Paderborner Regens: Homosexualität kein Weihehindernis
Priesterausbilder nennt Kriterien

Paderborner Regens: Homosexualität kein Weihehindernis

Der Vatikan hatte noch 2016 Homosexuelle praktisch von der Priesterweihe ausgeschlossen. Aus Paderborn heißt es nun, dass Homosexualität an sich kein Aussschlusskriterium ist. Stattdessen zählt ein anderes Kriterium.

Paderborn - 29.01.2019

Ein Bekenntnis zu Homosexualität ist für Priesteramtskandidaten im Erzbistum Paderborn kein Ausschlusskriterium. "Wenn sie den Zölibat einhalten, werden auch homosexuelle Priesteramtskandidaten akzeptiert", sagte der Regens des Paderborner Priesterseminars, Michael Menke-Peitzmeyer, dem WDR am Montag. "Wir müssen unterscheiden zwischen einer homosexuellen Orientierung eines Menschen und homosexueller Praxis."

Selbstverpflichtung zum Zölibat

Die Selbstverpflichtung, im Zölibat enthaltsam zu leben, gelte dagegen weiterhin – und zwar für Menschen jeder Orientierung, so Menke Peitzmeyer. "Wenn homosexuelle Praxis bei einer Person üblich ist, finde ich, ist das ein Ausschlusskriterium mit Blick auf den priesterlichen Dienst." Inzwischen gebe es regelmäßige Gespräche mit den Bewerbern über persönliche Einstellungen und die sexuelle Orientierung.

Ende 2016 hatte der Vatikan neuen Richtlinien zur Ausbildung von Priestern erlassen. Darin sind Homosexuelle praktisch weiter von der Weihe ausgeschlossen. Die Kirche könne "jene nicht für das Priesterseminar und zu den heiligen Weihen zulassen, die Homosexualität praktizieren, tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte 'homosexuelle Kultur' unterstützen", heißt es in einem Schreiben der Kleruskongregation mit dem Titel "Das Geschenk der Berufung zum Priestertum".

Zuletzt hatte sich der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck für eine Neubewertung der Homosexualität durch die Kirche und ihre Moraltheologie ausgesprochen. Da kein "innerer Zusammenhang" zwischen Pädophilie und Homosexualität bestehe, sei es für ihn abwegig, homosexuelle Männer von der Priesterweihe auszuschließen. Eine "Entpathologisierung" von Homosexualität bedeute für die Betroffenen außerdem eine "überfällige Befreiung". (bod)

1.2., 11:55 Uhr: Meldung aktualisiert.