Ein satirischer Wochenrückblick von Björn Odendahl

Make Pfarreien great again!

Make Pfarreien great again!
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

Der Trierer Bischof Stefan Ackermann zieht durch, wovon der toupierte Tunichtgut in den USA nur träumen kann – natürlich mit violettem Pileolus statt rotem Basecap: Make Pfarreien great again! 100.000 Katholiken wird allein die Mega-XXL-Zukunfts-Pfarrei-neuen-Typs in Saarbrücken umfassen. Für dieses Kunststück hat man mal eben – abrakadabra – aus den ehemals 900 schnuckeligen Kleinpfarreien 35 High-Tech-Seelsorgeeinheiten gezaubert, so dass David Copperfield irgendwo in Las Vegas nur anerkennend mit dem Kopf nicken kann.

Den Chef solch einer "Pfarrei der Zukunft" hat künftig zwei Optionen, um seinen Gläubigen überhaupt noch irgendwie zu Gesicht zu bekommen. Nummer 1: die Bahncard 100. Vorteil: schont die Fußgelenke. Nachteil: nicht mehr pünktlich in den eigenen Gottesdiensten. Option 2: Trotz aller Widrigkeiten guerillamäßig das Hoheitsgebiet zu Fuß durchqueren. Vorteil: Rückkehr zu jesuanischen Wurzeln und körperliche Fitness. Nachteil: keine Zeit mehr für den Verwaltungskram. Wobei, so schlimm ist es dann doch nicht. Immerhin dauert der Fußmarsch durch die Pfarrei Saarbrücken nur rund 6 Stunden – eine Strecke, über die Jesus, Paulus oder der gute alte Mose sicher nur geschmunzelt hätten.

Bei so viel Aufbruch statt Abbruch und Zukunft statt Vergangenheit kann der Durchschnittskatholik schon einmal den Überblick verlieren. Und der Pfarrer erst recht! 100.000 alte und neue Gesichter! Während man früher sagte, dass der Pfarrer seine Schäfchen kennt, muss er sich heute – vor allem aufgrund der vielen gleichen grauen Dauerwellen – etwas einfallen lassen. Vielleicht lohnt sich ein Blick nach Irland: Dort markiert der Hirte seine Schafe mit blauer oder roter Sprühfarbe, um sie von denen des Nachbarn unterscheiden und so sicher zurück auf die heimische Weide führen zu können. Eventuell wäre das ein Zukunftsmodell für Trier.

Protestwähler beim ZdK

Weitaus übersichtlicher ging es bei der ZdK-Vollversammlung in Bonn zu. Dort setzte sich Thomas Sternberg souverän mit 160 von 174 Stimmen bei der Wahl zum Präsidenten durch. Dabei hatte er allerdings weniger Gegner als der FC Bayern bei einem Testspiel gegen Borussia Banana. Nämlich keinen. Wer da trotzdem mit "nein" gegen den CDU-Mann gestimmt oder sich enthalten hat? Protestwähler! Ob die jedoch von der AfD waren und Sternbergs Sympathie für nicht-christliche Feiertage kritisieren wollten oder ob sich doch nur ein paar verbitterte FDP-Wähler verweigerten, ist unklar. Es riecht jedoch eher nach einem lindnerschen Rachefeldzug: besser kein ZdK-Präsident als ein falscher!

Gelindnert hat auch der für die Ausbildung der Priester zuständige Kurienkardinal Jorge Carlos Patron Wong. Erst verkündet er vollmundig: Wenn ein Priesterseminar weniger als 17 Kandidaten hat, solle man es schließen. Und während in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern 90 Prozent der Ausbilder im Geiste schon die Türen ihrer Seminare absperrten, rudert Patron Wong schneller zurück als der legendäre Deutschland-Achter: Selbstverständlich sei das Sache der Bischöfe. Die Seminaristen in Deutschland sind derweil erleichtert. Zum Glück nicht in Hamburg studieren und in Regensburg ins Seminar gehen! Wobei: So ließe sich schon einmal für die eigene "Pfarrei der Zukunft" in zehn Jahren üben. Denn Stillstand ist bekanntlich Rückschritt. Es bleibt nur die Gretchen-Frage der Fortbewegung: zu Fuß oder mit der Bahn?

Björn Odendahl

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