Ein satirischer Wochenrückblick von Joachim Heinz

Von Bauern und Plakaten

Von Bauern und Plakaten
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Eine alte Bauernregel besagt … Ach, lieber nicht. Obwohl: Ist es nicht angesichts all der vielen Krisen in der weiten Welt eine große Landlust, in einem solchen Staate leben zu dürfen? Einem Staate, in dem ein Agrarminister gegen die Umweltministerin und ihre Schüttelreime zu Felde zieht? Einem Staate, in dem ein Bürgermeister, nämlich der von Limburg, einer Veganerin entgegenkommt, und das vom Glockenspiel des Rathauses intonierte "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" aus dem Programm nimmt?

Oh, lasset uns noch viel behutsamer mit allem Gekreuch und Gefleuch, zuoberst aber mit der Sprache und ihren feinen Verästelungen umgehen! Sie ist die Frucht, aus der auch die beiden Bibelübersetzungen der evangelischen und katholischen Kirche schöpfen. Ein "wechselseitiger Reichtum", wie es jetzt auf einer Veranstaltung in Stuttgart hieß. Dort tauschten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, symbolisch je eine Neuausgabe der Neuübersetzung aus.

Doch Schriftstellerin Sybille Lewitscharoff, die uns den unvergleichlichen Pong bescherte, der mit dem "Großen Ratsch" auf die Welt kam, goss sogleich Wasser in den Wein. Sie wandte sich dagegen, die Bibel "literarisch zu idealisieren", weil dies die Heilige Schrift entwerten würde; Homer und Ovid seien "ungleich besser". Schade.

In Rom wurden unterdessen Plakate angebracht. Gegen den Papst. Himmel hilf! In dem nicht jedermann geläufigen römischen Dialekt stand dort zu lesen: "Franziskus, du hast Kongregationen unter kommissarische Leitung gestellt, Priester entlassen, den Malteserorden und die Franziskaner der Immakulata enthauptet, Kardinäle ignoriert, aber wo bleibt deine Barmherzigkeit?"

Italienische Medien vermuteten hinter der wenig barmherzigen Aktion Italiens politische Rechte und konservative katholische Kreise, die den Reformkurs von Franziskus ablehnen. Wir haben eher den niederen Klerus als Nestbeschmutzer im Verdacht. Warum? Weil nichts unser Sprachorgan besser schult, als dieser Satz, schnell und laut vorgetragen: "Ein Kaplan klebt Papp-Plakate."

Damit zu der stets drängenden Frage: War’s das? Natürlich nicht. Donald Trump, wir wissen es nun, hat keinen Bademantel. Für einen Mann seines Alters und Standes keine schöne Situation. Immerhin trägt er aber, so behaupten boshafte Zungen mit Blick auf sein rötlich schimmerndes und stets fluffiges Frisürchen, ein Eichhörnchen auf dem Kopf. Das mag wärmen an kalten Tagen im Weißen Haus.

So oder so: Danach kräht dereinst kein Hahn mehr. Allzeit gültig bleibt dagegen die Papst-Regel, die der Argentinier Franziskus in der Fremde aufgeschnappt hat: "Die Italiener haben einen guten Rat: Um in Ruhe zu leben, braucht es eine gesunde Gleichgültigkeit."

Joachim Heinz

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