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Der Theodramatiker

Eine theologische Bilderbuchkarriere sieht anders aus. Doch wer heute von Hans Urs von Balthasar spricht, meint einen der ganz großen Theologen des 20. Jahrhunderts. Zur Theologie kam der 1905 in Luzern Geborene auf Umwegen; einen Lehrstuhl hatte er nie inne, und zur Kirchenleitung stand er viele Jahre in einem gespannten Verhältnis. Als Balthasar schließlich von Papst Johannes Paul II. am 28. Juni 1988 zum Kardinal ernannt werden sollte, starb er zwei Tage vor der Überreichung des roten Biretts im Alter von 82 Jahren.

Theologie | Bonn - 26.06.2013

Eine theologische Bilderbuchkarriere sieht anders aus. Doch wer heute von Hans Urs von Balthasar spricht, meint einen der ganz großen Theologen des 20. Jahrhunderts. Zur Theologie kam der 1905 in Luzern Geborene auf Umwegen; einen Lehrstuhl hatte er nie inne, und zur Kirchenleitung stand er viele Jahre in einem gespannten Verhältnis. Als Balthasar schließlich von Papst Johannes Paul II. am 28. Juni 1988 zum Kardinal ernannt werden sollte, starb er zwei Tage vor der Überreichung des roten Biretts im Alter von 82 Jahren.

So facettenreich sich seine theologische Biografie darstellt, so umstritten ist die Einordnung seiner Position bis heute. Doch eines steht fest: An Balthasars Werk, das 100 Bände und rund 500 Aufsätze umfasst, vorbeigehen kann man nach den Worten des Münsteraner Theologen Thomas Pröpper "nur um den Preis einer theologischen Verarmung". Der Grundantrieb von Balthasars Denken ist die Frage nach dem richtigen Weg für die Kirche.

Zunächst studierte er in Zürich, Berlin und Wien Germanistik und Philosophie. Der Student vergötterte Mozart als "unverrückbaren Polarstern". Mit dem protestantischen Theologen Karl Barth spielte er vierhändig Klavier. Die Liebe zur Musik eröffnete Balthasar den Zugang zu der ihm eigenen Weise des Redens von Gott. Er entwarf eine Theologie mit Hilfe musikalischer Kategorien.

Neuer Horizont theologischen Denkens

Seine Theologie entwickelte sich später durch Aufnahme von Formen aus dem Theater weiter zu einer "Theodramatik". Balthasar: "Die Offenbarung aber ist in ihrer ganzen Gestalt im Großen wie im Geringen dramatisch. Sie ist die Geschichte eines Einsatzes Gottes für seine Welt, eines Ringens zwischen Gott und Geschöpf um dessen Sinn und Heil."

Nach seinem Studium wurde Balthasar Novize bei den Jesuiten. Als "verbissenes Ringen mit der Trostlosigkeit der Theologie" bezeichnete er sein Studium in Lyon-Fourviere. Die Theologie erstarre in einem neuscholastischen Denkkorsett. Umso begieriger scharten sich die jungen Studenten um Henri de Lubac (1896-1991), der eine große Faszination ausstrahlte. Vor allem seine Beschäftigung mit den Schriften der Kirchenväter und die damit verbundene Neubesinnung auf das Christentum eröffnete Balthasar einen neuen Horizont theologischen Denkens.

Sein 1952 erschienenes Werk "Die Schleifung der Bastionen" ist in diesem Geist geschrieben und wurde von vielen als Befreiung empfunden - Jahre bevor das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) die Fenster nach draußen aufstoßen sollte. Kirche, die nicht in ihrer Ganzheit offen zur Welt sei, habe aufgehört, Kirche Christi zu sein, so der Schweizer Theologe.

Der "Papsttheologe" tritt aus dem Jesuitenorden aus

Nach längerer Tätigkeit als Studentenseelsorger in Basel verließ er den Jesuitenorden, um mit Adrienne von Speyr (1902-1967) die Johannesgemeinschaft, ein sogenanntes Säkularinstitut, zu gründen. Zudem eröffnete Balthasar 1947 einen eigenen Verlag, der unter anderem sein und das Werk von Speyrs herausbrachte. So arbeitete er als Herausgeber, Verleger und Übersetzer patristischer Literatur.

Seine Forderung nach einer Öffnung der Kirche hin zur Welt modifizierte Balthasar in den Jahren des Konzils, zu dem er nicht eingeladen wurde. Der Christ dürfe sich der Welt nicht angleichen. Vehement forderte er die Besinnung auf das unterscheidend Christliche ein. Thomas Krenski schreibt in einer Biografie: "Für viele der damaligen Zeitgenossen stand fest, dass Balthasar glaubte, sich zu weit vorgewagt zu haben, so dass er sich gezwungen sah, den Rückzug hinter die schützenden Bastionen anzutreten, zu deren Schleifung er einst aufrief."

Mancher Konzilstheologe sah in ihm den konservativen Papsttheologen. Krenski dazu: "Das erschwerte die Rezeption der Theologie eines Mannes, der Kurskorrekturen sicher polemisch vollzog, nicht aber im geringsten daran dachte, geschliffene Bastionen wieder aufzurichten. Sein Verhängnis war, dass er nahezu 20 Jahre früher aufgebrochen war als die meisten."

Von Katharina Klöcker (KNA)

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