Synodenblog

Tag 8: Holzhammer und Florett

Abtpräses Jeremias Schröder berichtet von der Familiensynode

Vatikanstadt - 12.10.2015

In der westlichen Welt wird am Samstag wenig bis gar nicht gearbeitet. Ganz anders aber in diesem kleinen Staat im Süden Europas: die Synodenväter treten wie immer um 9 Uhr an und werden um 19 Uhr wieder entlassen. Einziges Zugeständnis ist eine 10-minütige Pause am Nachmittag. "Aber ohne Kaffee", wie uns der Generalsekretär mitteilt, dem dafür freundliches Hohngelächter entgegenschlägt.

Ein Gutes hat die strenge Arbeitsdisziplin allerdings: wir sind weiter als eigentlich geplant. So beginnen am Samstag bereits die Einzelbeiträge zum dritten Teil des Instrumentum Laboris, der den Titel hat "Die Sendung der Familie heute". Es ist mit Abstand der längste Teil des Dokuments, und auch der mit den kontroversen Themen. Entsprechend heizt sich nun auch der Ton in der Synode wieder etwas auf. Viele Redner beteuern, dass die Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete weder das einzige noch das wichtigste Thema der Synode sei, sprechen dann aber doch darüber. Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit werden in unterschiedlichen Kombinationen beschworen, und eine gemeinsame Linie ist noch nicht erkennbar.

Nur ein Thema kommt noch häufiger vor: die Notwendigkeit einer guten Ehevorbereitung. Verschiedene Bischöfe berichten von erfolgreichen Projekten in ihrer Heimat, die den Eheleuten helfen, sich bewusster und besser auf ihre Ehe als Sakrament einzulassen. Oft wird davon gesprochen, dass man die Ehe als Berufung verstehen muss, als eine Lebensform in die hinein man von Gott berufen wird. In dieser Aula mit hunderten von Bischöfen und Priestern, die ja ihren Lebensweg als eine solche Berufung ergriffen haben, hat das eine starke Resonanz. Aber auch ein anderer Vergleich mit uns Klerikern wird gezogen: seit dem II. Vatikanum seien rund 80.000 Priester durch den Vatikan laisiert worden, lebten in Frieden mit der Kirche und dürften natürlich die Kommunion empfangen. Einer zitiert Matthäus 23 und sagt es deutlich: sind wir diejenigen, die anderen eine Bürde auferlegen, die wir selbst nicht tragen können?

Das Synodenblog

Abtpräses Jeremias Schröder OSB von St. Ottilien nimmt an der Familiensynode im Vatikan teil. Für katholisch.de berichtet er regelmäßig direkt aus der Synodenaula.

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In der Aula ist immer wieder von der unwandelbaren zweitausendjährigen Tradition der Kirche die Rede. Das stört einige, die wissen, wie es wirklich war. Einer erinnert an den seligen Theologen und Kardinal John Henry Newman, der 1845 einen berühmten Aufsatz schrieb mit dem Titel "Über die Entwicklung der katholischen Lehre". Am Samstag meldet sich ein Synodenvater, der in drei Minuten einen rasanten Abriss der Veränderungen der mittelalterlichen Ehelehre gibt. Als ich ihm hinterher gratuliere, sagt er: "Das war das Thema meiner Doktorarbeit." Ich selber kann einen Hinweis auf das ziemlich wichtige Konzil von Nicäa von 325 unterbringen, das im Kanon 8 ausdrücklich festhält, dass wiederaufgenommene Priester Kommunion mit denen halten müssen, die in zweiter Ehe leben. Daraus hat sich dann die Praxis der Orthodoxen gebildet. Das Glaubensbekenntnis von Nicäa steht auch in unserem westlichen Messbuch!

"Rauch Satans in der Synodenaula"

Die Beiträge der Synodenteilnehmer sind so unterschiedlich wie ihre Herkunft und ihre Charaktere. Es gibt den Holzhammer – einer spricht vom "Rauch Satans in der Synodenaula" – und es gibt das Florett: Ein amerikanischer Kirchenführer sagt ein paar formvollendete Sätze über den häufigen Wunsch nach regionaler Zuständigkeit, "manchmal allzu kraftvoll vorgetragen", und über Erasmus von Rotterdam. Und man merkt erst am Ende, wenn man es denn merkt, dass da wohl auf hintersinnige Weise einem mächtigen Synodalen unterstellt wurde, ein zweiter Martin Luther zu sein. Segensreich sind da Männer wie Kardinal Schönborn, der es schafft, eine kontroverse Äußerung aufzugreifen und zu würdigen, und dann so zu wenden, dass die ganze Synode dahinterstehen kann. Zum Ende der Synode hin wird das hoffentlich noch öfter gelingen, auch bei den ganz großen Fragen.

Der kleine Staat im Süden Europas hat nicht nur eine besondere Arbeitsdisziplin. Auch die Sicherheitskräfte sind wachsamer als anderswo. Mein Motorroller, den ich wegen des Regens über Nacht vor der Synodenaula stehen lasse, ist am nächsten Tag angekettet und mit einem vorgedruckten Hinweis versehen, dass dies ein Verstoß gegen die geltenden Regeln sei und der Fahrzeughalter sich bei der päpstlichen Gendarmerie vorzustellen habe. Dort lässt sich der Obergendarm relativ schnell zur Milde bewegen, wie mir scheint vor allem durch mein großes Brustkreuz. "Im Kreuz ist Heil", denke ich mir, während die Fessel wieder abgenommen wird.

Von Jeremias Schröder OSB

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