Bayerische Pfarrei erhält neue Leitung

Nach Skandal: Zorneding bekommt neuen Pfarrer

Aktualisiert am 14.03.2017  –  Lesedauer: 
Rassismus

Bonn/München ‐ Bereits im November hatte das zuständige Gericht ein Urteil im Fall Zorneding gesprochen: zehn Monate Haft für den Angeklagten. Nun geht die Aufarbeitung des Skandals einen weiteren wichtigen Schritt.

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Mathias Häusl wird ab September die Leitung der Pfarrgemeinde St. Martin im bayerischen Zorneding übernehmen. Das teilten das Erzbistum München-Freising und die Gemeinde selbst mit. Nach mehr als einem Jahr ist damit ein Nachfolger für den aus dem Kongo stammenden Olivier Ndjimbi-Tshiende gefunden. Dieser war im April 2016 von seinem Amt als Pfarrer zurückgetreten.

Zuvor hatte sich Ndjimbi-Tshiendes klar gegen fremdenfeindliche und rassistische Äußerungen der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher positioniert und wurde anschließend selbst Opfer von Beleidigungen und Morddrohungen. Nach seiner Rücktrittsentscheidung habe er sich erleichtert gefühlt, sagte der Geistliche damals. Obwohl in die Situation sehr belastet habe, hätte er dennoch keine Verbitterung empfunden.

In einem späteren Interview erklärte Ndjimbi-Tshiende, dass er nicht nur – wie zuvor behauptet – Postkarten, sondern auch Briefe mit Morddrohungen erhalten habe. Als sich die Briefe häuften, habe er "wirklich Angst gekriegt", so der Geistliche. Dabei zitierte er auch aus einem der Schreiben: "Wir kennen das Kennzeichen deines Autos, wir wissen, wo du wohnst, wir wissen auch, wohin du gehst, kennen deine Wege." Diese Worte hätten ihn begleitet, wenn er abends alleine in die Filialkirchen seiner Pfarrei gegangen sei.

Rentner zu zehn Monaten Haft verurteilt

Die Drohungen gegen Ndjimbi-Tshiende wurden schließlich auch Bestandteil eines Gerichtsprozesses. Dabei wurde ein 74-jähriger Rentner wegen Beleidigung, Bedrohung und Volksverhetzung zu zehn Monaten Haft verurteilt. Die Richter des Amtsgerichts Arnsberg sahen es als erwiesen an, dass zwei an die Zornedinger Pfarrei gerichtete Schreiben mit Schmähungen und Drohungen von dem Angeklagten stammten.

Nachfolger von Ndjimbi-Tshiende wird nun der 53-Jährige Häusl, der seit 2013 als Pfarrvikar im benachbarten Pfarrverband Höhenkirchen tätig ist. Bis zu seinem Amtsantritt in einem halben Jahr wird die Gemeinde noch kommissarisch von Pfarrer Manfred Brandlmeier in der Seelsorge und Pastoralreferent Christoph Müller in der Verwaltung geleitet. Zwischenzeitlich hatte auch der ehemalige Militärgeneralvikar Walter Wakenhut für einige Monate als Pfarradministrator in Zorneding gewirkt. (bod)

Linktipp: Neues Kapitel im Fall Zorneding

Erst vergangene Woche wurde ein Münchner Rentner verurteilt, weil er einen aus dem Kongo stammenden Priester schriftlich bedroht hatte. Nun hat der 74-Jährige Berufung eingelegt. (Artikel von November 2016)