Größte deutsche Landeskirche führt Trauung für Homosexuelle ein
Theologisch spreche kein Grund dagegen

Größte deutsche Landeskirche führt Trauung für Homosexuelle ein

Nach Einführung der "Ehe für alle" sehe man theologisch keinen Grund mehr, zwischen gemischt- und gleichgeschlechtlichen Paaren zu unterscheiden: Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers führt die kirchliche Trauung für Homosexuelle ein.

Hannover - 16.05.2019

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, die größte der evangelischen Landeskirchen, hat die kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen. Ihre Synode billigte am Mittwochabend einstimmig eine entsprechende Handreichung für Pastoren. Nach der Schaffung der staatlichen "Ehe für alle" sehe die Kirche theologisch keinen Grund mehr, zwischen gemischt- und gleichgeschlechtlichen Paaren zu unterscheiden, heißt es in dem Papier, das nun an die Gemeinden weitergegeben werden soll. Die Landeskirche hatte bereits 2014 Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt.

Der Umgang mit homosexuellen Paaren wird in den evangelischen Landeskirchen unterschiedlich gehandhabt. Die meisten der 20 Landeskirchen bieten eine öffentliche Segnung an, in acht Landeskirchen gilt bereits die "Trauung für alle", darunter Oldenburg, Bremen und die Evangelisch-reformierte Kirche sowie die Kirchen in Hessen. In Württemberg und Schaumburg-Lippe sind Segnungen bislang in nichtöffentlichen Gottesdiensten möglich.

In der katholischen Kirche gibt es keine kirchlichen Eheschließungen für gleichgeschlechtliche Paare. Dagegen werden Stimmen lauter, die eine Segnung für homosexuelle Paare fordern. Am Mittwoch hatte sich der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode erneut dafür ausgesprochen, dass die katholische Kirche über eine solche Segnung ernsthaft nachdenken müsse. "Wir müssen zu einer Weiterentwicklung der Sexualmoral kommen", sagte Bode. Sie müsse die heutigen Lebenswirklichkeiten von gleichgeschlechtlichen Gemeinschaften und unterschiedlichen Beziehungsformen berücksichtigten. "Wir dürfen nicht nur auf die sakramentale Ehe schauen", so der Bischof. (tmg/KNA/epd)