Freunde im Himmel
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Die Vierzehn Nothelfer sind tatkräftige Fürbitter und Helfer

Freunde im Himmel

Die Vierzehn Nothelfer sind legendäre Heilige für alle Lebenslagen. Doch was genau hat es mit den Nothelfern auf sich? Und welche Heiligen gehören noch dazu? Katholisch.de gibt einen Überblick.

Von Margret Nußbaum |  Bonn - 28.02.2015

Schon im 9. Jahrhundert wurden die Vierzehn Nothelfer (siehe unten) bei Krankheiten, Unheil und Todesgefahr angerufen. Doch warum ausgerechnet 14? Eine plausible Erklärung lautet: Es handelt sich um die Verdopplung der heiligen Zahl 7. "Doppelt genäht hält besser", dachten also schon damals die Menschen. Vor allem im 13. und 14. Jahrhundert, als die Pest in Europa wütete, gewannen die Nothelfer immer mehr an Bedeutung. Es wurde von Visionen und Wundern berichtet.

Überliefert ist zum Beispiel die folgende Legende: Am 24. September 1445 weidete der Schäfer Hermann Leicht die Schafe des Klosters Langheim bei Lichtenfels in Oberfranken. Da erschien ihm plötzlich ein weinendes Kind. Es verschwand so plötzlich wieder, wie es gekommen war. Ein anderes Mal sah der Schäfer das Kind wieder, umhüllt von Kerzenlicht. In einer dritten Vision stand es im Kreis von 14 Kindern, die sich dem Schäfer als heilige Nothelfer vorstellten (siehe Bild). Schnell eilte Hermann Leicht zum Kloster und erzählte alles den Klosterbrüdern. Diese errichteten an der Stelle der Erscheinungen ein Kreuz.

Basilika für die Nothelfer

Ein weiteres überliefertes Wunder: Eine todkranke Magd wurde nach Anrufung der Vierzehn Nothelfer geheilt. Die frohe Kunde verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Immer mehr Menschen kamen in die Gegend. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden zu Ehren der Nothelfer immer mehr Bildstöcke, Kapellen und Kirchen. Das schönste Bauwerk schufen die Zisterzienser. Sie ließen im Jahr 1774 zwischen Bad Staffelstein und Lichtenfels in Oberfranken die Basilika Vierzehnheiligen zu Ehren der Vierzehn Nothelfer - elf Männer und drei Frauen - errichten. Erbaut wurde sie von Balthasar Neumann im Stil des Rokoko. Seitdem ist sie einer der bedeutendsten Wallfahrtskirchen Deutschlands. In der Mitte der Basilika steht ein mächtiger Altar mit zwölf Nothelfern, die in drei Etagen übereinander angeordnet sind. Die heilige Barbara und die heilige Katharina erhielten ihren Platz an den beiden Seitenaltären.

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Die Basilika Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein.

Die drei Nothelferinnen Barbara, Katharina und Margareta werden zuweilen auch als eigene Heiligengruppe verehrt. Dies geht auf eine Anordnung des Regensburger Bischofs Konrad vom Haimburg aus dem Jahr 1377 zurück. Im Volksmund heißt es: "St. Margareta mit dem Wurm, St. Barbara mit dem Turm, St. Katharina mit dem Radl, das sind die heiligen drei Madl."

Der Nothelfer-Kult begann in Regensburg

Der Kult um die Nothelfer ging von Regensburg aus. Daran erinnert das Nothelfer-Fenster im Regensburger Dom, eine der ältesten Darstellungen der Nothelfer. Von Regensburg bereite sich die Verehrung der 14 Heiligen nach Bamberg, Nürnburg und Würzburg aus, später über den gesamten deutschen Sprachraum bis nach Italien und Nordeuropa. An die 800 Kirchen wurden den Vierzehn Nothelfern geweiht. Aber keine von ihnen hat der Rokoko-Basilika im oberfränkischen Staffelstein den Rang ablaufen können.

Der dort ansässige Wallfahrtsseelsorger, der Franziskanerpater Christoph Kreitmeir, bezeichnet die Vierzehn Nothelfer gern als "Freunde im Himmel". Wie gut es ist, solche zu haben, davon zeugt das Fürbittbuch in der Basilika mit unzähligen Dankesbezeugungen und Bittgebeten in vielen Sprachen. Bis zu 800.000 Besucher jährlich zählt die Basilika. Viele verlassen die Nothelfer-Kirche mit mehr Gottvertrauen und dem guten Gefühl, dass ihre Freunde im Himmel gut auf sie achten werden.

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Was sind Heilige? Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger".

Die Vierzehn Nothelfer

  • Achatius war Soldat und wurde wegen seines Glaubens im Jahr 138 gekreuzigt. Er ist Nothelfer in Todesängsten sowie bei Verfolgung und Zweifeln.
  • Ägidius war Benediktiner. Er starb 720 als Einsiedler in seinem Kloster in der Provence. Er ist Nothelfer in seelischer Not und Verlassenheit.
  • Barbara wurde von ihrem Vater in einem Turm gefangen gehalten und 306 getötet, weil sie sich zu Christus bekannte. Sie ist Nothelferin für Sterbende und für eine gute Sterbestunde.
  • Blasius soll einen Jungen vor dem Ersticken durch Fischgräten gerettet haben. Er war Bischof und wurde während der Christenverfolgung um 316 unter Diokletian hingerichtet. Er ist Nothelfer bei Halsschmerzen, Husten und Erstickungsgefahr.
  • Christophorus trug ein Kind über den Fluss, das sich als Christus zu erkennen gab und ihn taufte. Er starb im Jahr 250 als Märtyrer und ist Nothelfer bei Wassergefahr, Unwetter und Schmerz.
  • Cyriakus wurde nach jahrelanger Fronarbeit in den Lehmgruben Roms im Jahr 304 ermordet. Er gilt als Nothelfer bei allerlei Versuchungen.
  • Dionysius, erster Bischof von Paris, wurde im Jahr 258 enthauptet. Er ist Nothelfer bei Kopfschmerzen, Tollwut, Hundebissen und in Gewissensnöten.
  • Erasmus, Bischof von Antiochien, starb um 310 den Märtyrertod. Ihm sollen bei lebendigem Leib die Gedärme herausgezogen worden sein. Er ist Nothelfer bei Unterleibserkrankungen, Koliken und Geburtswehen.
  • Eustachius hatte eine Erscheinung und sah einen Hirsch mit einem Kreuz im Geweih. Im Jahr 118 starb er als Märtyrer, weil er sich weigerte, Götzen anzubeten. Er ist Nothelfer bei schweren Schicksalsschlägen.
  • Georg war Soldat und wurde 304 als Märtyrer enthauptet. Der Legende nach soll er einen gefährlichen Drachen mit einer Lanze bezwungen haben. Er ist Nothelfer bei Kopfschmerzen und Kriegsgefahr.
  • Katharina von Alexandrien war sehr weise und führte mit vielen Gelehrten ihrer Zeit Gespräche über den christlichen Glauben. Sie sollte gerädert werden. Doch die Räder zerbrachen und töteten ihre Folterer. Im 4. Jahrhundert starb sie als Märtyrerin. Sie ist Nothelferin bei vielen Krankheiten und zur Auffindung von Ertrunkenen.
  • Margareta besiegte mit dem Kreuzzeichen einen Drachen. Im Jahr 304 erlitt sie den Märtyrertod. Sie ist Nothelferin bei Geburtswehen und für Fruchtbarkeit - auch auf den Feldern.
  • Pantaleon, ein Arzt, starb um 305 als Märtyrer. Er ist Nothelfer bei Kopfschmerzen und Auszehrung, auch bei Viehkrankheiten.
  • Vitus wurde bereits als Siebenjähriger gemeinsam mit seiner Amme und seinem Lehrer enthauptet. Er ist Nothelfer für Epileptiker, Stumme und Gehörlose.

Von Margret Nußbaum