Im Kampf und Gebet für Diakoninnen

Frauen spiele eine zentrale Rolle in der Kirche, können aber keine Weihe empfangen - noch, meint das "Netzwerk Diakonat der Frau". Am "Tag der Diakonin" macht es auf sein Anliegen aufmerksam.

Frauen | Köln/Stuttgart - 28.04.2017

20 Jahre ist es her, dass die Frage nach dem Diakonat der Frau neue Fahrt aufnahm: Ein internationaler theologischer Fachkongress im April 1997 in Stuttgart führte zur Gründung des "Netzwerks Diakonat der Frau". Der katholische Frauenverband KDFB startete im Anschluss mit dem "Tag der Diakonin". Inzwischen begehen sie den Aktions- und Gebetstag gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken und dem anderen großen katholischen Frauenverband kfd. Zum 20. "Tag der Diakonin" am Samstag, dem Gedenktag der heiligen Katharina von Siena, findet wieder eine Fachtagung in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart statt. Das Thema lautet: "Ein Amt mit Zukunft – auch für Frauen".

Ziel der Veranstaltung sei, über Perspektiven zu diskutieren, die Forderung nach einem sakramentalen Diakonat für Frauen öffentlich machen und das Anliegen "ins Gebet zu heben", sagt Irmentraud Kobusch, die Vorsitzende des Netzwerks. Aber was genau ist mit dem Stichwort Diakonat  gemeint? Es gibt in der katholischen Kirche die Diakonenweihe für Männer, die wenig später zum Priester geweiht werden, und seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wieder den "ständigen Diakon", ein Amt, das 1.500 Jahre vergessen war. Diakoninnen gab es in den ersten Jahrhunderten der Kirche – eine, Phöbe, wird bereits in der Bibel erwähnt – ebenso wie Diakone. Über eine Zulassung von Frauen zur Diakonenweihe wird seit langem diskutiert. Manche Theologen regen eine gesonderte Weihe für Frauen an, die in das Amt der "Gemeinde-Diakonin" münden könnte. Papst Franziskus hat im vergangenen Jahr eine Kommission aufgestellt, die die Geschichte des Frauendiakonats untersuchen soll.

Vor dem Konzil wurde der Diakonat für Männer und Frauen gefordert

Den Frauen – und Männern – am "Tag der Diakonin" geht es um dieses eigenständige Amt des "Ständigen Diakons". Die (zumeist) verheirateten Männer, die sich dazu weihen lassen, wollten nicht als Priester, sondern diakonisch wirken, so Kobusch. Sie tragen Sorge für die Mitglieder der Gemeinde, besonders für die Alten, Kranken, Schwachen und Ausgegrenzten. Zu ihren Aufgaben gehören auch Taufen und Beerdigungen sowie die Assistenz im Gottesdienst und bei der Eheschließung. Ständige Diakone erteilen Religionsunterricht und Katechesen, dürfen predigen und das Evangelium verlesen.

Irmentraud Kobusch ist die Vorsitzende des Netzwerks Diakonat der Frau und stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd).
 KNA

Bevor die Konzilsväter 1964 den ständigen Diakonat wiederbelebten, forderte eine große Bewegung an Männern und Frauen die Wiedereinführung des frühchristlichen Amts für Verheiratete beider Geschlechter. "Nicht als Priesterersatz, sondern als diakonisch Tätige auf der Seite der Armen", betont Kobusch. Dazu gründeten sich ab den 1950er Jahren in einigen Ländern Europas und Lateinamerikas sogenannte Diakonatskreise. "Als sich abzeichnete, dass das ganze Projekt an der Frauenfrage zu Scheitern drohte, zogen sich die Frauen zurück, aber es gab einige Diakone der ersten Stunde und Konzilsväter, die das bedauerten." Dies sei eine politisch kluge, aber auch schmerzliche Entscheidung gewesen, da der ständige Diakonat seit seiner Wiedereinführung "nur mit einem Lungenflügel" atme.

Nach dem Konzil bliebt die Frage nach dem Diakonat der Frau in Deutschland auf der Tagesordnung, etwa bei der Würzburger Synode 1975 oder in einem Wort der deutschen Bischöfe 1981, in dem es hieß: "Anders  als  die  Frage  des  Priestertums  stellt  sich  uns  die  Frage  nach  der  Zulassung  von  Frauen  zum  sakramentalen  Diakonat." Gegner verweisen darauf, dass Papst Johannes Paul II. 1994 letztgültig erklärt habe, dass die Priester- und Bischofsweihe allein Männern vorbehalten sei. Allerdings hatte er sich im Dokument "Ordinatio Sacerdotalis" nicht zum Diakonat der Frau geäußert.

"Wir wollen nicht das Priestertum für Frauen"

Dem "Netzwerk Diakonat der Frau" werde oft unterstellt, seine Forderung nach Diakoninnen sei ein taktisches Manöver für etwas anderes, berichtet Kobusch und entgegnet dem: "Nein, wir wollen nicht das Priestertum für die Frauen. Wir fördern in unseren Diakonatskreisen nur Frauen, die sich dezidiert zur Diakonin berufen fühlen". Seitdem die römische Glaubenskongregation 2001 auf die Diakoninnenweihe zielende Ausbildungskurse verboten hatte, heißen die Diakonatskreise des Netzwerks "Leitungskurs für eine diakonische Kirche". Von 1999 bis 2002 und 2003 bis 2006 wurden insgesamt 23 Frauen für so einen Leitungsdienst ausgebildet; ein dritter Kurs ist in Planung.

Linktipp: Mitarbeiter am Evangelium

Der Ständige Diakonat wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wieder eingeführt. Katholisch.de stellt das vielfältige Amt vor. (Artikel aus dem Jahr 2015)

Zum Artikel

Darin werden die Frauen befähigt "an die Ränder zu gehen", Not zu sehen und Strategien zu entwickeln, sie zu lindern. Sie werden auf ihrem Berufungsweg geistlich begleitet und machen gemeinsam Exerzitien. Unterstützung bekommt das Netzwerk etwa von den Referenten, die bei den Diakonatskreisen unentgeltlich arbeiten und aus dem Internationalen Diakonatszentrum. Aber obwohl sie, wie Kobusch betont, "alles in Loyalität mit der Kirche und im Rahmen des kirchenrechtlich möglichen machen", wird den Frauen nicht überall der Rote Teppich ausgelegt. Es gibt Priester und Diakone, die den Wunsch nach dem Frauendiakonat nicht nachvollziehen könnten und Gemeinden, die keine Werbung für den "Tag der Diakonin" in ihren Schaukästen erlauben.

Für ihre diakonischen Aufgaben als Religionslehrerin und "Pastorale Mitarbeiterin" bezahlt wird Dagmar Knausberg. Sie ist damit eine Ausnahme, denn die meisten ihrer Kurskolleginnen aus den Diakonatskreisen engagieren sich für die Kirche ehrenamtlich. Auch für die Ehefrau und Mutter stellte sich nie die Frage, ob sie Priesterin werden will. Elf Jahre nach dem Ende ihres Kurses wartet Knausberg nicht auf eine Bewegung des Papstes oder des Bischofs, sondern wirkt im diakonischen Dienst ihrer Seelsorgeeinheit "Tor zum Allgäu" bei Ravensburg. "Keine aus meinem Kurs wartet auf irgendwas, sondern jede arbeitet in den diakonischen Feldern weiter, die sie sich gesucht hat", berichtet Knausberg. Die 56-Jährige arbeitet mit einer halben Stelle als Religionslehrerin und in der Schulpastoral und ist zudem als in der Kirchengemeinde in Teilzeit Angestellte für Firmvorbereitung, Trauerbegleitung, Beerdigungen und ökumenische Gottesdienste zuständig.

Argumente für Frauendiakonat liegen auf dem Tisch

Zwar trage das, was die Frauen in den Kursen gelernt hätten, seine Früchte, aber es sei nun an der Zeit, dass sich in der Kirche was tue: "Ich habe getaufte Kinder in der Schule, die nichts vom Vaterunser wissen, die Gottesdienstbesucher werden immer älter und die jungen Frauen verschwinden immer mehr aus der Kirche." Die vielfältige diakonische Arbeit brauche Menschen mit unterschiedlichen Talenten und manche Leute bräuchten in ihrer Not eine Frau als Helferin. Eine Diakonenweihe wäre nicht nur ein Zeichen der Wertschätzung von der Kirche für die so engagierten Frauen, sondern ein "großes Plus" für die Seelsorge an allen Menschen. Insbesondere in schwierigen Situationen wünscht sie allen in der Diakonie Tätigen die Kraft des Heiligen Geistes, die die Kirche bei der Weihe im Gebet als Hilfe zu dem Dienst herabruft. "Wenn wir im Auftrag und als Gesicht der Kirche zu den Menschen gesandt werden, dann erst merken sie, wie wichtig sie der Kirche sein müssen."

Für die Frauen des Netzwerks ist klar, dass die Argumente für den Diakonat der Frau längst auf dem Tisch liegen: Weiheformulare aus der Alten Kirche zeigten, dass Männer und Frauen auf die gleiche Art ins Amt kamen und erst nach der Weihe geschlechtsspezifisch unterschiedliche Aufgaben hatten, berichtet Kobusch. In den Ostkirchen sei das Diakoninnenamt nie abgeschafft worden und beim Argument der Einheit des Amtes, bei der die Diakonenweihe die erste der drei Weihestufen vor der für Frauen unmöglichen Priester- und Bischofsweihe sei, habe sich etwas getan: 2009 machte Papst Benedikt XVI. durch eine Änderung des Kirchenrechts eine qualitative Unterscheidung zwischen der Priester- und Bischofsweihe, die in der Person Christi handeln können, und den Diakonen, die dem Volk Gottes zu dienen haben.

Kobusch begrüßt zwar, dass Papst Franziskus das Frauendiakonat im Vatikan wieder in die Diskussion gebracht hat, aber sie wünscht sich, dass die Kirche nicht nur zurückschaut auf die Rolle der Diakonin in der Alten Kirche: "Wichtig ist eine Debatte darüber, was die Kirche heute braucht und welche pastoralen Notwendigkeiten es gibt und das sind Frauen und Männer im Amt des Diakonats". Das Priester- und Bischofsamt hätten sich nach den Bedürfnissen der Zeit weiterentwickelt und bei der Wiedereinführung des männlichen "ständigen Diakons" sei es auch nicht um deren Aufgaben in der Antike gegangen, sondern um das, was heute nötig sei. Und Knausberg glaubt, dass die Bischöfe mehr Spielraum haben als sie ausnützen. Sie wünscht sich, dass die Bischöfe bei dieser Frage "mutig vorangehen".

Von Agathe Lukassek

Linktipp: Einflussreiche Mystikerin

Sie ist eine der größten Frauen der Kirchengeschichte. Dass die Päpste nach 70 Jahren in Avignon wieder in Rom residieren, ist das Verdienst der Mystikerin und Kirchenlehrerin Katharina von Siena.

Zum Artikel

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017