Berliner Theologie bald interkonfessionell, interreligiös?

Die bisher evangelische Berliner Theologie-Fakultät will künftig islamische, jüdische und katholische Theologie einbinden. Es könnte eine weltweit einmalige Einrichtung werden – doch noch gibt es viele Fragen.

Theologie | Berlin/Frankfurt - 10.02.2017

Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Berliner Humboldt-Universität erwägt einen Einbezug katholischer, jüdischer und islamischer Theologie. Ein Mitglied der Fakultät bestätigte am Freitag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in diesem Punkt einen vorab veröffentlichten Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag). Bei den internen Beratungen gebe es jedoch noch viele "ungeklärte Faktoren". Auch ob eine "weltweit einzigartige Fakultät" entstehe, wie es in der Zeitung heißt, hänge davon ab, welches Modell einer Kooperation gewählt würde. 

Nach Angaben der FAZ beschlossen die Professoren der Fakultät einstimmig, bis Mitte April ein Konzept zu entwickeln, wie islamische, katholische und jüdische Theologie so eingebunden werden könnten, dass unter Wahrung aller staatskirchenrechtlichen Bedingungen eine Kooperation in Forschung und Lehre möglich werde.

Auflagen von rot-rot-grün

Damit greift die Fakultät nach Darstellung der Zeitung die Verpflichtung der Berliner rot-rot-grünen Koalition auf, dass bei den theologischen, weltanschauungs- und religionsbezogenen Studien "bestehende Regelungen und vorhandene Einrichtungen zukunftsorientiert ausgestaltet und weiterentwickelt werden". Bislang ist bereits geplant, bis zum Wintersemester 2018/19 ein Institut für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität einzurichten.

An der Freien Universität Berlin gibt es bereits ein Seminar für Katholische Theologie. Mit einem Lehrstuhl und zwei Juniorprofessuren konnte es nach Einschätzung des Erzbistums Berlin in den vergangenen Jahren jedoch kein ausreichendes Lehrangebot machen. Überlegungen zur Gründung einer Katholisch-Theologischen Fakultät an der Humboldt-Universität Mitte der 1990er Jahre kamen nicht zur Verwirklichung.

"Katholische Weltanschauung" ist an der evangelischen Fakultät jedoch bereits im Rahmen einer "Guardini-Professur" für Religionsphilosophie präsent. Den Stiftungslehrstuhl hat derzeit der Italiener Ugo Perone inne. Benannt ist die Professur nach dem Theologen Romano Guardini (1885-1968). Er hielt bis 1939 an der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität, der heutigen Humboldt-Universität, vielbeachtete Lehrveranstaltungen. (KNA)

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