• © Bild: picture alliance / dpa

Neymeyr verteidigt Moscheebau

Zwar gebe es Bedingungen für den Bau von Moscheen, meint der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr. Dennoch hätten die Muslime das Recht, Gotteshäuser zu errichten. Das gelte auch für ein umstrittenes Projekt in Erfurt.

Islam | Erfurt - 23.05.2016

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat sich in die Debatte um den in der Stadt geplanten Moscheebau eingeschaltet. Anlässlich des Jahrespresseempfangs des Bistums Erfurt am Montagabend bekräftigte er laut Redemanuskript das Recht auch von Muslimen, eigene Gotteshäuser zu errichten.

Zugleich äußerte der Bischof Verständnis für Forderungen, den Bau von Moscheen an bestimmte architektonische Auflagen zu knüpfen.

Bauten müssen sich in Umgebung einfügen

Neymeyr verwies auf eine Stellungnahme der katholischen Deutschen Bischofskonferenz von 2008. Darin forderten die Bischöfe, dass sich Moscheebauten in die vorhandene Umgebung einfügen und gewachsene Baustrukturen wie Denkmäler und städtebauliche Ensembles nicht beeinträchtigen sollten. Auch hätten die Bischöfe dazu aufgerufen, dass sich die Moscheevereine stärker der deutschen Gesellschaft öffnen sollten. "Beides sind Voraussetzungen dafür, dass Menschen eine Moschee im Stadtbild akzeptieren können", betonte Neymeyr.

Der Erfurter Bischof wies jedoch das "immer wieder vorgebrachte Gegenargument, Christen dürften in muslimischen Ländern auch keine Kirchen bauen", zurück. Als grundrechtlich geschütztes Gut dürfe das Recht auf religiöse Freiheit und das damit verbundene Recht auf den Bau von Moscheen nicht daran geknüpft werden, dass Christen in islamischen Ländern gleichfalls Religionsfreiheit genössen, so Neymeyr unter Berufung auf die Erklärung der Bischofskonferenz zum Moscheebau. Wer in anderen Ländern Religionsfreiheit fordere, dürfe sie den religiösen Minderheiten im eigenen Land nicht vorenthalten.

AfD stimmt dagegen

Für das umstrittene Moscheebauprojekt in Erfurt-Marbach hat die örtliche Ahmadiyya-Gemeinde bei der Stadt Erfurt einen Bauvorantrag gestellt. Sie plant ein Gotteshaus mit Kuppel und Zierminarett. Es wäre der erste Moschee-Neubau in Thüringen und - mit Ausnahme von Berlin - nach Leipzig und Chemnitz das dritte derartige Projekt in einem der ostdeutschen Bundesländer. Das Projekt hatte am vergangenen Mittwoch den Thüringer Landtag beschäftigt. Die Fraktion der Alternative für Deutschland (AfD) sprach sich dagegen aus.

Ein seit langem geplantes Gespräch zwischen der Parteiführung auf Bundesebene und dem Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) endete derweil am Montag im Eklat. Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry und zwei Parteifreunde brachen es nach rund einer Stunde ab. (KNA/dpa)

Linktipp: Kirchen befürworten Moscheebau in Erfurt

Die beiden großen Kirchen in Deutschland wenden sich gegen die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Die will den Bau einer Moschee in Erfurt durch einen Bürgerentscheid verhindern.

Zum Artikel

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017