Papst Franziskus spricht vor Kardinälen und Bischöfen im Vatikan.
Beratungstreffen im Vatikan wird vier Tage dauern

Missbrauchskrise: Papst beruft Bischöfe weltweit ein

Die Missbrauchskrise erschüttert die Kirche und zieht immer weitere Kreise. Papst Franziskus zieht nun die Reißleine und beordert die Bischöfe der Weltkirche in den Vatikan. Dann soll das Treffen stattfinden.

Vatikanstadt - 12.09.2018

Papst Franziskus will sich im Februar mit den Chefs der weltweiten katholischen Bischofskonferenzen im Vatikan über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche beraten. Das Treffen "zum Thema Kinderschutz" finde vom 21. bis 24. Februar im Vatikan statt, sagte die vatikanische Vizesprecherin Paloma Garcia Ovejero am Mittwoch bei einem Pressebriefing.

Es ist das erste Mal, das Papst Franziskus die Leiter aller Bischofskonferenzen zum Thema Missbrauch versammelt. Mehrere Bischöfe hatten Franziskus Ende August wegen der Skandale zur Einberufung einer Sondersynode aufgefordert.

Der Papst habe nach seinen Beratungen mit dem Kardinalsrat entschieden, eine internationale Versammlung der Spitzen der katholischen Bischofskonferenzen einzuberufen, um "über die Vorbeugung von Missbrauch verletzlicher Minderjähriger und Erwachsenen" zu sprechen, sagte Ovejero. Sie verlas eine entsprechende Mitteilung des Kardinalsrates zum Ende der dreitätigen Beratungsrunde an diesem Mittwoch.

Demnach war beim 26. Treffen des Rates gemeinsam mit dem Papst das Thema Missbrauch "ausführlich" besprochen worden. Der Bostoner Kardinal Sean Patrick O'Malley, Vorsitzender der päpstlichen Kinderschutzkommission und Mitglied im Kardinalsrat, informierte über die Arbeiten der Kommission. Ovejero betonte erneut, die Kardinäle hätten dem Papst in der aktuellen Krise Unterstützung zugesichert. Zu eventuellen weiteren Klärungen durch den Heiligen Stuhl könne sie nichts sagen. Der Kardinalsrat habe entsprechende Klärungen angekündigt, nicht der Heilige Stuhl, so die Vizesprecherin des Vatikan.

Keine Aussage zu personellen Änderungen im Kardinalsrat

Zu angekündigten möglichen personellen Änderungen im Rat sagte die Vizesprecherin nichts. Das Gremium werde sich vom 10. bis 12. Dezember erneut treffen; dazu seien alle neun Mitglieder eingeladen. Von ihnen stehen zwei derzeit unter besonderem öffentlichen Druck: George Pell (77), beurlaubter Leiter des vatikanischen Wirtschaftssekretariats, steht in seinem Heimatland Australien wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht. Dem Chilenen Francisco Javier Errazuriz (85) werfen Missbrauchsopfer vor, als Erzbischof von Santiago die Strafverfolgung sexueller Vergehen behindert zu haben.

Beide Kardinäle bestreiten ein Fehlverhalten. Sie nahmen an den jüngsten Sitzungen nicht teil. Italienischen Medienberichten zufolge könnten sie den Rat verlassen, ebenso wie Kardinal Laurent Monsengwo Pasinya aus der Demokratischen Republik Kongo (78); bei ihm solle aber allein das Alter der Grund sein. Auch Monsengwo war nicht zum jüngsten Treffen gekommen. Aus Deutschland ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Münchens Kardinal Reinhard Marx (64), im Kardinalsrat.

Der von Franziskus 2013 ins Leben gerufene sogenannte Kardinalsrat soll den Papst bei der Kurienreform und der Zusammenarbeit zwischen Bischofskonferenzen und Vatikan unterstützen. Ein Entwurf der neuen apostolischen Konstitution der römischen Kurie mit dem Arbeitstitel "Praedicate evangelium" sei Franziskus überreicht worden, so Ovejero. (KNA)

12.09.2018, 14.45 Uhr: aktualisiert um weitere Details zur Sitzung des Kardinalsrats