Bistum weist Vorwurf der Intransparenz zurück

Die Diözese Hildesheim weist den Vorwurf zurück, man gehe nicht transparent mit einem jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsfall um. Man habe keine Erkenntnisse zu den neuen Vorwürfen gegen einen ehemaligen Pfarrer des Bistums. Der WDR will am Abend berichten.

Missbrauch | Hildesheim - 27.01.2016

Das Bistum Hildesheim weist den Vorwurf zurück, es gehe nicht offen und transparent mit einem weiteren jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsfall um. Wie das Bistum am Mittwoch mitteilte, sei es bisher lediglich über Dritte informiert worden, dass der ehemalige Pfarrer und verurteilte Missbrauchstäter Peter R. noch eine weitere Frau missbraucht haben soll.

Man habe über diese Informanten die heute 39 Jahre alte Betroffene wiederholt aufgefordert, sich beim Bistum zu melden, doch habe sie dies bisher nicht getan. Trotz dieser fehlenden Informationen aus erster Hand habe das Bistum aber bereits im Januar die Berliner Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Der WDR hatte am Mittwochmorgen von dem weiteren Fall berichtet. Demnach handelt es sich bei dem mutmaßlichen Opfer um die Mutter einer heute 20 Jahre alten Frau aus Hildesheim, die selbst als Kind von Peter R. missbraucht worden sei. Dieser Fall hatte Ende vergangenen Jahres für bundesweites Aufsehen gesorgt. Das Bistum war den entsprechenden Missbrauchsvorwürfen im Jahr 2010 nicht konsequent genug nachgegangen und hatte diese Versäumnisse selbst eingeräumt. Zugleich hatte Bischof Norbert Trelle aber den Vorwurf zurückgewiesen, man wolle den Fall vertuschen.

Laut WDR sagte die Mutter des damaligen Opfers, dass "auch sie ab 1993 von Pfarrer R. sexuell belästigt worden sei". Das Bistum sei "seit September 2015 auch über ihren Fall informiert". Man habe "aber bislang keinen Kontakt zu ihr aufgenommen".

Bistum: Keine weiteren Erkenntnisse zu erhobenen Vorwürfen

Das Bistum erklärte dazu, dass "bis zum heutigen Tag kein Kontakt zwischen dem Bistum Hildesheim und der Mutter des jungen Mädchens" bestehe. Die näheren Umstände ihres Falles und die von ihr gegenüber Peter R. konkret erhobenen Vorwürfe seien dem Bistum bisher nicht bekannt gewesen. Es habe lediglich im März 2010 und auch im September 2015 "allgemeine" Hinweise von den Großeltern und von einer weiteren Person gegeben, dass auch die Mutter missbraucht worden sein könnte.

Beide Male habe das Bistum darauf hingewiesen, dass die Mutter sich bei den Ansprechpartnern des Bistums für Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs melden solle. Außerdem habe das Bistum den Hinweis auf einen möglichen sexuellen Missbrauch durch Peter R. auch an der Mutter Anfang Januar an die Staatsanwaltschaft Berlin zur Prüfung weitergeleitet.

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Der Missbrauchsskandal erschütterte die katholische Kirche in ihren Grundfesten. Seit 2010 die ersten Fälle bekannt wurden, bemüht sich die Kirche um Aufarbeitung der Geschehnisse. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Etappen.

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Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, empfiehlt dem Bistum Hildesheim, einen unabhängigen Ermittler zur Aufklärung Missbrauchsfällen einzusetzen. "Sexueller Missbrauch an Kindern ist ein schwerwiegendes Verbrechen mit schweren und zum Teil schwersten Folgen für die Kinder. Da darf nichts vertuscht oder zurückgehalten werden", sagte Rörig der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Um diesen Eindruck gar nicht erst aufkommen zu lassen, sei es daher an der Zeit, eine unabhängige Persönlichkeit zur Aufklärung der Fälle einzusetzen. Als positives Beispiel nannte er etwa das Bistum Regensburg, in dem die Aufarbeitung durch einen Sonderermittler "gut gelungen" sei.

Missbrauchsbeauftragter kritisiert Vorgehen der Diözese

Der Missbrauchsbeauftragte hält das bisherige Vorgehen des Bistums Hildesheim nicht für ausreichend. Das Bistum habe "eine große Verantwortung den Opfern gegenüber, und zwar auch den Betroffenen, die bisher nicht den Mut hatten, zu sprechen". Diese meldeten sich aber nur, wenn sie "Vertrauen in die Institution haben und in einer für sie akzeptablen Konstellation sprechen können". Das Bistum habe dieses Vertrauen bisher offenbar nicht aufbauen können, zumal bei vielen der Eindruck entstanden sei, man habe die Aufarbeitung "nur scheibchenweise" als Reaktion auf Medienberichterstattung vorangetrieben. (KNA)

27.01., 15:40 Uhr: Ergänzt um die Aussage des Missbrauchsbeauftragten Rörig

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