Heute abend läuft die letzte Folge des "Jenke-Experiments" auf RTL

Der Tod als Infotainment?

Jenke von Wilmsdorff vor einem Werbeplakta.
Bild: dpa/Jörg Carstensen

Leben im Hospiz ist sonst meist kein TV-Programm, das Millionen vor die Fernseher lockt. Für viele Menschen ist das Sterben eine Angelegenheit, über die nicht gern gesprochen wird. Doch von Wilmsdorff wagt den Sprung in diese harte Thematik. Zunächst lernt der Reporter die Bewohner eines Hospizes und deren Gäste kennen. In seiner Sendung trifft Jenke von Wilmsdorff auf starke Gesprächspartner: Er begegnet einer Frau, die ihre halbe Familie verloren hat, interviewt einen todkranken 58-Jährigen und seine trauernde Mutter. Von Wilmsdorff filmt auch einen bereits bewusstlosen Sterbenden. Der RTL-Reporter lässt sich von einer Rückführungstherapeutin erklären, welches vorherige Leben er womöglich einmal geführt habe. Er besucht eine Frau an der Mosel, die bei einem Autounfall eine Nahtoderfahrung hatte und spricht mit Kölns größtem Bestattungsunternehmer, um herauszufinden, wie es sich anfühlt, in einem Sarg zu liegen. Die Kranken und Trauernden teilen dem RTL-Reporter ihre intimsten Erfahrungen mit dem Tod mit.

Sich der eigenen Sterblichkeit stellen

Der Tod als Infotainment – kann das gut gehen? "Das kommt immer auf das Format an", betont Hospiz- und Palliativbeauftragte der Caritas Wuppertal, Silke Kirchmann. "Es ist ja ein grundsätzliches Problem, dass sich die Menschen nicht mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinander setzen." Und ein Interesse an dem Thema sei wichtig, da es alle Menschen früher oder später etwas angehe.

Ehrliches Interesse - das bringt Reporter von Wilmsdorff bei seinem Selbstversuch eindeutig mit. Wie er mit einer unbefangenen Art dem Zuschauer das Thema Tod näher bringt, das werde anhand seiner Gefühle und Reaktionen deutlich, meint Heiner Melching, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, der den Film schon vorab gesehen hat. "Der Reporter hat in den richtigen Momenten abgepasst, wann man besser den Blick senkt und einmal nichts sagt." Das zeuge von einem respektvollen Umgang mit den Betroffenen und Angehörigen.

In einem Hospiz zu wohnen, ist sichtlich schwer für Jenke. "Ich merke dem Reporter an, wie sehr ihn das Thema berührt", erklärt Melching. Dieses Feingefühl sei bei der Arbeit im Hospiz besonders wichtig. "In dem Moment, in dem ich den Tod mit meinen eigenen Sinnen begreifen kann, entwickle ich eine Sensibilität für das Thema. Und das spürt der jeweils Betroffene sofort."

"Ehrlich und mit gut dosierter Stille"

Kritisch sieht Melching allerdings, wie mit einigen Begriffen umgegangen wird. "Die meisten Hospize vermeiden den Begriff Patienten, die der Reporter durchweg benutzt. Stattdessen wird von Gästen gesprochen." Insgesamt bekomme der Zuschauer aber ein solides Programm zu sehen. "Mich hat es selbst überrascht, dass das Thema Sterben von dem Privatsender nicht voyeuristisch dargestellt, sondern ehrlich und mit gut dosierter Stille gearbeitet wird."

Und das sei auch die Richtung, die eingeschlagen werden müsse, erklärt Melching. "Dieses Format ist gut geeignet, um das Thema überhaupt erst einmal anzusprechen. Es ist ein Türöffner". Heiner Melching ist sich sicher, dass es nach der Sendung viele kritische Stimmen gegen RTL-Reporter Jenke und seine Herangehensweise geben wird. "Doch auch das bewirkt etwas in den Menschen und man beschäftigt sich mit der Thematik. Denn der Tod geht uns alle etwas an."

Übrigens: In der letzten Folge der aktuellen Staffel lässt sich Journalist Jenke für je fünf Tage Augen und Ohren zukleben, um ein Leben mit körperlichem Handicap zu verstehen. Unter anderem besucht er eine Gebärdensprachschule und nimmt an einem Fußballspiel für Menschen mit Sehbehinderung teil. So macht er die Zuschauer vielleicht auf ein weiteres wichtiges Thema aufmerksam.

Von Anna Eckart

Hinweis: Die vorerst letzte Folge von "Das Jenke-Experiment" beschäftigt sich mit dem Thema "Leben mit Handicap" (Montag, 7.April, 20:15 Uhr, RTL).

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