Ein Rückblick auf die katholische Woche von Joachim Heinz

Rentiergeweih auf und Glühwein trinken

Rentiergeweih auf und Glühwein trinken
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

Ungerecht geht es zu in diesem irdischen Jammertal. Kubas "Máximo Lider" Fidel Castro stirbt mit gerade einmal 90 Jahren. Emma Morano dagegen darf einfach weitermachen. Ihren 117. Geburtstag hat die rüstige Norditalienerin in dieser Woche feiern können. Und dabei das Träumen nicht verlernt. Den Papst würde sie gerne mal treffen, verriet die im 19. Jahrhundert geborene Greisin der Presse. Angesichts ihres biblischen Alters ist Wünschen allemal erlaubt. Außerdem weihnachtet es mehr und mehr.

Kaum war am vergangenen Sonntag die erste Kerze am Adventskranz entzündet, schlug wie alle Jahre wieder die Stunde der Mahner. Moraltheologe Michael Rosenberger dämpft die Vorfreude auf den Festtagsbraten und fordert zu drastischem Fleischverzicht auf. Das Umweltbundesamt rät, "Zeit statt Zeug" zu schenken. Gekämpft wird für weihnachtsmannfreie Zonen und arbeitsfreie Adventssonntage. Da kann dem ein oder anderen schon mal der Glühwein bitter aufstoßen und das blinkende Rentiergeweih ins Gesicht rutschen.

Advent als Zeit der Vorbereitung auf das weihnachtliche Fest der Menschwerdung Gottes sei weithin zu einer Karikatur verkommen, wettert der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen. "Nun wird wieder gehetzt, gekauft, organisiert und vorbereitet. Worauf hin? Das wissen wir von Jahr zu Jahr immer weniger zu sagen." Stellt sich die Frage, ob früher mehr Lametta und weniger Weihnachtswahnsinn war. Der singende Konditor Heino, auch schon 77 Jahre alt, erinnerte sich vor wenigen Tagen an seine Lehrjahre. "Die Stollen, die Plätzchen: Wir haben 14 Tage vor Heiligabend nicht mehr geschlafen, höchstens 'ne Stunde in der Bäckerei."

Vielleicht ist aber auch gerade deswegen "Stille Nacht, Heilige Nacht" der Deutschen Lieblingslied. Das zumindest ergab jetzt eine Umfrage. Doch selbst damit könnte es in naher Zukunft vorbei sein. Laut Beschluss des Bundesverfassungsgerichts ist das Feiertagsgesetz in Bayern zu ändern. Es müsse auch Ausnahmen von der Pflicht zur Stille geben, argumentierten die Richter mit Blick auf eine Verfassungsbeschwerde des "Bundes für Geistesfreiheit". Dessen Adepten hatten zum Karfreitag 2007 in München eine religionsfreie Zone einrichten wollen. Das Motto: "Heidenspaß statt Höllenqual". Wer von jedem Geist befreit ist, wird auch zur Stillen Nacht lärmen wollen.

War's das? Natürlich nicht. Der Papst schreibt über Tattoos, die belgische Bierkultur ist Unesco-Weltkulturerbe und Uli Hoeneß wieder Präsident des FC Bayern München. Ach ja – und am vergangenen Wochenende legte ein mutmaßlicher Hackerangriff den Internetzugang von Hunderttausenden Telekom-Kunden für Stunden lahm. Völlig neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung könnten sich für viele Betroffene aufgetan haben. Mal wieder raus vor die Tür, Rentiergeweih auf, Glühwein trinken… Trotzdem wollen wir hoffen, dass dieses Wochenende der Netzzugang nicht schon wieder abrupt abgewürgt wird. Denn dann hätte diese Kolu

Joachim Heinz