Pfadfinder im Erzbistum Paderborn bauen eigene Kapelle

Gotteshaus in Handarbeit

Aktualisiert am 03.10.2015  –  Lesedauer: 
Gotteshaus in Handarbeit
Bild: © JUPA
Erzbistum Paderborn

Rüthen ‐ Es ist ein ehrgeiziges Projekt: In Rüthen im Erzbistum Paderborn bauen Pfadfinder der DPSG auf ihrem Zeltplatz eine eigene Kapelle. Das Gotteshaus aus drei großen Holzwürfeln soll für Glaube, Liebe und Hoffnung stehen.

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"Ich habe eigentlich keine handwerklich Erfahrung, aber wenn man schon alles könnte, wäre es auch langweilig", meint der 15-jährige Cyrill Clasen. "Und wenn wir dann beim nächsten Gottesdienst nicht mehr im Regen sitzen, hat sich die Arbeit auch gelohnt."

Cyrill und Julia bauen in diesen Tagen mit an einem besonderen Gotteshaus. Mit Hilfe von vielen Ehrenamtlichen entsteht im westfälischen Rüthen eine Kapelle am Pfadfinderzeltplatz "Eulenspiegel". Dort errichten die Mitglieder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) drei große, aneinander liegende Holzwürfel. Glaube, Liebe und Hoffnung symbolisieren diese Würfel, die das zukünftige Gotteshaus der Pfadfinder im Erzbistum Paderborn bilden. Seit dem Jahr 2007 wird geplant, seit letztem Jahr gebaut.

Kein fester Termin für Fertigstellung

"Es gibt keinen festen Termin zur Fertigstellung", erklärt Jörg Gastel, einer der Kapellen-Baumeister der ersten Stunde. Damals fegte der Sturm Kyrill über den Pfadfinderzeltplatz und pustete eine große Waldfläche um. Die Idee, eine Kapelle zu bauen, war zu diesem Zeitpunkt noch ferne Zukunftsmusik, rückte mit dem gewaltigen Sturmschaden aber deutlich näher. Die Fläche konnte erworben werden und noch bevor eine Planung begonnen hatte, forsteten die Scouts eine Ausgleichsfläche auf. Gastel war damals noch als ehrenamtlicher Diözesanreferent der Roverstufe, die Gruppe der ältesten Pfadfinder, mit dabei.

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Die Pfadfinder sind bereits ein großes Stück weiter gekommen, nur auf einen Einweihungstermin wollen sie sich nicht festlegen lassen. Die sogenannte "Muskelhypothek", die den Bau mit viel Eigenleistung durch die Ehrenamtlichen neben einigen vergebenen Gewerken überhaupt möglich macht, erschwert die Zeitplanung. "Deshalb sagen wir da nichts zu, sonst geht es uns ja wie dem Berliner Flughafen", scherzt Gastel. Neben einem Paderborner Architektenbüro wachen er und vor allem Hans-Josef Marx und Georg Werner, beide Pfadfinder im Ruhestand, über die Arbeiten am Kapellenbau. Sie lernen immer wieder aufs Neue die jungen Pfadfinder aus den Stämmen an, die aus allen Teilen des Erzbistums nach Rüthen kommen, um an der Kapelle mitzubauen. "Es ist schon begeisternd, was die jungen Leute hier für einen Einsatz zeigen und wie lernfähig sie sind", berichtet Hans-Josef Marx.

"Selbstverständlich, dass wir mitmachen"

Cyrill und Julia haben dabei genauso wie Lukas Hölscher keinen weiten Weg, sie kommen direkt aus Rüthen und sind dort auch im Pfadfinderstamm aktiv. "Als Pfadfinder direkt aus der Nachbarschaft war es doch selbstverständlich, dass wir hier mitmachen", erklärt Hölscher, während er hoch oben auf dem fahrbarem Gerüst die Lattung für die Akustikdecke aufschraubt. "Wir sind hier mit unserer Gruppe und alle hatten Bock drauf mitzuarbeiten", so der 18-Jährige. Er ist ganz begeistert von den Dimensionen der Kapelle, die eher einer kleinen Kirche gleichen würden. "Die Kapelle war lange im Gespräche und ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so ein großer Bau wird."

Die Pfadfinder aus Rüthen freut aber auch, dass die Kapelle nicht nur für den Zeltplatz gedacht ist, sondern auch Gruppen, Vereine und natürlich die Kirchengemeinden in der Region diese nutzen können. Als "Kapelle am Wegesrand" soll sie auch Wanderern offen stehen. Für Hölscher ist es ein Zeichen, dass die DPSG dieses Gotteshaus baut. "Wir sind ein katholischer Jugendverband und hier ist unser Zentrum, das ist doch eine Aussage."

Während die Pfadfinder aus Rüthen ihren ersten Arbeitseinsatz absolvieren gehört Tobias Krupp zu den alten Hasen auf der Baustelle. "Man lebt mit diesem Projekt und freut sich über jede Schraube, die man gesetzt hat." Der Pfadfinder aus dem ostwestfälischen Holzminden konnte das Ende der Sommerpause – in der Zeltlagersaison wurde nicht gebaut – kaum erwarten. "Ich bin stolz darauf, an diesem Bau für unseren Verband mit zu wirken", sagt der 25-Jährige. Denn: "Es ist etwas Besonderes, diesen Bau zu Ehren Gottes zu errichten."

Weitere Informationen

Im Jahr 2008 hat die 64. Diözesanversammlung der DPSG im Erzbistum Paderborn den Bau einer Kapelle beschlossen. Die Idee entstand im Nachgang des Wintersturms Kyrill, der 2007 eine große Fläche gegenüber dem Hauptgebäude des DPSG-Diözesanzentrums in Rüthen freigelegt hat. Die DPSG hat das Gelände gekauft und nahe des Diözesanzentrums mit einer Baumpflanzaktion eine Ausgleichsfläche geschaffen. Dann wurde der Kapellenbau beschlossen, der auch einen großen Gemeinschaftsraum beinhaltet. Durch Schiebetüren können die drei Würfel Glaube, Liebe und Hoffnung multifunktional genutzt werden. Ein großes Fenster gibt den Blick auf die Stadt Rüthen und das Umland frei. Ein Holzaltar, der nur noch auf seinen Einzug wartet, wird in der Mitte des eigentlichen Kapellen-Würfels stehen. In den Kapellenbau passen circa 150 Leute. Die Kosten für das Projekt liegen bei 590.000 Euro.
Von Dirk Lankowski