Erdogan will an Kirchweihe teilnehmen

Seit gut zehn Jahren wird die "Eiserne Kirche" in Istanbul restauriert. Im Januar soll das Gotteshaus neu geweiht werden. Zum Gottesdienst haben sich auch hochrangige politische Vertreter angemeldet.

Türkei | Bonn/Istanbul - 05.12.2017

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will an der Weihe der bulgarisch-orthodoxen Kirche Sankt Stefan in Istanbul teilnehmen. Zum Gottesdienst am 7. Januar wird auch der bulgarische Ministerpräsident Bojko Borissow erwartet, wie die Wiener Stiftung "Pro Oriente" am Montag mitteilte. Die Kirche war zuvor rund zehn Jahre lang restauriert worden.

Erdogans Verhältnis zu den Christen in der Türkei gilt als schlecht. So leiden zahlreiche Gemeinden im Land unter systematischer Unterdrückung seitens der Behörden oder auch Zwangsenteignungen. Christen werden zudem immer wieder von Vertretern der Regierung und auch dem Präsidenten selbst verbal angegriffen und beleidigt. So hatte Erdogan den Papst etwa im April als Chef einer "Kreuzritter-Allianz" von EU-Politikern bezeichnet.

Unter Repressionen zu leiden hat auch das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., der in Istanbul seinen Sitz hat. Er soll gemeinsam mit dem bulgarisch-orthodoxen Patriarchen Neofit dem Weihegottesdienst vorstehen, wie die Stiftung weiter erklärte. Sankt Stefan trägt auch den Namen "Eiserne Kirche", weil sie aus Stahl und Eisen erbaut wurde. Errichtet wurde sie zwischen 1893 und 1896. Nach einer internationalen Ausschreibung hatte das Stahlbauunternehmen Waagner-Biro in Wien die insgesamt rund 500 Tonnen schweren Bauteile gefertigt und über die Donau und das Schwarze Meer nach Istanbul verschifft.

Kirche stand für Spaltung in der orthodoxen Welt

Der Architekt entschied sich Ende des 19. Jahrhundert angesichts des schwachen Untergrunds am Goldenen Horn für einen leichten Bau ganz aus Stahl und Eisen und gegen eine Stahlbetonkonstruktion. Der tragende Rahmen der Kirche besteht aus Stahl, die Außenhaut aus gusseisernen Platten, die miteinander vernietet, verschweißt und durch Bolzen miteinander verbunden sind. In ihrer Architektur vereint die dreischiffige Kirche Elemente der Neogotik und des Neobarock. Die sechs Glocken des 40 Meter hohen Glockenturms sowie die Ikonostase die Bilderwand vor dem Altarraum, stammen aus Russland. Ursprünglich geweiht wurde Sankt Stefan im Jahr 1898.Rost und Risse in der Stahlhaut hatten dem Gotteshaus so zugesetzt, dass im Jahr 2005 mit grundlegenden Sanierungsarbeiten begonnen wurde.

Wie die Stiftung weiter erklärte, spielt die Kirche eine zentrale Rolle im Verhältnis der bulgarischen Nationalkirche zum Rest der orthodoxen Welt. Demnach war der Vorgängerbau seit 1870 Sitz eines bulgarischen Exarchen in Konstantinopel, den der Osmanische Sultan Abdulaziz I. wohl zur Schwächung des Ökumenischen Patriarchats eingesetzt hatte. Im Mai 1872 erklärte der Bischof einseitig seine Unabhängigkeit indem er eine autokephale Kirche ausrief. Diese wurde noch im gleichen Jahr von einer Synode unter Führung des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel für schismatisch erklärt. Erst im Jahr 1945 wurde die Spaltung für beendet erklärt. Laut "Pro Oriente" soll die neuerliche Weihe unter Mitwirkung des Ökumenischen Patriarchen die Versöhnung besiegeln. (kim/KNA)

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