Nur noch ein Pfarrer für Kölns Innenstadtkirchen
Erzbistum bestätigt Plan eines "Sendungsraums Köln-Mitte"

Nur noch ein Pfarrer für Kölns Innenstadtkirchen

Ein großer Teil der Kölner Gottesdienstteilnehmer feiert sonntags die Messe in einer der Innenstadtkirchen. Die stehen nun vor einem großen Wandel: Ein einziger Pfarrer soll künftig die sechs Seelsorgebereiche leiten.

Von Agathe Lukassek |  Köln - 20.02.2018

In Köln sollen sechs Innenstadt-Pfarreien zu einer Seelsorgeeinheit werden. Das "Sendungsraum Köln-Mitte" genannte Gebilde solle von einem Leitenden Pfarrer geführt werden, bestätigte Bistumssprecher Michael Kasiske am Dienstag gegenüber katholisch.de einen entsprechenden Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers". Demnach seien die 102 Gremienvertreter und Seelsorger der sechs betroffenen Seelsorgebereiche bei Veranstaltungen am Wochenende über die Pläne der Neuordnung informiert worden.

Die Änderung betrifft dabei nicht nur die rund 38.500 in der Innenstadt lebenden Katholiken, denn die Gottesdienste in den Kirchen werden zu einem großen Teil von Gläubigen aus ganz Köln und Umgebung besucht: Während der Gottesdienstbesuch im gesamten Stadtdekanat nur bei knapp acht Prozent liegt, beträgt er in der Innenstadt rund 26 Prozent. Das bedeutet, dass sonntags fast ein Drittel aller Kölner Gottesdienstteilnehmer eine Kirche im Zentrum aufsucht. Insgesamt zählt das Stadtdekanat Köln 380.000 Gemeindemitglieder.

Große romanische Gotteshäuser und Ordenskirchen betroffen

Zu den betroffenen Kirchen zählen auch neun der zwölf großen romanischen Kirchen der Stadt: St. Gereon, St. Aposteln, St. Severin, St. Maria im Kapitol, St. Maria Lyskirchen, St. Pantaleon und St. Georg sowie das von den Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem betreute Groß St. Martin und St. Andreas des Dominikanerordens. Das in Deutschland einzigartige Ensemble von Gotteshäusern wurde in den Jahren zwischen 1000 und 1200 errichtet, oft auf älteren Vorgängerbauten aus der Römerzeit und der Spätantike. Sie sind damit älter als der Kölner Dom, dessen Errichtung im gotischen Stil 1248 begann.

St. Gereon Köln

St. Gereon in Köln soll von der heiligen Helena gegründet worden sein.

Auch die Seelsorgebereiche St. Agnes – nach der zweitgrößten Kirche Kölns ist im Norden der Altstadt ein ganzes Viertel benannt – Herz Jesu und St. Mauritius sowie St. Peter, eine von Jesuiten geleitete Gemeinde, sind betroffen. Letztere fällt von weitem mit einer Lichtinstallation mit dem Schriftzug "Don't Worry" ("Sorge dich nicht") auf dem Kirchturm auf und versteht sich als "Ort des Dialogs von Glaube und Liturgie mit zeitgenössischer Kunst und neuer Musik". Insgesamt umfasst der künftige neunte Sendungsraum des Erzbistums 29 Kirchen.

Mit dem neuen Plan reagiert das Erzbistum nach den Worten von Sprecher Kasiske darauf, dass bereits jetzt drei der sechs Seelsorgebereiche keinen eigenen Pfarrer mehr haben. Im Sommer könnte es die vierte Vakanz geben. Wenn sich ein Leitender Pfarrer finde, solle dieser möglichst ab dem Sommer zunächst für die vakanten Seelsorgebereiche zuständig sein, so Kasiske. Er solle gemeinsam mit Seelsorgern und Ehrenamtlichen die weitere Zusammenarbeit in den Innenstadt-Seelsorgebereichen begleiten.

Neuer Pfarrer soll moderierend wirken

Offiziell spricht man in der Erzdiözese nicht von Zusammenlegungen. Es handele sich nicht um eine Zusammenlegung, sondern darum, "die vorhandene lebendige Vielfalt der Kirche in der Innenstadt zu erhalten und auszubauen", betont der Hauptabteilungsleiter der Seelsorgebereiche, Markus Bosbach. Der neue Pfarrer solle in erster Linie moderierend und ermöglichend mitwirken. Der Begriff "Sendungsraum" umschreibe ein Gebiet, für das es eine seelsorgebereichsübergreifende Zusammenarbeit und hauptamtliche Verantwortung gibt.

Die betroffenen Pfarrer waren vor zwei Wochen in einer internen Sitzung über die Pläne informiert worden; für die weiteren Seelsorger und die Ehrenamtlichen der Pfarrgemeinderäte hielt Bosbach am Wochenende zwei aufeinander folgende "Auftaktveranstaltungen". Der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet, dass die Gemeindevertreter zum Teil mit Unverständnis und Ärger auf die Veränderungen reagierten; auch Seelsorger hätten sich konsterniert und ernüchtert gezeigt. Ein namentlich nicht genannter Geistlicher wird mit den Worten "Wir werden verheizt" zitiert. Dass in den vergangenen Jahren mehrere Priester in Leitungspositionen mit so schwer wiegenden gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatten, dass sie ihr Amt aufgeben mussten, müsse man als ein Alarmsignal werten.

Teil des Reformprozesses "Pastoraler Zukunftsweg"

Laut Sprecher Kasiske stehe der Prozess noch ganz am Anfang. Er kündigte voraussichtlich für den Spätsommer einen "großen Konvent aller Engagierten" an, in dem die anstehenden Herausforderungen beraten werden. Nach Angaben der Zeitung gestaltet sich die Suche nach dem künftigen Leitenden Pfarrer schwierig. Auch der Erzbischof habe von einer "großen Schwierigkeit" gesprochen.

Die Neuordnung ist Teil des Reformprozesses unter dem Titel "Pastoraler Zukunftsweg", den der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki in seinem Fastenhirtenbrief 2016 ausgerufen hatte. Woelki beschrieb damals Elemente seiner Vision für die Zukunft des Erzbistums und lud die Katholiken ein, sich mit ihm auf einen pastoralen Zukunftsweg zu machen. In dem ebenfalls an diesem Wochenende verlesenen aktuellen Hirtenbrief ging der Kardinal nicht direkt auf den Stand der Reformen ein. Er schreibt: "Doch der achtsame Umgang mit der knappen Zeit hat mir auch gezeigt, wie gut es tut, wenn ich abwäge und gewichte, wenn ich Prioritäten setze und sehr bewusst das tue, was ich tue – und ebenso bedacht Dinge lasse. Das war und das ist auch eine grundlegend wichtige Haltung für unseren Pastoralen Zukunftsweg."

Von Agathe Lukassek