Tradition oder Öffnung?

Synodenteilnehmer Bischof Franz-Josef Bode hat vor verhärteten Lagern in der Kirche gewarnt. Die Kirche müsse außerdem ihre Fokussierung auf das Sexuelle überwinden, sagte er im Interview mit der "Herder Korrespondenz".

Familiensynode | Bonn - 29.07.2015

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sieht die katholische Kirche im Blick auf die für Oktober geplante Bischofssynode vor bedeutenden Grundsatzentscheidungen. "Wir stehen eben nicht nur vor Einzelfragen zu Ehe und Familie, sondern es geht um die grundsätzliche Entscheidung, wie wir uns den Entwicklungen in Europa und der Welt stellen", sagte Bode der in Freiburg erscheinenden Zeitschrift "Herder Korrespondenz".

Es gehe um das Abwägen von Tradition und Öffnung. Dabei sei seine Sorge, so der Bischof weiter, dass die Synode in Lagern verharre und am Ende nur "Sieger und Besiegte übrig bleiben". Nötig sei stattdessen ein Unterscheidungs- und Versöhnungsprozess. Ebenfalls dürfe es nicht passieren, dass nach der Synode "die Dinge zwar in neuen Worten, aber in völlig gleicher Weise ausgesprochen werden wie bisher".

Bode blickt im Interview auch durchaus kritisch auf die Differenzen zwischen kirchlicher Lehre und Lebenswirklichkeit der Gläubigen. "Natürlich liegt eine große Kraft darin, dass die Kirche die Unauflöslichkeit der Ehe so sehr verteidigt", sagt er. Wenn das Ideal jedoch keinen Bezug mehr zum Leben habe, verfehle es seine Wirkung.

Gegen eine zweite Ehe nach orthodoxem Vorbild

Mit Blick auf die wiederverheirateten Geschiedenen sagte Bode, dass schon in der Urkirche "Einehe, Treue in der Ehe und Unauflöslichkeit" von großer Bedeutung waren. Gleichwohl müsse aber darüber diskutiert werden, "ob eine zweite zivile Ehe immer und in jedem Fall von Beichte und Kommunion ausschließt". Er selbst wünsche sich eine "pastorale Lösung, die auch einen längeren Weg seelsorglicher Begleitung der Betroffenen einschließt". Gegen eine zweite Ehe nach orthodoxem Vorbild sprach sich der Vorsitzende der Pastoralkommission dagegen aus. Eine wiederum andere Frage sei es dagegen, ob künftig die Segnung einer zweiten Beziehung möglich sein könne.

Der Bischof betont, wie wichtig es sei, bei der Synode im Herbst eine einheitliche Lösung für die katholische Kirche weltweit zu finden. Regionale Sonderwege dürfe es beim Sakrament der Ehe nicht geben, so Bode: "Im Kern von Ehe und Familie können wir im Tiefsten nicht uneinig sein." Bei der Bewertung von anderen Lebensformen könne es dagegen durchaus Unterschiede geben.

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Theorie trifft Praxis: Über zwei Jahre beraten Bischöfe und Laien im Vatikan über die "pastoralen Herausforderungen der Familie". Das ist ein höchst brisantes Thema, bei dem die Vorstellungen der Kirche und die Lebenspraxis ihrer Gläubigen zunehmend auseinanderdriften.

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Bode warnt vor Fixierung auf das Sexuelle

Generell dürfe man die ehelichen Beziehungen aber nicht allein aus dem Blickwinkel der katholischen Sexualmoral beurteilen, sondern müsse die Ehe viel stärker als gemeinsame Verantwortungsgemeinschaft betrachten. "Die Fixierung auf das Sexuelle und auch die Einengung des Sexuellen auf den Akt müssen wir überwinden", so der Bischof.

Auch mit Blick auf außereheliche Beziehungen und gleichgeschlechtliche Paare warnte Bode vor undifferenzierten Sichtweisen, die diese "schematisch bewerten, anstatt auch ihre Qualitäten und ihre Reichtümer zu sehen". Jesus selbst habe den Menschen schließlich auch "immer zuerst als Person angesehen und ihn dann in seiner Schwäche wahrgenommen".

Bode wird neben dem Bischofskonferenz-Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, und Erzbischof Heiner Koch vom 4. bis 25. Oktober an der Familiensynode im Vatikan teilnehmen. Erwartet werden Delegierte von weltweit 112 katholischen Bischofskonferenzen. Die Synode berät darüber, wie die katholische Kirche Ehe und Familie angesichts der großen Kluft zwischen kirchlicher Lehre und Lebenspraxis vieler Katholiken stärken kann. Einzelthemen sind etwa der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen oder die Förderung von Migrantenfamilien. (bod/KNA)

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