Ein satirischer Wochenrückblick von Felix Neumann

Braindrain im Vatikan

Braindrain im Vatikan
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

"Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!" will man in der Kirche häufig rufen. Und wenn schon laut Nachrichtenlage diese Woche wohl kein Hirn vom Himmel gefallen ist, so wurde doch immerhin eines wiedergefunden: das von Don Bosco. Zwei Wochen lang war die Reliquie nach ihrem Diebstahl aus der dem Heiligen geweihten Kirche im italienischen Castelnuovo verschwunden. Doch: Antonius (Gedenktag: 13. Juni) hat geholfen und der Polizei den entscheidenden Hinweis eingegeben. Das Gehirn ist unversehrt aufgetaucht – der mutmaßliche Dieb hatte es in seinem Kühlschrank aufbewahrt. Wollen wir hoffen: aus Pietäts-, nicht aus Cervelatgründen.

Papst Franziskus zieht daraus unterdessen seine Konsequenzen: Um den Braindrain aus dem Vatikan zu stoppen, will er die Häupter seiner lieben – und wohl vor allem: weniger lieben – Kardinäle genauer zählen. Eigentlich sind die in Rom tätigen Kardinäle zur Residenz in der ewigen Stadt verpflichtet. Das hindert einige aber nicht an einem intensiven Reiseapostolat. Bisweilen soll der Heilige Vater erst aus der Zeitung erfahren, dass ein Präfekt, den er im Büro wähnt, tatsächlich irgendwo in der Weltgeschichte für Schlagzeilen sorgt. Daher, basta: In Rom residierende Kardinäle haben sich künftig beim Papa abzumelden, bevor sie Auswärtsspiele absolvieren.

Ordnungsgemäß abgemeldet hat sich hoffentlich die Fußball-Nationalmannschaft des Vatikans. Für die steht nämlich ein besonderes Auswärtsspiel an: Die junge, spielfreudige Vatikan-Elf fährt nach Wittenberg, um dort gegen eine Auswahl der Lutherstadt unter DDR-Trainerlegende Ede Geyer zu spielen. Das Hinspiel 2015 im Vatikan konnte die gelb-weiße Heimmannschaft für sich entscheiden, das Rückspiel ist in Sachsen-Anhalt. In erster Linie natürlich wegen des Reformationsjubiläums. Doch es geht – wie in Katar – nicht allein um ideelle Werte und Völkerverständigung: Gegen den Ostdeutschlandtrend sind in Sachsen-Anhalt die Kirchensteuereinnahmen gesunken. Da tut eine solche Spitzenpartie sicher auch der lokalen Wirtschaft gut. Egal, wie es ausgeht, eines ist jetzt schon sicher: Neunzigminütiges Turnier statt Dreißigjähriger Krieg – das ist doch mal ein sichtbarer ökumenischer Fortschritt.

Im Namen des gesellschaftlichen Fortschritts gilt zunehmend: Jedem Tierchen sein Plaisierchen. In Schleswig-Holstein will die CDU die "Homo-Ehe", in Kolumbien haben neulich drei Männer geheiratet, und auch die Kirche geht voran: In Osnabrück werden immerhin schon Pinselohrschweine und Zebras gesegnet. Jedes für sich, versteht sich.

Felix Neumann