zukam. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung unter Bischof Gebhard I. (1042-1057). Dieser war ein enger Vertrauter Kaiser Heinrichs III. und saß von 1055 bis zu seinem Tod 1057 als Victor II. auch auf dem Stuhl Petri – sein Amt in Eichstätt gab er dafür nicht auf. Doch als Nachfolger des heiligen Willibald trat er nicht sonderlich in Erscheinung: Gebhard beziehungsweise Victor war eher an politischen als an seelsorglichen Fragen interessiert. Erst sein Nachfolger auf dem Eichstätter Bischofsstuhl, Bischof Gundekar II. (1057-1075), wandte sich wieder verstärkt den diözesanen Angelegenheiten zu, was sich in den zahlreichen von ihm vorgenommenen Kirchenweihen zeigte.

Während andere Bischöfe im Reich schon relativ früh auch Fürsten eines weltlichen Territoriums waren, gelang den Eichstätter Oberhirten dieser Schritt erst um 1300. Mit dem Aussterben eines einst mächtigen Grafengeschlechts ging ein großer Teil des so genannten Hirschberger Erbes in den Besitz der Eichstätter Bischöfe über, die fortan über ein weitgehend geschlossenes, die Bischofsstadt selbst einschließendes Territorium an der mittleren Altmühl verfügten, das so genannte Untere Stift. Das Obere Stift dagegen setzte sich zusammen aus unterschiedlich großen, nur zum Teil untereinander verbundenen Exklaven. Gemessen am Gebiet des Bistums Eichstätt war das Territorium des Hochstifts Eichstätt erheblich kleiner, brachte es dieses doch lediglich auf etwa ein Drittel der Bistumsfläche.

Als die Ideen der Reformation über das Land zogen, zeigten sich die Gebiete des Hochstifts "immun" gegen die neuen Lehren – ansonsten kam in nahezu allen übrigen Gegenden des Bistums im Laufe des 16. Jahrhunderts das katholische Kirchenleben zum Erliegen. Das lag vor allem an den dortigen landesherrlichen Gegebenheiten, lautete der Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens doch "cuius regio, eius religio", "Wessen Region, dessen Religion". In den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts kam schließlich etwa ein Drittel des durch die Reformation verloren gegangenen Gebietes des Bistums Eichstätt wieder unter katholische Landeshoheit.

Eine Hälfte katholisch, die andere Diaspora

Nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 und der damit einhergehenden Säkularisation waren die Eichstätter Bischöfe keine Fürsten mehr: Das Herrschaftsgebiet wurde dem neu geschaffenen Königreich Bayern einverleibt. Auch die kirchliche Struktur änderte sich. Gemäß dem bayerischen Konkordat von 1817 wurde das Bistum Eichstätt Teil der neu errichteten Kirchenprovinz Bamberg. Mitte des 19. Jahrhunderts war die eine Hälfte des Bistumsgebietes katholisch, die andere war Diaspora. Dies änderte sich erst durch die Ansiedlung zahlreicher Heimatvertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Bevölkerungsanstieg zog die Errichtung einer Reihe neuer Pfarreien nach sich, vor allem in den mittelfränkischen Diasporagebieten und in den beiden Ballungsräumen Ingolstadt und Nürnberg wurden zahlreiche Kirchen gebaut. Interessantes Detail in diesem Kontext: Der Süden der Frankenmetropole gehört zum Eichstätter Sprengel.

 Luftaufnahme der Sommerresidenz der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) ist die einzige katholische Universität im deutschen Sprachraum. Hier die Sommerresidenz in Eichstätt.

Seit 1980 ist das vergleichsweise kleine Eichstätt Universitätsstandort. Damals wurde die vormalige Theologische Hochschule in eine Katholische Universität (KU) umgewandelt – die einzige auf deutschem Boden. An deren Entwicklung hatten zwei Bischöfe maßgeblichen Anteil: Alois Brems (1968-1983), der sich nachhaltig um ihren Ausbau und ihre Förderung bemüht hat, und Karl Braun (1984-1995). Auf seine Initiative hin konnte 1988 die Errichtung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Ingolstadt ermöglicht werden. Heute bietet die KU über 40 Studienfächer an, die auf acht Fakultäten verteilt sind. Mit rund 5.000 Studierenden ist sie eine der größten nicht-staatlichen Universitäten in Deutschland.

Finanzskandal und Klimaschutzkonzept

Seit 2006 ist der Benediktiner Gregor Maria Hanke Bischof von Eichstätt. Der ehemalige Abt des "grünen" Klosters Plankstetten ist vor allem für seine Positionen in Sachen Ökologie bekannt. Doch 2018 zogen dunkle Wolken über seine Amtszeit auf: Damals wurde bekannt, dass das Bistum gegen den ehemaligen stellvertretenden Finanzdirektor und eine weitere Person Strafanzeige wegen des Verdachts rechtswidriger Praktiken bei der Vermögensanlage erstattet hatte. Bistumsrücklagen in Höhe von fast 60 Millionen Dollar flossen zwischen 2014 und 2016 in hochriskante Darlehen für Immobilienprojekte in den USA. Hanke selbst hat frühzeitig in mehreren Interviews eigene Fehler eingeräumt. So habe er sich 2009 für den Falschen als Finanzdirektor entschieden und nicht früh und hart genug durchgegriffen. Anfang 2019 legte die vom Bischof mit der Untersuchung beauftragte Kanzlei einen Zwischenbericht vor. Darin ist die Rede von einer klerikalen "Machtclique" und einem "System Eichstätt". Kritiker forderten mehrfach Hankes Rücktritt.

Wenn das Bistum in Finanzfragen zuletzt eine schlechte Figur abgab – in Sachen Umweltschutz nimmt ihm vermutlich niemand so schnell seine Vorrangstellung. Im Jahr 2001 wurden im Rahmen der von den Vereinten Nationen initiierten "Agenda 21" Umweltrichtlinien für die Diözese beschlossen und eine Vielzahl von Einrichtungen, darunter auch die Abtei Plankstetten, ökologisch umgestellt. Fortgeführt wurden diese Anstrengungen in den Jahren 2011 und 2012 mit der Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzepts für das gesamte Bistum. Gregor Maria Hanke hat dabei ein großes Ziel ausgegeben: Bis zum Jahr 2020 sollen 25 Prozent, bis zum Jahr 2030 50 Prozent des CO2-Ausstoßes reduziert werden. "Dahinter muss die Bereitschaft stehen, evangeliumsgemäß zu leben, einen christlichen Lebensstil der Bescheidenheit zu pflegen", so der Eichstätter Bischof.

Von Matthias Altmann