Drei festliche dekorierte Männer
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Prinz, Jungfrau und Bauer

Dossier: Karneval - Dr Zoch kütt!" - so heißt es traditionell am Rosenmontag in Köln. Tausende von Jecken jubeln dann dem Dreigestirn zu. Aber Prinz, Jungfrau und Bauer gibt es erst seit 1938 offiziell im Dreierpack. Was hat es auf sich mit den drei höchsten Repräsentanten des rheinischen Karnevals?

- 06.01.2015

Während der Besetzung des Rheinlandes durch französische Revolutionstruppen Ende des 18. Jahrhunderts brachen für die Kölner Karnevalisten traurige Zeiten an. Denn das alte Brauchtum rund um den Straßenkarneval, die Maskenbälle und Umzüge wurde erst einmal auf Eis gelegt. Die Besatzer sorgten sich um den Erhalt der öffentlichen Ordnung und fürchteten Anarchie. Doch auch nach der Franzosenzeit kam der Kölsche Karneval zuerst nicht richtig in Schwung - bis sich im Jahr 1822 Männer in einer Kölner Gaststätte trafen und ein "Festordnendes Komitee" gründeten: die Geburtsstunde des Festkomitees.

Ein Jahr später am Rosenmontag bewegte sich wieder ein Karnevalszug durch die Straßen Kölns - angeführt vom "Helden Carneval". Aus ihm wurde in den Siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts der Prinz Karneval. Der Held Carneval trug damals ein Gewand, das dem des Kaisers nachempfunden war, eine goldene Krone mit einem Pfauenschweif, eine goldene Kette und einen mit Hermelin besetzten prächtigen Mantel. In einer Hand hielt er das Zepter, in der anderen die Pritsche als "Waffe". Durch sein prächtiges Ornat und sein untadeliges Vorbild sollte der Prinz die gehobene Bürgerschicht wieder für den Karneval gewinnen. Dem Vorbild Kölns folgten andere Städte im Rheinland. Auch dort wurden Festkomitees gegründet und dem Karneval neues Leben eingehaucht.

Die Jungfrau ist ein Mann

Beim ersten Karnevalszug nach der Franzosenzeit war auch die Kölner Jungfrau, die Colonia, dabei. Sie symbolisiert die freie Stadt Köln, die sich nicht unterwerfen lässt. Aber sie verweist auch auf die Rolle der Frau im Haus. Da der organisierte Karneval damals reine Männersache war, wird die Jungfrau bis zum heutigen Tag von einem Mann dargestellt. In vielen anderen Städten und Dörfern ist das mittlerweile anders. Hier marschiert an der Seite des Prinzen die Karnevalsprinzessin. Mittlerweile präsentieren sich sogar weibliche Dreigestirne dem jubelnden Narrenvolk.

Festwagen Arche Noah

Neben den Karnevalssitzungen, die über die ganze Session verteilt stattfinden, zeichnet sich der rheinische "Fastelovend" durch den feuchtfröhlichen und bunten Straßenkarneval aus.

Zweimal gab es allerdings auch in Köln weibliche Jungfrauen. Ein trauriges Kapitel, denn im Jahr 1938 und 1939 musste die Jungfrau auf Geheiß der NSDAP von einer Frau dargestellt werden. Dahinter steckte nicht etwa das Bemühen um die Gleichstellung von Frauen, sondern ein niederer Beweggrund. Damals war Homosexualität unter strenge Strafe gestellt. Und ein Mann in Frauenkleidern passte nicht ins nationalsozialistische Konzept. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die gute alte Tradition wieder auf, und Männer übernahmen wie früher die Rolle der Jungfrau im Karneval. Das ist bis heute so geblieben und hat keine weltanschaulichen, sondern traditionelle Gründe. Natürlich spielt hier auch die im Karneval auf den Kopf gestellte Gesellschaft eine große Rolle. Denn Männer in Frauenkleidern haben nun mal die Lacher auf ihrer Seite und sorgen für viel Komik.

Die Bauern verteidigten ihre Stadt

Wie die Jungfrau ist auch der Bauer eine Kölner Symbolfigur. Köln gehörte im Mittelalter neben Konstanz, Regensburg und Salzburg zu den vier Bauernschaften des Reiches. Der Kölner Bauer soll an die Schlacht von Worringen im Jahre 1288 erinnern. Die Kölner verdankten den Sieg und die Befreiung aus der Macht der Erzbischöfe ihren Bauern. Der Bauer ist also Symbol für die Wehrhaftigkeit der Stadt. An die Schlacht bei Worringen erinnert das gleichnamige Lied der Kölner Kultband "Bläck Fööss": "1288 ziehen wir durch die Kölner Mauer mit Knüppel, Schwert und Hellebarde. Und an der Spitze der Kölner Bauer zum Schlachtfeld hin nach Worringen..." Kein Wunder, dass der Bauer des Kölner Dreigestirns bei der Prinzenproklamation vom Oberbürgermeister die Stadtschlüssel erhält, damit er Köln vor Unheil bewahren kann.

Prinz, Jungfrau und Bauer werden im Jahr 1938 erstmals als Dreigestirn oder Trifolium bezeichnet. Als Einheit bestanden die drei Symbolfiguren aber bereits seit 1872. Das Kölner Dreigestirn residiert zwischen seiner Proklamation bis zum Aschermittwoch in der so genannten "Hofburg", einem Kölner Hotel. Der Einzug in das närrische Domizil wird von der Gesellschaft begleitet, der das Dreigestirn angehört, und erfreut sich bei den Jecken allergrößter Beliebtheit.

Von Margret Nußbaum