Ein satirischer Wochenrückblick von Björn Odendahl

Für die Ökumene geht der Papst über Leichen

Für die Ökumene geht der Papst über Leichen
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

Dass der Papst ein großer Freund der Ökumene ist, weiß man. Doch jetzt ist er zu weit gegangen! Zwar war es tatsächlich ein Affront, dass der georgische Patriarch Ilia II. seinen Gläubigen im vergangenen Oktober davon abgeraten hat, den Gottesdienst des Papstes zu besuchen. Diesen Rückschlag für die Ökumene aber jetzt mit einem James-Bond-ähnlichen Zyanid-Anschlag zu vergelten, ist nicht die feine vatikanische Art (Achtung, Fake News!). Zur Beruhigung: Das Attentat wurde vereitelt. Dem Patriarchen geht es soweit gut. Er ist gerade in Deutschland und lässt sich Gallensteine entfernen (Keine Fake News!).

Den deutschen Bürgern scheint die Ökumene ebenso egal zu sein wie Patriarch Ilia II. Einer neuen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts INSA zufolge haben 62 Prozent der Befragten keine Meinung zur Frage nach der Einheit der beiden Kirchen. Kleines Trostpflaster für die Ökumene: So geht es den meisten Bürgern auch beim Thema Politik, Wirtschaft, Arbeit, Umwelt oder Bildung. Danke, Merkel!

Die ökumenischen Bemühungen gibt man hierzulande aber dennoch nicht auf. Nicht im Land der Reformation! Evangelische und katholische Kirche haben deshalb nun eine neue Studie veröffentlicht. Auf 170 Seiten (!!!) wurde festgestellt, dass die Menschenwürde ja doch irgendwie eine vernünftige Sache ist. Hätte man auch prägnanter formulieren können. Nur bei der Frage, ab wann ein Mensch ein Mensch ist, gehen die Meinungen laut Studie noch ein wenig auseinander. Sie liegen irgendwo zwischen Verschmelzung von Samen und Eizelle (katholisch) und der Einschulung (evangelisch). Dann ist die gemeinsame Eucharistiefeier ja nur noch einen Steinwurf entfernt.

Apropos Steinewerfen: US-Kardinal Raymond Leo Burke hat dem Heiligen Vater ja bereits einige Steine in den Weg gehievt. Zuletzt soll der sonstige Wahrheitsverfechter auch im Zusammenhang mit dem Malteserorden – naja, sagen wir mal – ein wenig "geflunkert" haben. Zur Strafe gab es jetzt ein Flugticket nach Guam in der Südsee. Gut für den Kardinal: Etwa 85 Prozent der Inselbewohner bekennen sich zum katholischen Glauben. Der restlichen 15 Prozent sollten sich allerdings warm anziehen!

War's das? Leider noch nicht. Denn der ehemalige Limburger Generalvikar Franz Kaspar meldete sich noch einmal in einem dubiosen Interview der "Augsburger Allgemeinen" zu Wort. Darin schob er – getreu dem alten Motto "doppelt und dreifach hält besser" –alle Schuld an den explodierten Kosten des Bischofshauses auf Bischof Franz-Peter Tebartz van-Elst. Eine faustdicke Überraschung! Aber so steht es ja auch schon in der Bibel: Verunglimpfe deinen Nächsten wie dich selbst. Zu allem Überfluss bemängelte Kasper auch noch, dass "ein Generalvikar keine eigenen Rechte" habe. Die Bilder im Kopf sind fürchterlich: der Generalvikar, in Ketten gelegt bei Wasser und Brot. Nur für einen Erste-Klasse-Flug mit dem Bischof sieht er mal das Tageslicht. Vielleicht sollten die katholischen Hilfswerke einen Generalvikarfonds einrichten.

Björn Odendahl