Das letzte Wort hatte die Bundeskanzlerin
In Wittenberg feierten evangelische Kirche und Staat die Reformation

Das letzte Wort hatte die Bundeskanzlerin

Reformation - In Berlin wurde vor einem Jahr das Reformationsjubiläum eröffnet - in Wittenberg setzten Staat und Kirche nun den Schlusspunkt. Und in ganz Deutschland feierten Protestanten und Katholiken gemeinsam.

Von Norbert Zonker (KNA) |  Wittenberg - 01.11.2017

Es war der Höhepunkt und zugleich Abschluss des Gedenkjahrs an 500 Jahre Reformation. In ganz Deutschland füllten Zehntausende Protestanten ihre Kirchen zu Festgottesdiensten. Und beim zentralen Finale in Wittenberg teilten sich, ähnlich wie bereits zum Auftakt vor einem Jahr in Berlin, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Staat die Aufgaben.

In der Schlosskirche, an deren Tür Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine berühmten Thesen genagelt haben soll, leiteten der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und die mitteldeutsche Landesbischöfin Ilse Junkermann den Gottesdienst. Den anschließenden Festakt im Stadthaus richteten Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff aus; die Festrede hielt Kanzlerin Angela Merkel (alle CDU), die damit gleichsam das letzte Wort am Ende des Jubiläumsjahrs hatte.

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Merkel, die vor der Schlosskirche von zwei Dutzend Demonstranten mit lauten "Hau ab!"-Rufen empfangen wurde, warb für Religionsfreiheit und Toleranz. Diese Werte zu schützen sei eine der Lehren aus einem jahrhundertelangen Lernprozess. Die Reformation sei zunächst eine religiöse Erneuerungsbewegung gewesen, doch aus ihr habe sich ein Verständnis vom Menschen entwickelt, das die Neuzeit entscheidend prägen sollte. Darauf baue im Grunde jede demokratische Ordnung auf, auch wenn hier keine direkte Linie gezogen werden könne, betonte die Kanzlerin. Dieses geistesgeschichtliche Erbe gelte es wachzuhalten.

Bedford-Strohm verwies in seiner Predigt auf die zentralen Erneuerungsimpulse aus der Reformation, die "bis auf den heutigen Tag ihre Wirkung entfalten": das Leben allein aus der Gnade Gottes, die Buße und die daraus erwachsende Demut - die "auch einem Land gut" täten - und die Freiheit des einzelnen Christen. Luther habe keine neue Kirche gründen, sondern seine katholische Kirche erneuern wollen, betonte der Ratsvorsitzende, der dann einen persönlichen Gruß an den Papst sprach: "Lieber Papst Franziskus, Bruder in Christus, wir danken Gott von Herzen für dein Zeugnis der Liebe und Barmherzigkeit, das auch für uns Protestanten ein Zeugnis für Christus ist."

Mit den Feiern am Dienstag endete ein beispielloser Reigen von Gedenkveranstaltungen von Staat und Kirche, kulturellen Institutionen und gesellschaftlichen Organisationen. Das Thema Reformationsjubiläum war in Radio, Fernsehen und Printmedien vielfach präsent, es gab zahlreiche Ausstellungen im ganzen Land und eine Fülle von Buchveröffentlichungen. Die große Zahl der Veranstaltungen brachte es aber auch mit sich, dass gerade die zentralen Events der EKD nicht die Besucherzahlen erreichten, die man sich erhofft hatte. Viele evangelische Kirchengemeinden hielten es für überflüssig, nach Wittenberg zu pilgern, hatten doch sie selbst oder ihre Landeskirche bereits ihre eigenen Akzente gesetzt.

Bild: © KNA

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, verwies in seiner Predigt auf die zentralen Erneuerungsimpulse aus der Reformation, die "bis auf den heutigen Tag ihre Wirkung entfalten".

Die EKD weist die Kritik daran sowie an der inhaltlichen Ausrichtung des Jubiläumsjahrs zurück. Bedford-Strohm hob in den vergangenen Tagen immer wieder hervor, dass es ein Jubiläum ohne nationalistische und antikatholische Stoßrichtung gewesen sei. Er zeigte sich beeindruckt von vielen tausend Veranstaltungen mit vielen Millionen Teilnehmern. Als besonders gelungen wird auch von katholischer Seite die ökumenische Ausrichtung des Gedenkjahrs eingeschätzt.

Zu den Gewinnern des Jubiläums können sich jedenfalls die Stadt Wittenberg und die anderen Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt und Thüringen zählen, in die ein Großteil der mehr als 210 Millionen Euro Fördermittel von Bund, Ländern und EU flossen. Sie profitierten auch von gestiegenen Besucherzahlen aus dem In- und Ausland. Weitere rund 70 Millionen Euro brachten die EKD und die 20 Landeskirchen auf. Eine erste Bilanz will die EKD-Synode Mitte November in Bonn ziehen. Wie nachhaltig der Gedenkmarathon gewirkt hat, wird sich erst in einem größeren zeitlichen Abstand ausmachen lassen.

Von Norbert Zonker (KNA)