Eine Klosteranlage mit einem modernen, würfelförmigen Kirchenbau.
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Sommer in den Bistümern: Erfurt, Paderborn und Köln

Zwischen Klostergeschichte und futuristischer Architektur

Das bundesweit einzige Museum für klösterliche Kulturgeschichte, ein Kirchenbau in malerischer Umgebung und eine der wohl ungewöhnlichsten Kirchenbauten: Im zweiten Teil unserer diözesanen Sommerreise besuchen wir Erfurt, Köln und Paderborn.

Von Von Markus Kremser, Agathe Lukassek und Björn Odendahl |  Bonn - 17.07.2015

Eine sommerlich gestaltete Deutschlandkarte mit den Bistümern

Sommer in den Bistümern: In einer Sommerserie stellt katholisch.de in jeder der 27 Diözesen ein außergewöhnliches Reiseziel vor.

Bistum Erfurt: Kloster Volkenroda

Es ist wohl einer der ungewöhnlichsten Kirchenbauten in der "Provinz". Im kleinen thüringischen Volkenroda steht der "Christuspavillon", eine Glas-Stahl-Konstruktion des Architekten Meinhard von Gerkan. Ursprünglich wurde die Kirche auf der Expo 2000 in Hannover zusammen von der evangelischen und katholischen Kirche gebaut. Nach der Expo wurde sie im Kloster Volkenroda wiedererrichtet und übernimmt jetzt die Funktion des nicht mehr erhaltenen Längsschiffs der historischen Klosterkirche. Doch mit einer klassischen Kirche hat der Christuspavillon nur wenig zu tun. Die Fenster sind unter anderem gefüllt mit Holzscheiben, Zahnrädern, Tannenzapfen, Tonbandkassetten, Zucker und Zahnbürsten. Doch wie kommt der extravagante Bau dorthin? Die Jesus-Bruderschaft, eine ökumenische Gemeinschaft, begann nach der Wende den Wiederaufbau der Klosterruinen. 25 Jahre nach der Wende ist die ehemalige Ruine einer der Orte, an dem die Ökumene quicklebendig ist. Die Wallfahrt nach Volkenroda ist die größte ökumenische Wallfahrt Deutschlands. Und der Kirchenbau auch für Architekturfreunde ein Augenschmaus.

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Der Altenberger Dom (auch "Bergischer Dom" genannt) ist die Kirche einer ehemaligen Zisterzienser-Abtei (1133-1803) und heute katholische Pfarrkirche von Sankt Mariä Himmelfahrt und evangelische Gemeindekirche. Hier ein Blick ins Gewölbe und auf die Wand mit gotischen Fenstern im Langhaus.

Erzbistum Köln: Altenberger Dom

Im Bergischen Land, wenige Kilometer östlich von Leverkusen und Köln, liegt hinter der A1-Ausfahrt Burscheid/Altenberg der Altenberger Dom. Das Gotteshaus im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen wird als Simultankirche genutzt. Das bedeutet, dass sonntags um 9 Uhr evangelischer Gottesdienst ist und um 10:30 und 17:15 zwei katholische Messen folgen. Seit bereits 1857 ist das der Fall.

Doch ein Besuch lohnt auch außerhalb der Gottesdienstzeiten: Es handelt sich um eine gotische Klosterkirche, ab 1133 zunächst im kargen Stil des Zisterzienserordens begonnen, mit der Zeit aber immer mehr ausgeschmückt, etwa mit einem der schönsten Buntglasfenster der deutschen Gotik. Immer wieder werden Führungen angeboten – auch solche, die mit einer Andacht mit Orgelmusik verknüpft sind. Die Orgel gehört zu einer der klanggewaltigsten in Deutschland.

Zudem gibt es einen Dom-Laden mit christlichen und lokalgeschichtlichen Produkten, sowie Einkehr- und Wandermöglichkeiten. Und wer mit Kindern kommt, kann auch den Märchenwald Altenberg mit  rund 20 von lebensgroßen Figuren bewohnten Häuschen besuchen.

Von den spätantiken Wüstenvätern bis in die Gegenwart: Die historischen und kulturellen Hintergründe des Phänomens Kloster sind Thema der umfangreichen Dauerausstellung der Stiftung Kloster Dalheim im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur.

Erzbistum Paderborn: Kloster Dalheim

"Eingetreten!" fordert das westfälische Kloster Dalheim bei Lichtenau seine Besucher auf. Doch keine Angst: Sie gehen nicht als Mönch oder Nonne wieder nach Hause. Denn das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift ist mittlerweile ein Museum und "Eingetreten! 1.700 Jahre Klosterkultur" lediglich der Titel der dortigen Dauerausstellung.

Das Landesmuseum ist deutschlandweit das einzige für klösterliche Kulturgeschichte. Und diese Geschichte ist lang: Sie reicht von den spätantiken Wüstenvätern über die Reformen des Mönchtums im Mittelalter bis hin zu den Auflösungen vieler Klöster während der Säkularisation und ihrem Neubeginn im 19. Jahrhundert. Über 200 Exponate – vom Geschirr bis hin zu liturgischen Gegenständen und Büchern – gewähren Einblicke in den klösterlichen Alltag der vergangenen Jahrhunderte.

Doch es gibt noch mehr zu sehen: Denn auch das Kloster selbst stammt aus dem Spätmittelalter und ermöglicht den Besuchern Rundgänge durch den Speisesaal, den Vorratskeller, die Bibliothek und die 20.000 Quadratmeter großen Klostergärten. Regelmäßig finden zudem Sonderausstellungen statt – aktuell zu den sieben Todsünden. Der Besuch im Kloster ist also durchaus eine Sünde wert.

Reise durch die Bistümer

Neun Wochen lang veröffentlicht katholisch.de jeden Freitag drei Reisetipps in den deutschen Diözesen. Die Reihenfolge orientiert sich an den Ferien der jeweiligen Bundesländer. Eine Übersicht aller bisher veröffentlichten Beiträge finden Sie in der untenstehenden Karte.

Von Von Markus Kremser, Agathe Lukassek und Björn Odendahl