Müller: Reform-Brief ist "Anschlag auf die Einheit" der Kirche
Kardinal weist Forderungen scharf zurück

Müller: Reform-Brief ist "Anschlag auf die Einheit" der Kirche

Die Autoren seien eine "klerikal-männerbündische Gruppe" und wollten sich Kardinal Reinhard Marx als "Durchboxer" ihrer Agenda engagieren: Kardinal Gerhard Ludwig übt scharfe Kritik am offenen Brief. Doch es gibt auch namhafte Unterstützer.

Würzburg - 07.02.2019

Kardinal Gerhard Ludwig Müller sieht in dem jüngsten offenen Brief prominenter deutscher Katholiken mit Forderungen zu Reformen in der Kirche einen "Anschlag auf die Einheit". In einem Beitrag für die in Würzburg erscheinende "Die Tagespost" bezeichnet er die Autoren des Briefes als "klerikal-männerbündische Gruppe". Die Jesuitenpatres Ansgar Wucherpfennig und Klaus Mertes sowie der Frankfurter Stadtdekan Johannes von Eltz wolten damit den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, als "Vorkämpfer und Durchboxer" ihrer "Lieblings-Agenda" beim "Missbrauchsgipfel" engagieren.

Den Unterzeichnern warf Müller vor, weder empirisch nachprüfbare noch logisch einsichtige Behauptungen aufzustellen. Seiner Ansicht nach kann die im September veröffentlichte Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland nicht dafür verwendet werden, etwa die Aufhebung des Zölibats, das Frauenpriestertum oder die Entsakramentalisierung des apostolischen Amtes sowie seine Umwandlung in ein religiös-soziales Berufsbeamtentum zu fordern.

Das größte Versagen in Deutschland...

Das größte Versagen in Deutschland bestehe momentan darin, sich einreden zu lassen, die Lehre der Apostel und der Kirche sei veraltet und man könne die Kirche retten, wenn man sie "dieser Welt" anpasse, so der Kardinal. Stattdessen gelte es aber sich durch eine Erneuerung des Denkens zu prüfen, um zu erkennen, was der Wille Gottes sei.

Kritik am Brief der neun Theologen hatte es zuletzt von mehreren Seiten gegeben. Der Freiburger Dogmatikprofessor Helmut Hoping kritisierte den Forderungskatalog an Marx als Instrumentalisierung des Missbrauchsskandals. Auch das Forum Deutscher Katholiken reagierte ablehnend auf das Schreiben. Es schlossen sich aber auch weitere Katholiken den Forderungen an. Dazu gehörten unter anderem Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), das Präsidium der Diözesanversammlung des Bistums Limburg und die Reform-Gruppe "Wir sind Kirche". (tmg/KNA)