Barmherzigkeit und Unauflöslichkeit

Die Familiensynode hat begonnen. Der Papst forderte die Kirche während der Eröffnungsmesse am Sonntag dazu auf, die "Einheit und die Unauflöslichkeit der Ehe" zu verteidigen. Zugleich warnte er aber davor, "mit dem Finger auf die anderen" zu zeigen.

Familiensynode | Vatikanstadt - 04.10.2015

Papst Franziskus hat die Weltbischofssynode über Ehe und Familie mit einem Appell zur Barmherzigkeit und einem Bekenntnis zur Unauflöslichkeit der Ehe eröffnet. Die Kirche dürfe nicht "mit dem Finger auf die anderen" zeigen, um sie zu verurteilen, sagte Franziskus am Sonntag im Eröffnungsgottesdienst in Rom. Sie sei verpflichtet, "die verletzten Paare zu suchen und mit dem Öl und der Aufnahme der Barmherzigkeit zu pflegen".

Die Kirche müsse dabei die "Grundwerte" lehren und verteidigen, ohne zu vergessen, dass die Gesetze immer nur für den Menschen da sind. Christus rufe die Gläubigen auf, jede Form des Individualismus und des Legalismus zu überwinden. Der Papst kritisierte zugleich den wachsenden Bedeutungsverlust der Familie, vor allem in westlichen Gesellschaften.

Von Montag an beraten rund 270 Bischöfe aus aller Welt im Vatikan in Anwesenheit des Papstes über die Haltung der katholischen Kirche zu Ehe und Familie. Es handelt sich um die meistbeachtete Bischofsversammlung seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor 50 Jahren.

"Einheit und die Unauflöslichkeit der Ehe" verteidigen

Die dauerhafte, treue und fruchtbare Liebe werde heute "immer mehr belächelt und angesehen als sei sie etwas Altertümliches", so Franziskus in seiner Predigt weiter. Es habe den Anschein, als ob es gerade in den entwickeltesten Gesellschaften die niedrigsten Geburtenraten und die höchste Quote an Abtreibungen und Scheidungen gebe. Demgegenüber müsse die katholische Kirche die "Einheit und die Unauflöslichkeit der Ehe" sowie die "Heiligkeit des Lebens" verteidigen, forderte der Papst. Dabei dürfe sie sich nicht von "flüchtigen Moden oder den herrschenden Meinungen" richten.

Vor einem moralischen Rigorismus seiner Kirche hatte Papst Franziskus am Samstagabend auf dem Petersplatz gewarnt.
 KNA

Paradoxerweise, so Franziskus, sei auch der Mensch von heute, der Gottes Plan von der wirklichen Liebe oft lächerlich mache, von der treuen und immerwährenden Liebe angezogen und fasziniert. Der heutige Mensch laufe den Liebesbeziehungen des Augenblicks und "fleischlichen Genüssen" nach, sein Traum sei jedoch die wahre Liebe. Für Gott sei die Ehe keine Utopie der Jugend, sondern ein Traum, ohne den sein Geschöpf zu Einsamkeit bestimmt sei. Der Papst forderte weiter, die Kirche müsse ein "Feldlazarett" mit "offenen Türen" für alle sein, die um Hilfe bitten. Sie müsse aus ihrer "eigenen Einzäunung" heraustreten und auf die anderen zugehen.

Gerechtigkeit mit Mitleid verbinden

Bereits am Vorabend hatte der Papst die Synodalen vor moralischem Rigorismus gewarnt. "Wenn wir nicht verstehen, die Gerechtigkeit mit dem Mitleid zu verbinden, werden wir schließlich unnötig streng und zutiefst ungerecht sein", sagte er auf dem Petersplatz in Rom. Bei der Behandlung des Themas Familie müsse "das Kriterium für die Interpretation von allem" stets Jesus sein, forderte der Papst bei einer Gebetswache vor mehreren zehntausend Menschen.

Aufgabe der Synode sei es, Familien, die unter Armut, Krieg, Krankheit, Trauer oder "zerrissenen Beziehungen" litten, daran zu erinnern, dass das Evangelium die "Frohe Botschaft" bleibe, von der aus man neu beginnen könne, erklärte der Papst. Dafür müsse sie "aus dem Schatz der lebendigen Überlieferung Worte des Trostes und Orientierungen der Hoffnung" für Familien schöpfen.

Themenseite: Familiensynode

Vom 4. bis 25. Oktober 2015 tritt die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" in Rom zusammen. Diese Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

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Weiter forderte Franziskus, dass die Kirche stets ein "offenes Haus" ohne "Prunksucht" sein müsse. Sie müsse auch jene aufnehmen, "deren Herz durch die Prüfungen des Lebens verletzt und leidend ist". Zugleich rief er die Teilnehmer der Synode zum Dialog auf. Sie müssten fähig sein, "hinzuhören und sich miteinander auszutauschen", so Franziskus.

Kirche muss selbst wie eine Familie sein

Die Kirche, führte der Papst in seiner Predigt aus, müsse selbst wie eine Familie sein, und mit der Liebe und der Nähe eines Vaters handeln, "der beschützt ohne zu bevormunden, der korrigiert, ohne zu demütigen, der erzieht mit dem guten Vorbild und mit Geduld". Hinzukommen müsse eine Begleitung der Menschen wie eine Mutter mit "Hingabe und Zärtlichkeit und moralischer Kraft".

Franziskus verlangte zudem einen realistischen Blick auf die Situation heutiger Familien. Um die Familien von heute zu verstehen, müsse man auf das alltägliche und gewöhnliche Leben der Familie Jesu blicken, das mit seinen Mühen und einfachen Freuden dem der Mehrheit der Familien von heute entspreche. Es sei von "gelassener Geduld gegenüber Widerwärtigkeiten und von der "Achtung gegenüber der Situation jedes Einzelnen" geprägt. (bod/KNA)

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