Zweidrittelmehrheit für alle Textabschnitte

Die Weltbischofssynode im Vatikan hat ihr Schlussdokument mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit verabschiedet. Das teilte Vatikansprecher Federico Lombardi kurz vor Abschluss des dreiwöchigen Treffens zum Thema Familie am Samstagabend vor Journalisten mit.

Familiensynode | Vatikanstadt - 24.10.2015

Die Weltbischofssynode im Vatikan hat ihr Schlussdokument mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit verabschiedet. Das teilte Vatikansprecher Federico Lombardi kurz vor Abschluss des dreiwöchigen Treffens zum Thema Familie am Samstagabend vor Journalisten mit.

Alle 94 Textabschnitte erhielten demnach mindestens 177 Stimmen der anwesenden 265 Synodalen. Wie bei der ersten Familiensynode im Oktober 2014 gab Papst Franziskus den Text unmittelbar zur Veröffentlichung frei. Einige Paragrafen hätten bis zu 90 Prozent der Stimmen erhalten, so der Sprecher; bei anderen dagegen sei die Zweidrittelmehrheit nur ganz knapp erreicht worden. Es sei ein erklärtes Anliegen der Teilnehmer gewesen, ein möglichst großes Einvernehmen zu erzielen.

Inhaltlich spricht sich die Synode in dem Papier für eine stärkere Integration wiederverheirateter Geschiedener in die kirchliche Gemeinschaft aus. Integration bedeute pastorale Begleitung, heißt es dort. Die Betroffenen dürften nicht alleingelassen werden und dürften sich keinesfalls exkommuniziert fühlen. Man müsse sorgfältig prüfen, welche bisherigen Ausschlüsse im Bereich Liturgie, Seelsorge, Erziehung und kirchliche Verwaltung überwunden werden könnten.

Unterschiedlichen Situationen beim Scheitern einer Ehe Rechnung tragen

Auf die heftig diskutierte Frage eines möglichen Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene geht der Text nicht direkt ein; ebenso nicht auf den Vorschlag eines "Wegs der Buße". Allerdings befürworten die Teilnehmer einen Weg der "Besinnung" und "Gewissensbildung" im Gespräch mit einem Beichtvater. Dies solle zur "Bildung eines rechten Urteils darüber führen, was der Möglichkeit einer vollen Teilnahme am Leben der Kirche entgegensteht, und über Schritte, die dieser Teilnahme förderlich sind und sie wachsen lassen können".

In jedem Fall müsse man sorgfältig unterschiedlichen Situationen beim Scheitern einer Ehe Rechnung tragen, fordert die Synode. Es sei ein Unterschied, ob jemand trotz ehrlichen Bemühens, die erste Ehe zu retten, zu Unrecht verlassen wurde, oder ob jemand durch schwere Schuld eine kirchenrechtlich gültige Ehe zerstört hat. Andere gingen mit Blick auf die Erziehung der Kinder eine zweite Verbindung ein. Wieder andere seien überzeugt, dass ihre vorherige, irreparabel zerstörte, Ehe nie gültig gewesen sei. Es sei Aufgabe der Priester, Gläubige auf ihrem Weg der Unterscheidung gemäß der Lehre der Kirche und der Position ihres Bischofs zu begleiten. Bei diesem Prozess seien Gewissenserforschung durch Reflexion und Buße notwendig.

Das Abschlussdokument wurde am Ende der Synodenberatungen dem Papst übergeben, verbunden mit der Bitte, daraus ein Dokument über die Familie zu erstellen. 

Franziskus fordert dezentrale Lösungen

Franziskus seinerseits forderte in einer Rede vor den Synodenvätern dezentrale Lösungen im Umgang mit Ehe und Familie. "Jedes allgemeine Prinzip muss in die jeweilige Kultur übertragen werden, wenn es eingehalten und angewendet werden soll", sagte er. Die Synode habe gezeigt, dass etwas, das dem Bischof eines Kontinents normal erscheine, für den Bischof eines anderen Kontinents als "Skandal" gelten könne.

Er betonte, dass die kirchliche Lehre nicht geändert werden solle. Eine "Inkulturation" des Glaubens schwäche nicht dessen Werte, sondern zeige ihre Stärke und mache sie authentisch. Die Kirche müsse stets eine menschliche und barmherzige Haltung zeigen, sagte das Kirchenoberhaupt vor den rund 270 Teilnehmern der Versammlung, die seine Worte nach Angaben des Vatikan mit stehenden Ovationen quittierten.

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War die Synode mehr als ein Lernprozess? Worin unterscheidet sich die diesjährige Synode von der Letzten? Wir haben schon vor der Abstimmung über das Abschlussdokument mit einigen Pressevertretern in Rom einen ersten Rückblick gewagt.
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Die Synode, so der Papst weiter, habe gezeigt, "dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht jene sind, die den Buchstaben verteidigen, sondern den Geist; nicht die Idee, sondern den Menschen; nicht die Formeln, sondern die unentgeltliche Liebe Gottes und seiner Vergebung". Oft verstecke sich die Verschlossenheit der Herzen hinter der Lehre der Kirche. Wichtigste Aufgabe der Kirche sei aber nicht zu verurteilen, sondern Gottes Barmherzigkeit zu verkünden, zu Umkehr aufzurufen und die Menschen zum Heil zu führen.

Die Bischofssynode habe versucht, Horizonte zu öffnen und geschlossene Perspektiven zu vermeiden, um "die Freiheit der Kinder Gottes zu verteidigen" und die Schönheit der christlichen Botschaft besser zu vermitteln, so Franziskus. Allerdings werde diese Botschaft zuweilen "vom Rost einer archaischen oder schlicht unverständlichen Sprache verdeckt".

Franziskus: Familie steckt in einer Krise

Die Familie steckt nach Worten von Franziskus derzeit in einer historischen Phase der Entmutigung und in einer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und moralischen Krise. Die Kirche müsse dagegen den Wert und die Schönheit von Familien betonen, gegründet auf die unauflösliche Ehe zwischen Mann und Frau. Sie seien das Fundament der Gesellschaft und des Lebens der Menschheit.

Zum Abschluss stimmten die Anwesenden den Dankgesang "Te Deum" an. Die Synode endet am Sonntag mit einem Gottesdienst im Petersdom, den Papst Franziskus mit den Synodenvätern konzelebriert. (gho/KNA)

24.19.2015, 21.00 Uhr: ergänzt um Aussagen von Papst Franziskus

24.19.2015, 21.45 Uhr: ergänzt inhaltliche Details

Themenseite: Familiensynode

Vom 4. bis 25. Oktober 2015 tritt die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

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