"Wir brauchen diesen Papst noch ganz lange"
Es war ein Schock für Liane und Chris Corcerie am Sonntag auf dem Petersplatz. "Wir hörten dem Papst beim Mittagsgebet zu; plötzlich sagt er, dass ihm ein Knoten in der Lunge entfernt werden muss", erzählt das Ehepaar aus Toronto. Nun, drei Tage später, stehen sie wieder hier. Der große Gottesdienst, für den sie eigens aus Kanada angereist sind, fand ohne den Papst statt. "Aber Hauptsache, er wird bald wieder gesund! Wir brauchen diesen Papst noch ganz lange."
So ist es am Tag nach der Lungen-Operation und der Krebsdiagnose des Papstes fast unisono rund um den Vatikan zu hören. "Wir beten die ganze Zeit für den Heiligen Vater", sagt der Priester Fawaz Elia Kako von der mit Rom verbundenen chaldäischen Ostkirche. Der irakische Geistliche hat die Messe zum zehnjährigen Jubiläum des Dokuments "Amoris laetitia" auf dem Petersplatz mitzelebriert. "Leo XIV. hat so viel getan für die Einheit mit unserer Kirche; wir sind ihm unendlich dankbar." Und auf Englisch: "He is a good man."
Auf einer praktischeren Ebene sehen es zwei Touristen aus dem bayerischen Schrobenhausen. "Er ist ein sehr moderner Papst; er trägt Sneakers und eine Sportuhr, nutzt ganz selbstverständlich das Internet, spielt Tennis und treibt Fitnesssport", nennt Robert Mayr Gemeinsamkeiten, die ihm den 71-jährigen Chicagoer besonders sympathisch machen. Für die Zukunft der Kirche habe Leo XIV. ganz offensichtlich noch viel vor. "Das ist wichtig – deshalb wünschen wir ihm alles Gute", ergänzt sein Kumpel Stephan Endres.
Viele Familien kennen das Schicksal Krebs
Dass bei dem so fit wirkenden Papst nun Krebs festgestellt wurde – jene Diagnose, an der auch seine beiden Eltern starben -, findet Schwester Maddilena vom Orden der Töchter der Göttlichen Liebe tragisch. "Aber viele Familien sind mit einem solchen Schicksal konfrontiert. Und es wurde bei ihm doch früh erkannt; außerdem ist die Medizin heute doch viel weiter", so die nigerianische Ordensfrau voller Hoffnung.
Diese Hoffnung hegt auch Tang, Inhaber des Restaurants "Kungfu Express", Leos XIV. erklärtem "Lieblings-Chinesen" aus der Zeit, als er noch Kardinal Robert Francis Prevost war. "Er aß sehr oft hier bei uns, denn wir waren Nachbarn", berichtet der Gastronom, während er auf seinem Smartphone den genauen Standort der damaligen Wohnung des heutigen Papstes zeigt. "Ich bete sowieso jeden Tag für ihn, das weiß er auch! Jetzt natürlich noch mehr."
Blumen für Leo an Papst-Statue in Gemelli-Klinik
In der Gemelli-Klinik, wo der Papst am Dienstag operiert wurde, befinden sich inzwischen an der Statue von Johannes Paul II. im Innenhof einige Blumen – und Bildchen von Leo XIV. In der dortigen Krankenhauskapelle wurde am Dienstagabend ein Rosenkranz eigens für den Papst gebetet.
Auf den Großleinwänden auf dem Petersplatz waren für Samstag nur das übliche 30-minütige geistliche Nachmittagskonzert in der Basilika und die Rosenkranzandacht mit Lichterprozession am Abend auf dem Platz angekündigt. Vielleicht ist man auch deshalb im Vatikan mit Gebetsaufrufen zurückhaltend, weil sie bei manchen Erinnerungen an Rosenkranzandachten aus dem Frühjahr 2025 wecken könnten: Nach der Klinikeinlieferung von Papst Franziskus wurden Abend für Abend von Kardinälen auf dem Petersplatz diese Mariengebete geleitet. Am 21. April starb der seit langem schwerkranke Papst aus Argentinien mit 88 Jahren im Vatikan.
Genesung verläuft planmäßig
Doch für Leo XIV. scheint Optimismus angezeigt. Am Mittwochnachmittag teilte der Vatikan mit, sein Genesungsverlauf gestalte sich nach Plan; er gehe in seinem Zimmer umher, habe gegessen, mache Atemphysiotherapie und sei "guter Stimmung". Möglicherweise, so hofft Roberta von einer Agentur, die Tickets für Papstaudienzen vermittelt, können Touristen schon wieder ab 21. Oktober darauf hoffen, Leo XIV. persönlich zu sehen.