Genn verteidigt Pflichtzölibat der Priester
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Münsteraner Bischof würdigt ehelose Lebensform

Genn verteidigt Pflichtzölibat der Priester

Die Rechnung klingt einfach: Dürften Priester heiraten, gäbe es auch mehr Priester. Der Münsteraner Bischof Felix Genn glaubt nicht daran. Er hat ein geistliches Rezept für mehr Berufungen.

Freiburg - 05.10.2016

Der Münsteraner Bischof Felix Genn hat das ehelose Leben der Priester gewürdigt. Zugleich warnte er davor, "den Zölibat schlecht und dadurch tot zu reden". Der Bischof predigte bei einer Dankmesse des Päpstlichen Werks für Geistliche Berufe zum 90. Gründungsjubiläum des Frauenhilfswerks für Priesterberufungen am vergangenen Sonntag.

Genn rief dazu auf, die Ehelosigkeit als Lebensform Jesu zu betonen. Zugleich müssten alle Gläubigen für eine größere Wertschätzung des Zölibats beten, sagte der Vorsitzende der Kommission für Geistliche Berufe der Deutschen Bischofskonferenz. Der Bischof erinnerte daran, dass neben Priestern und Ordensleuten auch alle Laien gerufen sind, an der Ernte Gottes mitzuwirken. Dabei bezog er sich auf die Bitte Jesu aus dem Matthäusevangelium nach mehr Mitarbeitern (Mt 9,37 f.). Die Kirche könne jedoch auf den priesterlichen Dienst nicht verzichten: "Wir brauchen, bei allen Diensten, die wertvoll, wichtig und im Laufe der Jahrzehnte gewachsen sind, auch Priester!"

Genn gegen Abschaffung des Zölibats

Die wiederkehrende Forderung nach einer Abschaffung des Pflichtzölibats lehnt Genn ab. Der Bischof könne zwar die Sorgen vieler Gläubigen insbesondere um die Versorgung mit der sonntäglichen Eucharistiefeier verstehen. Allerdings sei die Annahme falsch, "dass wir nur ein paar Stellschrauben richtig drehen, ein paar Bedingungen ändern müssen", um die Zahl der Priesterberufungen zu erhöhen. Stattdessen müsse das Zeugnis der zölibatär lebenden Männer und Frauen positiv herausgestellt werden, forderte Genn.

Für dieses Anliegen habe das Gebet um Berufungen eine zentrale Bedeutung, erklärte der Bischof. "Wenn Jesus zeigt, dass man so leben kann, wenn durch die Geschichte der Kirche hindurch erwiesen ist, dass man so leben kann, kann man dann nicht davon ausgehen, dass der Herr auch heute Herzen anrührt, sie unruhig macht?" (kim)

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Priester der katholischen Kirche sind in der Regel zu einem ehelosen Leben verpflichtet: sie leben im Zölibat. Doch woher stammt dieser eigentlich und womit wird er begründet?