Frauendiakonat: Die Geduld ist "nahezu erschöpft"

Jedes Jahr begehen katholische Laien in Deutschland am Gedenktag der heiligen Katharina von Siena den "Tag der Diakonin". Der diesjährige Aktionstag am Samstag war von Ungeduld geprägt.

Frauen | Stuttgart - 30.04.2017

Katholische Frauen in Deutschland fordern die Zulassung zu kirchlichen Weiheämtern. Bei einer Konferenz am "Tag der Diakonin 2017" am Wochenende in Stuttgart hieß es, die Geduld in dieser Frage sei "nahezu erschöpft". Organisatoren der Tagung in der Akademie des Bistums Rottenburg-Stuttgart waren die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und das Netzwerk Diakonat der Frau. Auch mehrere Bischöfe seien zu der Veranstaltung eingeladen worden, sagte Akademiechefin Verena Wodtke-Werner, doch alle hätten sich entschuldigen lassen.

Frauen als Lückenbüßerinnen bei Priestermangel?

Der emeritierte Tübinger Dogmatiker Peter Hünermann berichtete, er habe Papst Franziskus im Vorjahr im Rahmen einer persönlichen Unterredung empfohlen, die Möglichkeit der Zulassung von Frauen zum Amt der Diakonin aus historischer Sicht untersuchen zu lassen. Eine solche Prüfung hat Franziskus inzwischen in die Wege geleitet. Hünermann äußerte die Hoffnung, dass dabei "ein rundes Bild" über die Geschichte der Kirche entstehe. Wodtke-Werner stellte die Frage, ob die Zulassung von Frauen zu Ämtern nicht nur deshalb Thema werde, weil es angesichts des Priestermangels immer schwerer werde, Personal für die Arbeit in den Gemeinden zu finden. Frauen hätten dann wieder nur eine "Lückenbüßerfunktion".

In einem Papier der Veranstalter heißt es weiter, die Kirche müsse Frauen in die Weiheämter einbeziehen, wenn sie zukunftsfähig sein wolle. Zugleich dankten die Organisatoren dem Papst, weil er die Bischöfe ermuntert habe, auf lokaler Ebene eine Neugestaltung zu testen. Von dieser Möglichkeit sollten die deutschen Bischöfe aber auch Gebrauch machen

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Frauen spiele eine zentrale Rolle in der Kirche, können aber keine Weihe empfangen - noch, meint das "Netzwerk Diakonat der Frau". Am "Tag der Diakonin" macht es auf sein Anliegen aufmerksam.

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Bei einer Podiumsdiskussion sagte ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel, zwar habe sich in den letzten Jahren viel bewegt, aber die Situation für Frauen in der Kirche sei "noch lange nicht gut". Der Unternehmensberater Thomas von Mitschke-Collande rief die deutschen Bischöfe auf, "zu tun, was der Konzernchef gesagt hat, nämlich mutige Vorschläge nach Rom zu schicken".

Grünen-Politikerin Jarasch: Männer wollen Macht nicht teilen

Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf bezeichnete es als historisch belegt, dass es im Laufe der Kirchengeschichte "in verschiedenen Ausformungen Diakoninnen gegeben" habe. Die Katholikin Bettina Jarasch vom Bundesvorstand der Grünen betonte, Männer würden Macht nie freiwillig teilen. Die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Katharina Ganz, stellte die Frage, "was die deutsche Kirche wirklich hindert, im Vatikan eine Zulassung von Frauen als Diakoninnen zu beantragen".

Das Diakonen-Amt ist eines der ältesten der Kirche. Zunächst wirkten Diakone in der Armen- und Krankenpflege oder als Gehilfen des Bischofs. Die Diakonenweihe ist Teil des dreigliedrigen Weiheamts, das nach kirchlicher Lehre Männern vorbehalten ist. (KNA)

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