Ein volksnaher Seelsorger: Dresdens Altbischof Joachim Reinelt wird 85
Emeritierter Oberhirte feiert an diesem Donnerstag Geburtstag

Ein volksnaher Seelsorger: Dresdens Altbischof Joachim Reinelt wird 85

Mehr als zwei Jahrzehnte war Joachim Reinelt als Bischof von Dresden-Meißen einer der wichtigsten Köpfe der ostdeutschen Kirche. Heute feiert der Geistliche, der immer noch in der Seelsorge aktiv ist, seinen 85. Geburtstag.

Von Steffen Zimmermann |  Dresden - 21.10.2021

Für Joachim Reinelt ist 2021 ein besonderes Jahr. Nachdem der emeritierte Bischof des Bistums Dresden-Meißen im Juni bereits den 60. Jahrestag seiner Priesterweihe und damit sein diamantenes Priesterjubiläum feiern konnte, steht nun das zweite große Fest in diesem Jahr an: An diesem Donnerstag begeht der weit über sein eigenes Bistum hinaus bekannte und beliebte Geistliche seinen 85. Geburtstag.

Geboren wird Reinelt am 21. Oktober 1936 im niederschlesischen Neurode. Nach der Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkriegs siedelt sich seine Familie in Sachsen an. Dort, im nordöstlich von Dresden gelegenen Radeberg, macht Reinelt 1954 sein Abitur. Anschließend absolviert er einen einjährigen Sprachkurs in Halle, bevor er von 1955 bis 1961 in Erfurt und Neuzelle Katholische Theologie studiert. Im Priesterseminar, so erzählte er später über die Zeit seines Studiums, habe er eine bis dahin in der jungen DDR nicht gekannte Atmosphäre der Freiheit erfahren.

Priesterweihe 1961, Bischofsweihe 1988

Am 29. Juni 1961 empfängt Reinelt im Bautzener St.-Petri-Dom durch den Meißener Bischof Otto Spülbeck die Priesterweihe. Anschließend wirkt er als Kaplan in Gera und Freiberg und ab 1964 als Pfarradjutor im sächsischen Ebersbach. 1966 wird er Kaplan an der Hofkirche in Dresden, bevor er ab 1970 zunächst als Pfarradministrator wieder in Freiberg und von 1974 bis 1986 als Pfarrer im thüringischen Altenburg tätig ist.

1986 wird Reinelt von Bischof Gerhard Schaffran in die Verwaltung des Bistums Dresden-Meißen berufen, wo er als Caritasdirektor eine leitende Funktion innehat. Bereits zwei Jahre später – nach dem altersbedingten Rücktritt Schaffrans – wird Reinelt von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Bischof ernannt. Die Bischofsweihe empfängt er am 20. Februar 1988 in der Dresdener Hofkirche durch seinen Vorgänger; Mitkonsekratoren sind der Görlitzer Bischof Bernhard Huhn und der Dresdner Weihbischof Georg Weinhold. Als bischöflichen Wahlspruch wählt Reinelt "Jesus in medio" ("Jesus in der Mitte"), eine Kurzfassung des Bibelwortes "Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" aus dem Matthäusevangelium (Mt 18,20).

24 Jahre – von 1988 bis 2012 – war Joachim Reinelt Bischof von Dresden-Meißen (im Bild: die Kathedrale des Bistums am Dresdner Elbufer)

Bei Reinelts Bischofsweihe war noch nicht zu erahnen, dass nur rund eineinhalb Jahre später die Berliner Mauer fallen und die DDR bald danach untergehen würde. Doch als es so weit ist, nutzt Reinelt die sich daraus auch für die Kirche ergebenden Chancen. Unter anderem gründet er Kitas, Schulen, Einrichtungen der Erwachsenenbildung und neue Caritasdienste. Zudem ruft er die Kirchengemeinden seines Bistums auf, sich für Außenstehende zu öffnen. Unermüdlich mahnt er, dass die ostdeutschen Katholiken nun selbstbewusst ihren Glauben in die Gesellschaft tragen sollten: "Wir müssen uns doch nicht verstecken!"

In der Deutschen Bischofskonferenz ist Reinelt nach der Wiedervereinigung unter anderem 15 Jahre lang Vorsitzender der Kommission für caritative Fragen. In dieser Funktion setzt er sich immer wieder für mehr Anerkennung für Pflegende und mehr Menschlichkeit im Umgang mit alten Menschen ein. Unter anderem warnt er einmal davor, alte Menschen als "Abwrackgeneration" abzustempeln. Vielmehr müsse die Gesellschaft stärker die Fähigkeiten und Weisheit der alten Generation anerkennen. Hier stehe auch die Kirche in der Pflicht, um für ein solidarisches Verhältnis zwischen den Generationen zu sorgen.

"Die persönliche Nähe zu Gott zu suchen – das kann ich jetzt viel besser"

Zu seinem 75. Geburtstag bietet Reinelt Papst Benedikt XVI. (2005-2013) gemäß dem Kirchenrecht seinen Rücktritt als Bischof von Dresden-Meißen an. Auf ausdrücklichen Wunsch des Kirchenoberhaupts bleibt er zunächst jedoch weiter im Amt. Erst am 20. Februar 2012 – am 24. Jahrestag seiner Bischofsweihe – nimmt der Papst das Rücktrittsangebot schließlich an. Damit geht für das Bistum Dresden-Meißen und die gesamte katholische Kirche in Ostdeutschland eine Ära zu Ende. Schließlich war der volksnahe und bescheidene Seelsorger mehr als zwei Jahrzehnte einer der wichtigsten Köpfe des ostdeutschen Katholizismus.

Seit seinem Rücktritt engagiert sich Reinelt weiter tatkräftig in der Seelsorge. Daneben genießt er jedoch auch die Vorzüge des Rentnerdaseins. "Ich habe nicht mehr so viele 'Lasten' am Hals, nur noch einige sehr schöne seelsorgliche Dienste. Das Leben ist leichter geworden", sagte er zu seinem 80. Geburtstag. Bei Wanderungen oder Touren mit dem Fahrrad erkundet er Sachsen und seine niederschlesische Heimat. Und er nutzt das Mehr an Zeit, um mit seinem Glauben "in die Tiefe zu gehen", wie er in einem Interview im Jahr 2018 erzählte. "Die persönliche Nähe zu Gott zu suchen – das kann ich jetzt viel besser", so Reinelt damals.

Von Steffen Zimmermann