Hunderte besuchen den aufgebahrten Alterzbischof von Köln

Persönlicher Abschied von Kardinal Meisner

Aktualisiert am 09.07.2017  –  Lesedauer: 
Persönlicher Abschied von Kardinal Meisner
Bild: © KNA
Erzbistum Köln

Köln ‐ In Köln nehmen am Wochenende viele Menschen Abschied von dem in seinem Lieblingsgewand aufgebahrten Kardinal Joachim Meisner. Nicht nur fromme Kirchgänger zieht es nach Sankt Gereon.

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Die ganze Nacht haben Priester und Ordensleute in Sankt Gereon Totenwache für Kardinal Joachim Meisner gehalten. So ist es Brauch, wenn ein Kölner Erzbischof stirbt. Am Samstagmorgen dann, als die Kölner Kirche öffnet, stehen bereits die ersten Besucher am Portal - am Sonntag auch. Viele nahmen am Wochenende die Gelegenheit wahr, Abschied vom offen aufgebahrten Kölner Alterzbischof zu nehmen, der am Mittwoch mit 83 Jahren gestorben war.

"Er sieht eigentlich ganz entspannt aus", meint Pfarrer Thomas Jablonka, den Meisner 1993 geweiht hatte. Der Kardinal habe sehr gerne gelacht, aber mit seiner Meinung nie hinterm Berg gehalten; nun sei er offenbar sehr friedlich gestorben, sagt der Kreisdechant des Rhein-Sieg-Kreises, der wie Hunderte anderer zu der romanischen Basilika gekommen ist, zu deren Pfarrbezirk das Erzbischöfliche Haus gehört.

Im geflickten Lieblingsgewand

Meisner, der 25 Jahre lang dem Erzbistum Köln vorstand, liegt auf einer mit kardinalsrotem Stoff bespannten Totenbahre. Er trägt eine weiße Mitra und schwarze Schuhe, das violette Priestergewand hatte er zu seiner Priesterweihe 1962 geschenkt bekommen; es war sein Lieblingsgewand und schon oft geflickt. Rechts und links des Katafalks stehen je sechs große Kerzenleuchter, zwei ausladende Gestecke mit weißen Rosen und Lilien rahmen das erzbischöfliche Wappen zu Meisners Füßen ein.

Bild: ©KNA

Kardinal Rainer Maria Woelki steht am Freitagabend vor dem aufgebahrten Leichnam von Kardinal Joachim Meisner in der Kirche Sankt Gereon in Köln.

Reihenweise treten die Menschen vor den Sarg, halten kurz inne, viele verneigen oder bekreuzigen sich. Eine Ordensfrau von den Waldbreitbacher Franziskanerinnen, die aus Neuwied angereist ist, hebt segnend die Hände. Auch der kleine Max, der mit seinem Vater nur zufällig vorbeigekommen ist, will einen Blick auf den Mann im Altarraum werfen. "Man muss einem Zweijährigen dann schon erklären, was das hier bedeutet", sagt sein Vater.

Ganz gezielt ist dagegen der emeritierte griechisch-katholische Patriarch von Antiochia, Gregorios III. Laham, in die Basilika gekommen. "Ich bin sehr dankbar für das, was mein lieber Freund Kardinal Meisner für das Heilige Land getan hat", sagt der Geistliche im schwarzen Talar. Leider könne er zur Beerdigung nächsten Samstag nicht kommen. "Aber ich habe meinem lieben Freund einen irdischen letzten Gruß gebracht und ihn gesegnet." Besonders freut ihn, dass er ein Foto mit dem Verstorbenen machen durfte - was sonst verboten ist.

Kondolenzliste und "Geistliches Testament" für die Besucher

Darauf achten die drei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, die mindestens bis zum Ende der offenen Aufbahrung am Montag täglich zwölf Stunden in Sankt Gereon im Einsatz sind. In der Vorhalle liegen Kondolenzlisten, in die sich die Menschen eintragen. Schon nach zwei Stunden sind 20 Bögen voll. Die meisten nehmen ein Exemplar des gut eine Din-A-4-Seite umfassenden "Geistlichen Testaments" Meisners mit.

Später zum Gottesdienst bringt Küsterin Susanne Müller frisch gedruckte Totenzettel mit Meisners Wappen, seinen Lebens- und Weihedaten sowie einem Auszug aus dem "Geistlichen Testament". Das Foto zeigt einen verschmitzt lächelnden Kardinal, der gerade zu einer seiner berühmten Bemerkungen anzusetzen scheint: witzig, ironisch, manchmal scharfzüngig, gelegentlich für manche darüber hinaus.

Linktipp: Totenwache in Sankt Gereon hat Tradition

Die öffentliche Aufbahrung eines Verstorbenen im offenen Sarg mutet vielen seltsam an. In Köln ist es Tradition, dass die Menschen so von ihrem Erzbischof Abschied nehmen können. Jetzt bei Kardinal Meisner - und zuletzt 1987 bei seinem Vorgänger Höffner.

"Er war ein sehr guter Prediger, der die Herzen bewegen konnte", sagt Ulrich Eul über den Kardinal. "Politisch war er schon manchmal zu hart", so der 49-Jährige. Das sehen Georg und Katharina Daniels, die mit ihren beiden Kindern eine ganze Weile in der Kirche sitzen, anders. "Meisner war tieffromm, herzlich, offen und nicht interessiert an politischer Korrektheit", meint der 42-Jährige.

Im Gottesdienst am Samstag würdigt Weihbischof Dominikus Schwaderlapp den Verstorbenen als Brückenbauer, der vor allem ein Beter, ein Seelsorger und ein Kämpfer gewesen sei. Meisner habe viel Humor gehabt; zum öffentlichen Widerspruch gegen manche Missstände habe er sich überwinden müssen, so sein einstiger Sekretär und Generalvikar.

Dann berichtet Schwaderlapp von dem Menschen Meisner. Sogar im Stau habe er den Rosenkranz gebetet. "Er hat die Jungfrau Maria zum Schwitzen gebracht." Da gibt es sogar an diesem traurigen Tag in Sankt Gereon Gelächter.

Von Sabine Kleyboldt (KNA)

Weiterer Ablauf der Trauerfeierlichkeiten in Sankt Gereon

Sonntag, 9. Juli in St. Gereon

08:00–20:00 Uhr Kirche St. Gereon geöffnet

(…)

15:00 Uhr Rosenkranzgebet

18:00 Uhr Vesper

19:45 Uhr Komplet

Montag, 10. Juli in St. Gereon

08:00–20:00 Uhr Kirche St. Gereon geöffnet

08:00 Uhr Laudes

11:00 Uhr Hl. Messe

15:00 Uhr Rosenkranzgebet

18:00 Uhr Vesper

19:45 Uhr Komplet

Freitag, 14. Juli in St. Gereon

08:00–19:00 Uhr Kirche St. Gereon mit dem verschlossenen Sarg geöffnet

18:00 Uhr Totenvesper am verschlossenen Sarg

Samstag, 15. Juli

09:15 Uhr Prozession von St. Gereon zum Hohen Dom

10:00 Uhr Exequien im Dom mit Bestattung in der Bischofsgruft

Ablauf der Trauerfeierlichkeiten für Kardinal Meisner auf katholisch.de

Freitag, 14 Juli 18:00 Uhr: Totenvesper für Kardinal Joachim Meisner aus St. Gereon in Köln Samstag, 15. Juli 09:15 Uhr - 13:00 Uhr : Requiem für Kardinal Joachim Meisner aus dem Kölner Dom