Mosaik zeigt Taufe Jesu im Jordan
Christoph Kreitmeir über das Sonntagsevangelium

Als die Taufe noch nicht langweilig war

Taufe heute: Das ist oft ein Familienfest mit kirchlichem Sahnehäubchen, meint Ausgelegt-Autor Christoph Kreitmeir. Zur Zeit Jesu sei das allerdings anders gewesen. Deshalb plädiert er dafür, dass die Taufe auch heute wieder Sinnbild eines Lebens mit Tiefgang wird.

Von Christoph Kreitmeir |  Bonn - 12.01.2019

Impuls von Christoph Kreitmeir

Sie kennen sicherlich den Ausspruch "Mit allen Wassern gewaschen...", oder? Dieser Begriff kommt ursprünglich aus der Sprache der Seeleute und meint, dass einer die Wasser der sieben Weltmeere befahren hat, also viel herumgekommen und erfahren ist. Im Laufe der Zeit entwickelte sich auch ohne Seemannsgarn eine andere Bedeutung heraus: so jemand ist durchtrieben, kennt alle Tricks, hat es faustdick hinter den Ohren, ist gerissen und abgebrüht.

Die beiden Hauptpersonen der Stelle im Lukasevangelium, um die es heute geht, Johannes der Täufer und Jesus von Nazareth, sind da ganz andere Zeitgenossen. Sie hauen niemanden übers Ohr – sie öffnen den Menschen Ohren und Herzen. Sie führen niemanden hinters Licht – sie weisen auf das Licht hin und Jesus selbst wird zum Lichtträger schlechthin. Für sich holen sie nicht alles raus, sondern das Wohl des anderen steht obenan.

Johannes der Täufer, wie der Name schon sagt, tauft mit Wasser. Jesus von Nazareth lässt sich von ihm taufen und dabei geschieht Unglaubliches: der Himmel öffnet sich, taubengleich kommt der Geist Gottes auf ihn herab und eine ganz besondere Stimme spricht wohlwollend und wohlgefällig von Liebe und Sohnschaft.

Taufe damals. Da war noch was los. Da war Religion noch nicht langweilig.

Taufe heute. Meist Babytaufe. Familienfest mit kirchlichem Sahnehäubchen. Das Wichtigste, die geistige Geburt eines Menschen und das lebenslange Mit-Jesus-befreundet-sein-dürfen, werden kaum noch wahrgenommen. Weil die Oma es will, weil es sich irgendwie gehört, weil vielleicht ein magischer Segen das Kind vor Unheil schützt und andere weniger geistvolle Gründe haben da nicht selten die Oberhand.

Es gibt sie aber auch, die anderen ... Die Menschen, die ihr Christsein bewusst neuentdecken, wiederbeleben und öffentlich bezeugen wollen. Die Menschen, denen das Äußere weniger wichtig, denen dafür aber die innere Kraft des christlichen Glaubens von Bedeutung ist. Für sie ist die Taufe die sich öffnende Eingangstür zu einem anderen Leben, das mit Gottes Hilfe und Begleitung Salz der Erde und Licht der Welt werden kann.

Taufen kommt von tief eintauchen ins Wasser, in die Tiefe gehen. Das war der Weg Jesu und wer auf ihn getauft ist, der geht mit ihm in die Tiefe, überlebt so manche Gefährdung und wird aus der Taufe gehoben in die Höhe der Auferstehung. Taufe – Sinnbild eines Lebens mit Tiefgang, das überhaupt nicht langweilig ist – Gott sei Dank!

Von Christoph Kreitmeir

Evangelium nach Lukas (Lk 3, 15-16.21-22)

In jener Zeit war das Volk voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Der Autor

Der Priester Christoph Kreitmeir arbeitet in der Klinikseelsorge am Klinikum Ingolstadt und in der Erwachsenbildung.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.