Synode uneins bei wiederverheirateten Geschiedenen

Die Synode im Vatikan ist uneins über den künftigen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Das geht aus den Stellungnahmen der Arbeitsgruppen hervor. Überraschend war dabei vor allem das Votum der deutschen Gruppe.

Familiensynode | Bonn - 21.10.2015

Die Bischofssynode im Vatikan ist uneins über den künftigen kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Das geht aus den am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahmen der verschiedenen Arbeitsgruppen hervor.

Demnach sprechen sich 3 der 13 Gruppen ausdrücklich für eine Beibehaltung der derzeitigen offiziellen Praxis aus. Sie schließt Geschiedene, die eine zweite zivile Ehe eingegangen sind, vom Kommunionempfang aus. Diese Position wird von zwei englischsprachigen und einer französischsprachigen Gruppe vertreten.

Vier Gruppen fordern jeweils eine sorgfältige Prüfung des Einzelfalls unter Aufsicht des Ortsbischofs oder Beichtvaters und schließen eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion dann nicht grundsätzlich aus. Hierzu zählen die deutschsprachige Gruppe sowie zwei italienische und französischsprachige Gruppe. Eine der betreffenden italienischen Gruppen sowie zwei weitere Gesprächszirkel sprechen sich für eine weitere Sondierung des Problems und eine anschließende Entscheidung des Papstes aus. Eine Gruppe ist geteilter Meinung. Die drei übrigen äußern sich nur allgemein oder gar nicht zu diesem Thema.

Schwer einzuschätzende Mehrheitsverhältnisse

Die Delegierten der Deutschen Bischofskonferenz, ihr Vorsitzender Kardinal Reinhard Marx, Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Erzbischof Heiner Koch (Berlin) hatten sich innerhalb der Bischofskonferenz für eine Änderung der bisherigen Praxis gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen stark gemacht.

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Eine Einschätzung der Mehrheitsverhältnisse in dieser Frage ist auch deshalb schwierig, weil aus den Stellungnahmen der Arbeitsgruppen nicht immer klar hervorgeht, ob diese einstimmig beschlossen wurden. Erforderlich ist nur eine absolute Mehrheit.

Die erste Bischofssynode über Ehe und Familie im Herbst 2014 hatte sich nicht auf eine einheitliche Linie im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen verständigen können. Der Abschnitt im Abschlussdokument, der eine weitere Sondierung der Frage vorsah, fand nicht die nötige Zweidrittelmehrheit. Auf Wunsch des Papstes wurde er dennoch in das Arbeitspapier für die jetzige Synode aufgenommen.

Die Verständigung der deutschsprachigen Gruppe auf eine gemeinsame Position zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen ist nach den Worten des Berliner Erzbischofs Heiner Koch kein "fauler Kompromiss". Sie sei vielmehr das Ergebnis einer "sachlichen und fachlichen Diskussion", sagte Koch am Mittwoch gegenüber "Radio Vatikan". Die Gruppe sei "aus dem Ringen heraus zu einem Ergebnis gekommen". Das einmütige Votum kam überraschend, weil in der Gruppe mit den Kardinälen Walter Kasper, Reinhard Marx und Christoph Schönborn einerseits und dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, andererseits gegensätzliche Positionen in der Debatte um den Kommunionempfang von wiederverheirateten Geschiedenen vertreten waren.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat offenbar erheblich dazu beigetragen, dass die deutschsprachige Gruppe bei der Bischofssynode einen gemeinsamen Weg in der Geschiedenenfrage gefunden hat.
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Dass alle Änderungsvorschläge des Gesprächskreises zum Arbeitspapier der Synode einstimmig angenommen würden, hätte er zuvor für "unmöglich" gehalten, sagte Koch weiter. Zugleich betonte er, dass es nicht das oberste Ziel sei, Einstimmigkeit zu erzielen. Koch war als Berichterstatter der Gruppe für die Erstellung des Textes und dessen Vortrag im Plenum zuständig.

Wichtige Rolle von Kardinal Schönborn

Es habe vieler Gespräche mit einzelnen Mitgliedern in den Pausen bedurft, um Möglichkeiten einer Einigung auszuloten, berichtete Koch. Er habe darin jedoch auf seinen Erfahrungen beim Weltjugendtag in Köln im Jahr 2005 zurückgreifen können. Damals habe er den Päpstlichen Rat für die Laien, die Deutsche Bischofskonferenz, Kardinal Joachim Meisner und die katholischen Jugendverbände zusammenbringen müssen.

Eine wichtige Rolle innerhalb der deutschsprachigen Gruppe spielt darüber hinaus offenbar der österreichische Kardinal Christoph Schönborn, der erheblich dazu beigetragen haben soll, dass die Gruppe einen Lösungsweg in der Geschiedenenfrage gefunden hat. Ein deutscher Teilnehmer der Gruppe, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), ohne die besonderen diplomatischen und sprachlichen Fähigkeiten des Wiener Erzbischofs wäre eine Einigung zwischen den Positionen der Kardinäle Kasper und Müller wahrscheinlich nicht zustande gekommen. Das Klima in der deutschsprachigen Gruppe bezeichnete der Teilnehmer als streckenweise ausgesprochen kontrovers, aber stets sachlich. (stz/KNA)

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