Der Kölner Kardinal Joachim Meisner
Kardinal Paul Josef Cordes über den zurückgetretenen Kölner Kardinal Joachim Meisner

"Eine Fülle von Neuaufbrüchen"

Mit der Ernennung des Kardinals von Berlin zum Erzbischof von Köln setzte Papst Johannes Paul II. schon 1988 ein Zeichen gegen die Spaltung der katholischen Kirche Deutschlands. Diesem wiederum war die harte Schule des Ostwinds eine gute Vorbereitung, sich auch im Westen "nicht dem Geist dieser Welt anzugleichen" - wie der Apostel Paulus schreibt.

Bonn - 04.03.2014

Seine Bedenken gegen die zu große Karosserie der Kirche war bald in vieler Munde: Entweder müsse man die Institutionen verringern oder die PS-Zahl des Motors erhöhen. Mit dieser Kritik brauchte er auf Anfeindungen nicht zu warten; prophetischer Mut muss sie immer gewärtigen. Wie zutreffend seine Warnungen vor dem Zeitgeist sind, ließ sich erneut aus der vielzitierten Rede Papst Benedikts XVI. in Freiburg zur "Entweltlichung" heraushören.

Doch er war alles andere als ein Unheilsprophet. Seine Weisungen zu moraltheologischen Fragen - etwa zum Hirntod oder zur "Pille danach" - gaben hilfreiche Orientierung. Noch dringlicher war es ihm, in Predigten und Ansprachen den Zuhörern die Mitte der Heilsbotschaft nahezubringen: eine persönliche Christusverbundenheit aus Glaube und Gebet sowie das Vertrauen zum Vater im Himmel.

Kraftvolle Akzente bei Bischofssynoden

So auch bei den vielen Weltbischofssynoden in Rom, in denen er - meist vom Papst persönlich ernannt - durch seine Stellungnahmen kraftvolle Akzente setzte. Dieses Grundengagement trieb ihn wohl auch dazu, als einziger Bischof aus Deutschland 1984 unsere Einladung zum ersten Weltjugendtag anzunehmen und als Katechet mitzumachen. Schon früh erkannte er dessen geistliche Früchte. So nimmt es nicht Wunder, dass er auch auf die Feier eines solchen Festivals in Köln drängte, das dann 2005 in seinem Bistum stattfand.

Paul Josef Cordes.
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Kardinal Paul Josef Cordes.

Kardinal Meisner ist einer der wenigen deutschen Bischöfe, die ihre Diözesen für die Neuevangelisierung wirklich geöffnet haben. Gewiss, es ist vielerlei zu diesem Stichwort zu lesen. Das Interesse dieses Bischofs galt jedoch nicht nur der Idee, die von Papst Johannes Paul II. so nachdrücklich herausgestellt worden war. Dieser Bischof schaute sich vielmehr auch nach Akteuren um. Und so finden wir in seiner Diözese eine Fülle von Neuaufbrüchen des geistliche Lebens und Apostolats. Sie sind es ja, die zugleich mit dem Evangelisierungs-Appell entstanden und begierig sind, ihn umzusetzen.

Die Zahl derer, die im Erzbistum Köln eine Heimat gefunden haben, übersteigt wohl die aller andern deutschen Diözesen. In ihnen kann man auf junge, begeisterte Leute treffen, die zudem offen sind für geistliche Berufe. Der Bischof hat es verstanden, zwischen ihnen und der traditionellen Gemeinde-Pastoral ein gutes Gleichgewicht zu schaffen. Ohne sie hier alle aufzuzählen, sollen nur einige Namen eine Sache belegen, derentwegen die Amtszeit des Kardinals gewiss in Erinnerung bleibt.

Überzeugende Glaubenskraft

Da ist zunächst das missionarische Seminar "Redemptoris Mater" , ein kraftvoller Hinweis, dass der Herr auch in unseren Tagen unter jungen Männer nicht mit Priesterberufen geizt. Ferner gibt es einige jüngst entstandene Ordensgemeinschaften wie die "Dominicas de Nazareth" , die "Legionäre Christi" , die "Bruderschaft des H. Karl" und die neuen Zisterzienserinnen in Düsseldorf.

Ferner engagieren sich für die Glaubensverbreitung verschiedene Geistliche Bewegungen wie die "Gemeinschaft Emmanuel" , die Gemeinschaft "Comunione e Liberazione" , die Gruppen "Nightfever" , "Focolare" , "Sant'Egidio" , das "Neukatechumenat" mit seinen Katechese-Kursen, der "Chemin neuf" , das "Opus Dei" , die "Gemeinschaft Charles de Foucauld" und die "Schönstadt-Bewegung" . In meiner römischen Arbeit habe ich viele dieser Erneuerungs-Bewegungen entstehen sehen. Sie haben mich von ihrer Glaubenskraft überzeugt, und ich freue mich, dass sie in Köln angenommen sind.

Von Paul Josef Cordes

Zur Person

Kardinal Paul Josef Cordes (Jahrgang 1934) ist emeritierter Kurienkardinal und ehemaliger Präsident des päpstlichen Rates "Cor Unum" .