Man soll ja nicht alles glauben, was in der Zeitung steht, weiß ich auch. Aber dass der Obama jetzt tatsächlich den Trump abgehört und eine Art Untergrundregierung gebildet hat, das hätte ich echt nicht gedacht. Und dass die Deutschen neuerdings Nazi-Methoden gegen Erdogan anwenden. Die in der Zeitung streiten das ja ab – aber in den Sozialen Medien steht’s schwarz auf weiß. Und der selbst sagt das ja auch!
Wie die Welt doch besser geworden ist, seit sich jeder im Neuen Medium bilden, seine Meinungen ausleben und Gleichgesinnte finden kann. Aus dieser Woche: Im 4.300-Einwohner-Städtchen Zebulon im US-Bundesstaat North Carolina schneidet ein Teenager seiner 35-jährigen Mutter den Kopf ab. Beim Eintreffen der Polizei hält er ihn in der Hand wie ein Medusenhaupt. In Herne schlitzt der 19-jährige Marcel H. im Keller seinen 9-jährigen Nachbarn auf, um damit im Dark Net zu prahlen. Die Feuerwehr findet später noch eine weitere Leiche. Ein "verwirrter Einzeltäter" rennt mit der Axt durch den Düsseldorfer Hauptbahnhof und hackt neun Passanten.
Auch ganz wichtig: Selbstreflexion. Steht das, was ich tue oder tun will, in einem angemessenen Verhältnis zu meiner realen Umwelt? Axt, Machete, Brandbombe, Fake-Putschversuche, Gleichschaltung, Nazi-Vergleiche? Immerhin Papst Franziskus hält sich für einen fehlbaren Sünder – auch wenn ihm das viele nicht zugestehen wollen. "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Idealisierung eines Menschen stets auch eine unterschwellige Art der Aggression ist", sagte er im Interview der "Zeit". Wer immer sicher sei, sei in Wahrheit ein Fundamentalist.
Und mit dieser Mahnung verabschiedete sich Franziskus in die Besinnungstage der römischen Kurie. Die sollte vielleicht auch die Regierung in Ankara mal einlegen. Doch die gönnt sich derzeit keine Pause – und kündigt stattdessen weitere 30 Werbeauftritte von Kabinettsmitgliedern an; für Demokratie im Land der Nazi-Methoden. Danke, Herr Präsident! Das macht sicher Schule.
Als Service für die Fastenzeit der Demokraten hier noch ein paar Tourdaten anderer populärer Bands: Geert & die Wilderer am 24. und 25. März im Kölner Gürzenich. Nigel & The Brexitters: 28. März in der Hamburger Elbphilharmonie; 29. März: Hansestadt Lübeck, Haus der Kulturen; 30. März: Kiel, Maritim Backbord Bar. Die Drei Blondinen – Marine, Marion und Marianne, am 1. April im Aachener Kaisersaal. Wladimir & die Ostukrainischen Strümpfe: 2.-5. April im Berliner Tränenpalast. Bild dir deine Meinung – it’s Entnazifizierung, Baby…