Die Schweizer Flagge weht im Wind.
Kantonalkirchen stimmen gegen Abspaltung vom Bistum Chur

Kein Bistum Zürich

Die Pläne für die Schaffung eines Bistums Zürich scheinen endgültig begraben. Die sieben Kantonalkirchen der Diözese Chur haben jetzt mehrheitlich gegen das Projekt votiert.

Zürich - 10.07.2017

Ein eigenes Bistum Zürich wird es nicht geben. Das hat die sogenannte Biberbrugger Konferenz, die Vereinigung der sieben Kantonalkirchen des Bistums Chur, jetzt entschieden, wie der Zürcher "Tages-Anzeiger" am Sonntag berichtete.

"Nicht realisierbar und nicht wünschbar"

Der Churer Bischof Vitus Huonder, dessen Amtszeit im Mai um zwei Jahre verlängert wurde, hatte angekündigt, das schon seit langem diskutierte Bistumsprojekt wieder aufgreifen zu wollen. Entsprechende Gespräche mit den Kantonalkirchen führten nun zu dem Ergebnis, dass ein Bistum Zürich unter den gegebenen Umständen "nicht realisierbar und nicht wünschbar" sei. Es ist eine Besonderheit der Schweizer Kirche, dass neben den gewöhnlichen Bistumsstrukturen auch staatskirchenrechtliche Körperschaften auf Basis der Kantone existieren.

Vitus Huonder ist seit 2007 Bischof des Bistums Chur.

Die Vertreter der sechs Kantonalkirchen Graubünden, Glarus, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden könnten sich den Churer Bistumsverband ohne den Kanton Zürich nicht vorstellen – weder ideell noch finanziell –, sagte ein Sprecher der Biberbrugger Konferenz. Dies hätten sie bereits bei der im Frühjahr 2016 von Huonder angestoßenen Umfrage zu einem Bistum Zürich deutlich gemacht. Vonseiten der Diözese Chur hieß es, Huonder habe das Thema jetzt noch einmal aufgegriffen, um die Notwendigkeit einer Kommission zur weiteren Abklärung der Frage zu prüfen. Das Projekt eines eigenen Bistums hatte zuletzt vorrangig die Zürcher Kantonalkirche selbst forciert.

Die Diskussionen um ein Bistum Zürich sind hingegen nicht neu. Im Jahr 1980 hatte eine Kommission der Schweizer Bischofskonferenz vorgeschlagen, aus den bisherigen sechs Schweizer Diözesen neun zu machen. Angeregt wurde die Errichtung der neuen Bistümer Zürich, Genf und Urschweiz mit Sitz in Luzern. Die Pläne verfolgte man zunächst jedoch nicht weiter. 2015 wurde nach einer Umfrage das Projekt eines Bistums Genf endgültig begraben. Zwischenzeitlich machte auch der Baseler Bischof Felix Gmür deutlich, dass er den Raum Luzern nicht vom Bistum Basel abzutrennen gedenkt. Mit der Entscheidung zu Zürich dürfte die Debatte um neue Schweizer Bistümer nun endgültig beendet sein.

Ein Weihbischof für Zürich?

Die Biberbrugger Konferenz kündigte jedoch an, sich für die Stärkung der Zürcher Katholiken einsetzen zu wollen. Denkbar sei, dass unter dem kommenden Bischof von Chur wieder ein Weihbischof für Zürich mit besonderen Vollmachten ernannt werde, hieß es. (tmg)

Linktipp: Zürich oder Huonder: Wer geht zuerst?

Der Kanton Zürich könnte bald das Schweizer Bistum Chur verlassen. Losgetreten hatte die aktuellen Überlegungen ausgerechnet einer, der als das Gegenteil eines Reformers gilt: Vitus Huonder. (Artikel vom April 2016)