Bischof Ipolt: Manche Christen sind verunsichert
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Umbrüche in Kirche als Herausforderung und Chance

Bischof Ipolt: Manche Christen sind verunsichert

Die Kirche befindet sich in einer Zeit großer Umbrüche. Das führe bei manchen Christen zu Orientierungslosigkeit, sagt der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt. Dennoch sieht er auch Chancen und spricht über seine Vision von Kirche.

Görlitz - 12.01.2019

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt sieht die Kirche "in einer Zeit großer Umbrüche". Beim Neujahrsempfang des Bischofs am Samstag in der Neißestadt sagte er: "Das verunsichert manchen Christen und führt leicht zu Orientierungslosigkeit oder auch Beliebigkeit." Ipolt warb für ein neues Bewusstsein für den kirchlichen Gründungsauftrag, vor allem in der Minderheitensituation: "Meine Vision ist, dass wir in unserem Bistum noch tiefer erkennen, wozu wir in dieser Region als Kirche da sind."

Ipolt rief die Christen zu "demütigem Selbstbewusstsein" auf, dass sie auch "als kleine Ortskirche selbstverständlich in ökumenischer Verbundenheit mit anderen Christen viel beitragen können zum gelingenden Leben einer Gesellschaft in Sachsen und Brandenburg, in der die Mehrheit der Menschen das Evangelium nicht kennen". Der Bischof plädierte dafür, "in den veränderten und manchmal auch begrenzten Bedingungen neue Chancen für die Seelsorge entdecken und damit experimentieren". Dafür brauche es "gute Augen, Bereitschaft zu einem neuen Denken und eine andere Perspektive".

Der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Görlitz, Hartmut Schirmer, mahnte den Bischof: "Lassen Sie uns auch darüber nachdenken, wie wir gemeinsam die Strukturen der Gremien so weiterentwickeln, dass es echte Leitungsgremien werden können." Seine Erfahrung sei, dass es durchaus Bereitschaft gebe, Verantwortung zu übernehmen, "wenn sie auch tatsächlich übertragen wird".

Aufrufe zu gutem gesellschaftlichen Miteinander

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) hob die guten Beziehungen zwischen Bistum und Land hervor: "Ich weiß die Kirchen eng an unserer Seite, wenn wir etwa den Strukturwandel in Brandenburg angehen". Sie erinnerte überdies an die Wiederbesiedelung des Klosters Neuzelle durch Zisterzienser-Mönche im vergangenen Jahr. Es sei "ein ganz aktuelles Beispiel dafür, wie Kirche und Staat zusammenwirken können - und wie für die Gesellschaft insgesamt daraus ein Gewinn entsteht".

Der Landrat des Kreises Görlitz, Bernd Lange, rief mit Blick auf die anstehenden Landtags- und Kreiswahlen dazu auf, Angst schürende Populisten infrage zu stellen: "Kirche hat immer den Grundsatz des Verbreitens von Hoffnung gehabt, und darum brauchen wir die Kirche in diesem Jahr auch besonders bei der Vermittlung für ein gutes Miteinander."

Auch die evangelische Generalsuperintendentin Theresa Rinecker rief zu mehr Achtsamkeit im gesellschaftlichen Miteinander auf: "Viele Menschen beklagen Mangel: es mangelt den Einen an Respekt und Weltoffenheit, anderen eher an Wertschätzung von Lebensleistung und Sicherheit. Die Perspektiven auf die Lebenswirklichkeit in unserem Land sind sehr verschieden." Christen sollten sich in diesem Kontext als "peacemakers" engagieren, "dass Dankbarkeit Raum hat und das Verbindende in dieser Stadt und in unserm Land gestärkt wird".

Bischof Ipolt verwies auf das 25jährige Bistumsjubiläum in diesem Jahr. 1994 erhob der damalige Papst Johannes Paul II. die Apostolische Administratur Görlitz zur eigenständigen Diözese. Der Sprengel gehörte ursprünglich zum früheren Erzbistum Breslau. Breslaus Erzbischof Josef Kupny würdigte seinerseits die Zusammenarbeit und "sehr guten Kontakte" zwischen beiden Bistümern. Als Zeichen des "Ausdrucks der gegenseitigen Freundschaft und Einheit" schenkte Kupny seinem Amtsbruder Ipolt einen Messkelch. (KNA)