Stärkung der Reformer?

Die US-Delegation für die Familiensynode im Herbst wird womöglich durch zwei enge Gefolgsleute von Papst Franziskus ergänzt. Die Konservativen könnten damit an Einfluss verlieren, denn die beiden sind als Reformer innerhalb der US-Kirche bekannt.

Familiensynode | Washington - 12.08.2015

Offiziell bestätigt ist bislang noch nichts. Aber wenn die Anzeichen nicht trügen, steht eine Ernennung von Chicagos Erzbischof Blase Cupich und des schwarzen Bischofs von Youngstown, George Murry, als Delegierte für die vatikanische Familiensynode im Vatikan kurz bevor.

Als erste meldete die konservativ ausgerichtete Catholic News Agency (CNA) aus Denver die kirchenpolitische Weichenstellung. Seitdem berichteten mehrere katholischen US-Medien unter Berufung auf Kirchenkreise über die angebliche Entscheidung des Papstes, ausgesprochenen Unterstützern seines Erneuerungskurses Sitz und Stimme in der Synode zu geben. Bei dem Bischofstreffen vom 4. bis 25. Oktober soll im Vatikan die Debatte über die Positionierung der katholischen Kirche hinsichtlich kontroverser Fragen zur Familienpastoral von 2014 fortgesetzt werden. Zu den zentralen Themen aus Sicht westlicher Gesellschaften zählen etwa eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion, die Seelsorge für homosexuelle Paare, der Umgang mit Alleinerziehenden sowie Lebensweisen, die nicht in Einklang mit den Lehren der katholischen Kirche stehen. Während Teile der Synode ein Entgegenkommen bei diesen Themen als eine Kapitulation vor dem Zeitgeist werten würden, versuchen andere, Wege zu finden, die Seelsorge mit einigen Realitäten moderner Gesellschaften zu versöhnen, ohne dabei die kirchliche Identität infrage zu stellen.

Papst hat das Recht Synodale nach eigenem Ermessen zu benennen

Der Papst hat das Recht, neben den von den nationalen Bischofskonferenzen bestellten Delegierten zusätzliche zu ernennen. Sollten sich die nun bekanntgewordenen Informationen bestätigen, macht er in den USA davon Gebrauch, indem er den vier Vertretern der Bischöfe aus dem eher konservativen Lager zwei Reformer an die Seite stellt. Bereits im vergangenen November hatte die US-Bischofskonferenz neben ihrem Vorsitzenden, Erzbischof Joseph Kurtz aus Louisville im US-Bundesstaat Kentucky, dessen Stellvertreter Kardinal Daniel DiNardo aus der texanischen Erzdiözese Galveston-Houston, den Erzbischof der größten US-Diözese Los Angeles Jose Gomez sowie den Gastgeber des Weltfamilientreffens, Erzbischof Charles Chaput aus Philadelphia, benannt. Als Mitglieder des Synodenrates sind zudem vom Papst ernannt Washingtons Kardinal Donald Wuerl sowie der pragmatische New Yorker Kardinal Timothy Dolan.

Papst Franziskus wird vermutlich zwei US-Bischöfe zusätzlich zu Synodalen ernennen. Das Bild zeigt ihn bei der Eröffnung der Familiensynode im vergangenen Jahr.
 picture alliance/AP Photo

Chicagos Erzbischof Cupich stand zusammen mit dem konservativen Erzbischof Salvatore Cordileone aus San Francisco als Ersatzdelegierter auf der Liste der Bischofskonferenz. Indem Papst Franziskus nun Cordileone übergangen und neben Cupich mit Bischof Murry einen weiteren Reformer zu der Synode eingeladen habe, habe er vor seinem USA-Besuch im September ein unübersehbares Signal gesetzt, meinen Beobachter. Franziskus hatte Cupich im November zum Nachfolger des schwer kranken und inzwischen verstorbenen Kardinals Francis George an der Spitze des einflussreichen Erzbistums Chicago ernannt. Bei der Übergabe des Palliums im Vatikan im Juni gewährte er Cupich als einzigem der neuernannten Erzbischöfe eine Privataudienz.

Als Reformer bekannt

Bereits während der ersten Monate in Chicago profilierte sich Cupich als Führer der Reformer innerhalb der US-Bischofskonferenz und setzte auch in seinem Bistum Akzente. Wie Papst Franziskus rückte er soziale Gerechtigkeit ins Zentrum seiner Verkündigung. Cupich gilt als Anwalt für die Rechte von Einwanderern und reagierte auf die Umweltenzyklika des Papstes mit einer ehrgeizigen Klima-Initiative. Bischof Murry kommt als Jesuit (und Ordensbruder des Papstes) aus derselben Tradition. Er gehörte zu jenen US-Bischöfen, die sich jüngst mit Führern der US-Gewerkschaften trafen, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Mit dabei war auch der Washingtoner Kardinal Wuerl. In den USA werden diese Personalien mit Blick auf den anstehenden Papstbesuch auch als ein Zeichen dafür verstanden, dass Franziskus auch innerhalb der US-Kirche auf Erneuerungen dränge.

Linktipp: Familiensynode

Theorie trifft Praxis: Über zwei Jahre beraten Bischöfe und Laien im Vatikan über die "pastoralen Herausforderungen der Familie". Das ist ein höchst brisantes Thema, bei dem die Vorstellungen der Kirche und die Lebenspraxis ihrer Gläubigen zunehmend auseinanderdriften.

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Von Thomas Spang (KNA)

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