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Alles andere als fromm

Firmung ist keine Pflichtveranstaltung. Pastoralreferent Markus Gehling sagt seinen Fimlingen: "Firmung macht nur dann Sinn, wenn du wirklich dahinter stehst." Eine Reportage aus Voerde im Bistum Münster.

Firmvorbereitung | Voerde - 07.01.2015

Muss ich mich firmen lassen? Viele Jugendliche sind erstaunt, wenn Pastoralreferent Markus Gehling sie beruhigt: "Nein, denn Firmung macht nur dann Sinn, wenn du wirklich dahinter stehst." Doch die meisten, die eine solche Frage stellen, melden sich dann doch an. Wie Mädchen und Jungen einer 7.000 Seelen starken Pfarrgemeinde im Bistum Münster sich auf das Sakrament der Firmung vorbereiten.

Das Angebot ist super – vom Klettern im Hochseilgarten über Wochenendfahrten bis zu Diskussionsabenden, bei denen es alles andere als fromm zugeht: Das Seelsorgeteam von Sankt Maria Königin des Friedens in Voerde unter Leitung von Pfarrer Heinz-Josef Möller lässt sich etwas einfallen, um künftige Firmlinge zu begeistern. Etwas mehr als ein Drittel aller angeschriebenen Jugendlichen melden sich zur Firmung an. "Das sind gut 30 Mädchen und Jungen pro Jahr", sagt Pastoralreferent Markus Gehling.

Er sieht es positiv: "Wer heute zur Firmung geht, macht das freiwillig und steht voll dahinter. Hier hat ein deutlicher Wandel stattgefunden. Kaum ein Jugendlicher lässt sich heute noch von Eltern unter Druck setzen oder zur Firmung überreden, wenn er nicht selber dahinter steht. Ich stelle fest, dass es viele engagierte junge Menschen gibt, die sich interessiert und offen mit ihrer Glaubens- und Lebensgestaltung auseinander setzen."

Hier gehts zur Sache

Mädchen und Jungen staunen oft über die Vielfalt der Angebote bei der Firmvorbereitung. Da wird nicht Buch geführt, wer das Glaubensbekenntnis auswendig kann oder nicht. Da gibt es keine frommen Geschichten und langweiligen Gruppenspielchen. Nein, da gehts in die Tiefe und oft auch richtig zur Sache. Junge Menschen sollen sich im wahrsten Sinne des Wortes "be-geistern" lassen. Denn es ist kein Geringerer als der Heilige Geist, der sie über die Schwelle von der Kindheit zum Erwachsensein geleitet. Jugendliche brauchen deshalb Firmkatecheten, die in ihnen das Feuer der Begeisterung entzünden und ihnen Appetit auf ein Leben aus dem Glauben machen.

Und das ist nicht in einer Light-Version zu haben. "Da kommt schon ein Stück Arbeit auf die Jugendlichen zu. Denn es geht ja in diesem Alter vor allem um Identitätsfindung, um die großen Fragen: Wer bin ich? Wo komme ich her? Wohin gehe ich?", sagt Markus Gehling. Aber schon beim ersten Treffen spüren die jungen Menschen: Hier sind Erwachsene, die uns ernst nehmen, die uns etwas zutrauen, die uns so wertschätzen, wie wir sind. Eine wichtige Voraussetzung, dass die Arbeit an sich selbst und in der Gruppe gelingt, ist die regelmäßige Teilnahme an den Treffen und Angeboten im Rahmen der Firmvorbereitung.

Jugendliche mit Fahhrädern vor einem Kirchenportal.
Firmgruppe aus Voerde im Bistum Münster.
 privat

Sich einbringen in der Gemeindearbeit

Markus Gehling legt nach der Anmeldung alles offen auf den Tisch – Termine, Bedingungen, Erwartungen. "Die Jugendlichen müssen wissen, was auf sie zukommt und worauf sie sich einlassen. Je früher sie informiert sind, desto besser können sie selber planen", erklärt der Pastoralreferent. Verpflichtend ist zum Beispiel der Glaubenskurs: sechs Treffen von je eineinhalb Stunden Dauer – je einmal monatlich. Auch Pilgern steht auf dem Terminplan. "Die Jugendlichen nehmen entweder an der Gemeindewallfahrt teil oder an einer Fußwallfahrt, die wir eigens für die Firmbewerber anbieten", erklärt der Pastoralreferent.

Kernstück der Vorbereitung ist eine gemeinsame Wochenendfahrt von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag. Aber auch Gottesdienstbesuche – wenn auch nicht wöchentlich – werden erwartet. "Einmal monatlich ist schon eine gute Sache, öfter natürlich noch besser", lautet die Antwort des Pastoralreferenten auf die typische Frage: "Wie oft muss ich denn zum Gottesdienst kommen?" Wichtig: Die Firmbewerber sollten sich während der Vorbereitung an Aktivitäten der Gemeinde beteiligen, etwa im Rahmen eines Gemeindepraktikums. "Die Mädchen und Jungen sollen mit der konkreten Gemeinde hier vor Ort vertraut gemacht werden und mitbekommen, was da passiert. Dazu können sie dann auch etwas Sinnvolles beitragen", sagt Markus Gehling.

Helfen macht ungeheuer stolz

Die Jugendlichen dürfen wählen: Hausaufgabenhilfe für Grundschulkinder; Jugendliturgiekreis, in dem sie Jugendgottesdienste, Frühschichten in der Advents- und Fastenzeit und andere Aktionen vorbereiten; Messdienergruppe; Pfadfinder; Jugendchor; Mitarbeit bei den Arbeitskreisen "Katechese" sowie "Familie __amp__ Co.". Bei diesen Arbeitskreisen werden laufend hilfreiche Hände gebraucht. Die jungen Leute können sich beim Büchertrödelmarkt, bei der Kinderbibelwoche, beim Familienfrühstück und beim Winterspaziergang für Familien einbringen.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, sich beim Partnerschaftsprojekt mit Uganda nützlich zu machen, bei der Sternsingeraktion oder beim „"Kinder-Abenteuerland", einem wöchentlichen Spielnachmittag für die Kleinen. Wie schafft Markus Gehling es, junge Menschen für die Mitarbeit an solchen Gemeindeprojekten zu begeistern? "Jugendliche möchten dazu gehören, sich als vollwertige Mitglieder der Pfarrgemeinde verstanden wissen. Dass ihre Hilfe gebraucht und geschätzt wird, macht sie ungeheuer stolz. Mir selber tut es gut, immer wieder festzustellen, wie engagiert Jugendliche sind und wie ernsthaft sie sich mit Glaubens- und Lebensfragen auseinander setzen, wenn sie gute Gesprächspartner und Begleiter haben."

Von Margret Nußbaum

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