Kardinal Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm
Buß- und Versöhnungsgottesdienst in Hildesheimer Michaeliskirche

Das gemeinsame Ziel vor Augen

Ökumene - Der Ökumenische Buß- und Versöhnungsgottesdienst am Samstag war einer der Meilensteine im Reformationsgedenken. Teil der Liturgie war auch die feierliche Selbstverpflichtung auf ein gegenseitiges Versprechen.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 11.03.2017

Zunächst liegt noch etwas Trennendes am Boden, doch als Jugendliche die vermeintliche Barriere aufrichten und den Weg frei machen, entpuppt sie sich als Kreuz, als das Zeichen der Versöhnung:  Am Samstag haben Katholiken und Protestanten in der Michaeliskirche in Hildesheim zusammen einen Buß- und Versöhnungsgottesdienst gefeiert und sich gegenseitig verpflichtet, weiter auf die Einheit der beiden Kirchen hin zu arbeiten.

Predigt in Form eines Dialogs

Dazu machten Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Heinrich Bedford Strohm, der EKD-Ratsvorsitzende gleich den ersten symbolischen Schritt. Sie hielten eine gemeinsame Predigt — in Form eines Dialogs, in dem beide ihren Wunsch nach einer weiteren Annäherung ausdrückten. "Ich wünsche mir, dass wir sagen können: Die Christen in unserem Land bekommt man nicht mehr auseinander", erklärte Kardinal Reinhard Marx. Und Bischof Heinrich Bedford-Strohm formulierte: "Wir wollen in der Zukunft nicht mehr getrennt glauben, wir wollen gemeinsam glauben". Zusammen könnten die Christen in die Gesellschaft ausstrahlen, sie erneuern und Armen und Schwachen wieder Hoffnung geben, so Marx und Bedford-Strohm.

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Video: © katholisch.de

Bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zieht Ökumene-Bischof Gerhard Feige eine erste Zwischenbilanz des Gedenkens an die Reformation.

Der Gottesdienst war Teil des Prozesses des "Healing of Memories", der Heilung durch Erinnerung, mit dem katholische und evangelische Kirche die schmerzliche Geschichte ihrer Trennung aufarbeiten wollen. Sein Vorbild hat das Motto in der Aufarbeitung der Apartheid in Südafrika, als Christen mit die Initiative ergriffen, um Spannungen zwischen Schwarzen und Weißen zu heilen. Während des Gottesdienstes in Hildesheim sagte Kardinal Reinhard Marx nun, die beiden Konfessionen nähmen ihre Geschichte an, schauten auf das, was Christen sich gegenseitig angetan hätten, und gingen gemeinsam weiter. "Wir tun das nicht anklagend oder niedergedrückt, sondern in einer Haltung der Hoffnung und des neuen Aufbruchs. Dafür bin ich dankbar", so Marx.

Unter den Gottesdienstbesuchern besuchen waren auch Vertreter aus Gesellschaft und Politik wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Lammert.

Bundespräsident Joachim Gauck lobte in einem Grußwort den Versöhnungswillen der Konfessionen: "Wer die Geschichte der getrennten Kirchen in den letzten 500 Jahren einigermaßen im Kopf hat, kommt nicht umhin, im heutigen Ereignis zumindest ein Zusammenspiel menschlicher Anstrengung, menschlichen guten Willens auf der einen und gnädiger Hilfe andererseits zu entdecken", erklärte er. Der Gottesdienst zeige jedoch auch, dass Versöhnung "nicht die Wiederherstellung irgendeines vermeintlichen Urzustandes" meine. Versöhnung gebe es "nur mit dem Blick nach vorne, ohne das Vergangene zu vergessen, aber auch ohne das Vergangene übermächtig bestimmend sein zu lassen".  Als "evangelischer Christ" fügte Gauck hinzu, das "eigentliche ökumenische Wagnis echter Gemeinsamkeit" stehe den Kirchen noch bevor. "Ich bin der Überzeugung, dass dieses Wagnis eingegangen werden muss".

Wie weit sich Protestanten und Katholiken bereits sind angenähert haben, darauf wies Bischof Karl-Heinz Wiesemann als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), hin. Die versöhnende Kraft des Evangeliums sei den Christen ins Herz geschrieben. Wiesemann forderte die Christen auf, der Welt diese Kraft zu zeigen: "Ja, es ist möglich, Hass und Feindschaft gemeinsam zu überwinden." Für die Glaubwürdigkeit eines solchen Zeugnisses reiche jedoch ein Nebeneinander der Konfessionen nicht aus. "Nur versöhnt sind wir glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen für Jesus Christus", so Wiesemann.

Linktipp: "Vergebungsbitte ist das Zentrum"

Evangelische und katholische Kirche feiern heute einen Buß- und Versöhnungsgottesdienst. Wolfgang Thönissen vom Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik erklärt den Leitfaden für die gemeinsame Liturgie.

Kardinal Kurt Koch, der Präsident des Rates für Förderung der Einheit der Christen, sagte er nehme in Deutschland eine "authentische Sehnsucht nach einer weiteren Annäherung wahr, die verheißungsvolle Wege in die Zukunft" ermöglichen werde. Er erinnerte an die Worte von Papst Franziskus, der in einer Predigt im Januar gesagt hatte, die Christen könnten Geschehenes nicht auslöschen, aber wohl verhindern, dass "die Last unserer Schuld weiter unsere Beziehungen vergiftet. Die Barmherzigkeit Gottes wird unsere Beziehungen erneuern".     

Ökumenisches Fest im September

Nächster ökumenischer Meilenstein im Gedenkjahr an die Reformation wird ein ökumenisches Fest im September in Bochum sein. Unter dem Leitwort "Wie im Himmel, so auf Erden" finden dann einen Tag lang Workshops und ein umfangreiches Begleitprogramm statt. (mit Material von KNA)

Von Gabriele Höfling