Sarah: Unwürdige Messfeiern keine Seltenheit

Die Umsetzung der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzil sei eine Katastrophe, meint der Präfekt der Gottesdienstkongregation. Und er macht der nachkonziliaren Kirche einen weiteren schweren Vorwurf.

Liturgie | Würzburg - 31.03.2017

Der Präfekt der römischen Gottesdienstkongregation, Kardinal Robert Sarah, sieht die katholische Kirche in einer schweren Glaubenskrise. Wie die in Würzburg erscheinende "Tagespost" (Samstag) berichtet, bezeichnete er die Umsetzung der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils als Katastrophe. "Wir können unsere Augen nicht vor dem Desaster, der Verwüstung und dem Schisma verschließen, die die modernen Förderer einer lebendigen Liturgie verursacht haben, indem sie die Liturgie der Kirche nach ihren Vorstellungen umgestalteten."

Katholische Kirche hat christliche Wurzeln aufgegeben

Aus Sicht des afrikanischen Kurienkardinals hat sich die Kirche nach dem Konzil (1962-1965) von ihren Wurzeln abgeschnitten: "Man wirft dem politischen Europa vor, seine christlichen Wurzeln aufzugeben oder zu verleugnen. Doch wer zuerst seine christlichen Wurzeln und seine christliche Vergangenheit aufgegeben hat - das ist mit Sicherheit die nachkonziliare katholische Kirche." Moderne Förderer der Liturgie hätten vergessen, dass die liturgische Handlung nicht nur ein Gebet, sondern vor allem ein Mysterium sei.

Unwürdige liturgische Feiern seien deshalb keine Seltenheit, so der Kardinal. Die heilige Messe werde "frevelhafterweise" auf ein einfaches Gastmahl reduziert. Als noch schlimmer empfinde er jedoch liturgische Feiern, die ablenkten von der Angst vor einem sinnlos scheinenden Leben oder von der "Furcht, Gott von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, weil sein Blick entlarvt und uns dazu zwingt, die Hässlichkeit unseres Inneren in aller Wahrheit und unabgelenkt zu schauen".

Auch Bischöfe in Verantwortung

Als Ursache für die "schwerwiegende Krise", die seit dem Konzil die Liturgie und die Kirche selbst erschüttere, sieht Sarah, dass im Zentrum der Kirche nicht mehr Gott und seine Anbetung stehe. Stattdessen seien die Menschen und ihre angebliche Fähigkeit, etwas zu "tun", in die Mitte gerückt, um sich während der Eucharistiefeier mit etwas zu beschäftigen. Der Kardinal sieht laut dem Bericht der "Tagespost" auch die Bischöfe in der Verantwortung für die Missstände. So hätten es manche Bischofskonferenzen abgelehnt, den lateinischen Originaltext des römischen Messbuches getreu zu übersetzen. Das Evangelium und die Offenbarung würden stattdessen "neu interpretiert" und der dekadenten westlichen Kultur angepasst. (KNA)

II. Vaticanum: Macht die Fenster weit auf!

Vieles, was heute in der Kirche als selbstverständlich gilt, ist eine Folge der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Katholisch.de blickt auf die wegweisende Versammlung und ihre wichtigsten Beschlüsse zurück.

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