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Wie gehe ich mit Verletzungen um? Glaube.Leben.

Das kommt in den besten Beziehungen vor: Es kann sehr schwierig sein, jemandem zu vergeben, der einen verletzt hat. Manchmal zerbrechen Beziehungen daran.

Video im Wortlaut

Keiner kommt durch dieses Leben, ohne dass es in den Beziehungen, die wir so tagtäglich Leben, irgendwann zu Verletzungen kommt. Keine Freundschaft, keine Partnerschaft, in der ich nicht irgendwann verletzt werde. Und manchmal zerbrechen daran noch Beziehungen. Und die Frage ist also, wie gehe ich eigentlich damit um, wenn ich verletzt werde? Ich glaube, das Erste ist, hinzuschauen, um was für eine Art von Verletzung es eigentlich geht.

Manchmal sind die Verletzungen gar nicht so schlimm, sondern unser Ego ist einfach nur angekratzt worden. Wir sind einfach nur kurz infrage gestellt worden und das ist zwar eine Verletzung, aber unsere Reaktion darauf ist vollkommen überzogen und übertrieben. Paulus sagt so schön: "Lasst euch nicht zum Zorn reizen und seid geduldig und langmütig."

Und manchmal braucht es das auch, um nicht überzogen auf einen kleinen Eingriff zu reagieren. Etwas anderes hingegen ist es, wenn unsere Wertvorstellungen angegriffen werden. Wenn wir merken, dass jemand an dem gräbt, was uns zutiefst wichtig ist und wovon wir überzeugt sind. Ein Beispiel: Du hast jemanden im Vertrauen etwas erzählt und zwei Tage später weiß es das ganze Kollegium, das ganze Büro oder der ganze Freundeskreis. Das ist ein berechtigter Grund, verletzt zu sein. Weil da jemand euer Vertrauensverhältnis missbraucht hat und weil jemand das angegriffen hat, was dir wichtig ist: Verschwiegenheit und Vertrauen.
Und an dem Punkt ist die Frage: und jetzt? Was mache ich jetzt? Ich habe berechtigten Grund ärgerlich zu sein, mich verletzt zu fühlen. Die Frage ist nur: Wie produktiv ist es, am Ende zu schmollen und sich in Rachegelüsten und Rachefantasien zu ergehen? Bewirkt und bringt das am Ende was, außer, dass sich die Verletzung nur noch tiefer in mich hinein gräbt?

Und da gibt die Bibel einen ziemlich genauen und guten Ratschlag, wie ich damit umzugehen habe. Der erste Schritt ist: geh! Mach du dich auf den Weg zu demjenigen, der dich verletzt hat. Warte nicht auf seine Ansicht. Warte nicht darauf, dass er kommt und sich an Dich wendet. Und das Zweite ist: Geh hin, um dich zu versöhnen! Geh nicht hin, um dem anderen einen reinzuwürgen und dem anderen noch mal dick aufs Butterbrot zu schmieren, wie und wo er dir wehgetan hat. Sondern geh hin mit der Absicht, dass eure Beziehung wieder ins Reine kommt. Und vor allen Dingen: geh sofort! Schlaf eine Nacht drüber, aber warte nicht eine ganze Woche. Und geh unter vier Augen! Geh nicht mit einer Meute. Stell ihn nicht bloß vor anderen. Und dann hoffe darauf, dass der andere genauso bereitwillig ist, sich wieder mit dir zu versöhnen. Dass er bereit ist, seinen Fehler einzusehen und an der Beziehung zu arbeiten. Wenn das nicht der Fall ist, dann gibt die Bibel auch den Ratschlag, irgendwann Menschen ziehen zu lassen.

Natürlich gibt es auch Verletzungen, die sich so sehr an uns graben. Die uns so zutiefst verletzen, dass es schon fast an traumatische Erfahrung geht. Solche Dinge dürfen als erstes nicht verdrängt werden. Wir müssen uns eingestehen, dass wir vollkommen aus der Bahn geworfen sind. Wir müssen uns eingestehen, was das an Trauer, an Schmerz, an Verlust bei uns hinterlassen hat. Und das braucht Zeit. Bei solchen Verletzungen, die uns so zutiefst angehen, geht es darum, sich zunächst einmal einzugestehen, was ich verloren habe. Und die Bereitschaft in sich hochzuhalten, dass vielleicht so etwas wie Vergebung und Versöhnung irgendwann einmal möglich sein wird. Wenn ich in Beziehungen also verletzt werde, ist das Entscheidende für dich und für mich, das ich erstmal klar kriege, um was geht es. Und dass ich vor allen Dingen klar kriege, ich muss daran arbeiten und darf es nicht einfach aussitzen.

Im Video-Format "Glaube.Leben." beantwortet Christian Olding Fragen, die sich jeder irgendwann mal stellt. Die katholisch.de-Serie will Orientierung für das eigene Leben mit dem Glauben geben. Aus seiner persönlichen und beruflichen Erfahrung heraus, nimmt Christian Olding den Zuschauer an die Hand. Dabei bedient er sich in gewohnter Manier klarer Worte und Bilder. Jeden zweiten Dienstag erscheint eine neue Folge auf katholisch.de und in unserem Youtube-Kanal.