Zuckowskis Zerknirschung und jede Menge Dementis
Ein satirischer Wochenrückblick von Felix Neumann

Zuckowskis Zerknirschung und jede Menge Dementis

War's das? - Im voradventlichen Wahnsinn könnte einiges vorbeirauschen. In seinem satirischen Wochenrückblick erinnert Felix Neumann an einige Themen der Woche.

Von Felix Neumann |  Bonn - 02.12.2017

Advent ist nicht nur die Zeit der Ankunft, sondern als alte Fastenzeit auch eine Zeit der Umkehr. Vorbildlich adventlich-zerknirscht hat sich Rolf Zuckowski gezeigt: "Wenn mir jemand schreibt, er könne sich den Heiligabend ohne dieses Lied nicht mehr vorstellen, macht mich das traurig." Nicht nur unzähligen Eltern, auch ihm selbst wird die Allgegenwart seines Kita-Smashhits "In der Weihnachtsbäckerei" zu viel.

Ähnliche adventliche Einsichten wünscht sich der Kolumnist außerdem von:

  • Wham ("Last Christmas", "Heavy rotation" ab Mitte November)
  • dem Bonifatiuswerk ("Weihnachtsmannfreie Zone", erhobener Zeigefinger seit 2002)
  • allen Medien ("Das war 2017", Jahresrückblicke in Dauerschleife ab KW 48)
  • Kölnern (Silhouette der Dom-Türme in wirklich jedem Logo)

Neben Zerknirschung standen diese Woche auch Dementi hoch im Kurs: Das Bistum Essen wird nicht aufgelöst (so Generalvikar Pfeffer), der Papst ist nicht mächtig (so Vatikansprecher Burke), der US-Außenminister wird nicht gefeuert (so das Außenministerium), und der Erzbischof von München geht nicht nach Rom (so Kardinal Marx). Wie viel Halbwertszeit diese Dementis haben, wird sich zeigen – wer weiß, vielleicht lesen wir bald die Meldung, dass der neue starke Mann in Rom den Bischof des aufgelösten Bistums Essen zum Erzbischof an der Isar ernannt hat, während Ex-ExxonMobil-Chef Tillerson Referent für Umwelt, Energie und Arbeitsschutz im neuen Paderborner Ruhrdekanat wird.

Außerdem ganz neu: Das Logo der Kollegen vom Kölner Domradio. Der charakteristische rot-weiße Schriftzug wurde ausgemustert, stattdessen gibt es jetzt ein "Icon mit hohem Wiedererkennungswert". Dafür ausgewählt hat man nicht den Dom (wg. Motiv verbraucht, siehe oben), sondern ein auf der Spitze stehendes rotes Dreieck: "Klar, zeitlos, unique und wiedererkennbar", verkündet der Imagefilm stolz. Das Schlüsselwort ist wiedererkennbar – denn ein rötliches Dreieck auf der Spitze, da erkennt man so einiges wieder: eine Flasche Mineralwasserdas Schild "Vorfahrt achten" – und leider auch, wie einige Kommentatoren anmerken: die Winkel, mit denen KZ-Häftlinge kategorisiert wurden. Ein Gutes hat die Sache aber, liest man wiederum auf Facebook: "Solche 'Logos' ermutigen Menschen, die sich für keine guten Gestalter halten, es doch einfach weiter zu versuchen", kommentiert Ronny B.

Gut, dass wenigstens eins konstant bleibt: die Bibel. Sollte man denken. Aber denkste. Der Jesuitenpater Klaus Mertes beklagt hat sich über einiges Unrunde in der neuen Einheitsübersetzung beklagt und will eine Reform der reformierten Übersetzung. Das Bibelwerk hält dagegen, für die schlimmsten Fehler in der neuen Bibel gebe es schon wieder Berichtigungsaufkleber, und kaum sind die aufgeklebt, geht es auf Französisch weiter. Dort wird nämlich am Vaterunser herumgedoktert. Während unsereins den Vater bittet, uns "nicht in Versuchung" zu führen, bittet der Franzose demnächst, er möge nicht in die Versuchung "eintreten". Gut, dass es jetzt endlich eine offizielle Bibel-App gibt: Da kann mit jedem Update ein neuer Schub Korrekturaufkleber automatisch eingespielt werden, und wer weiß, vielleicht kann man bald seine eigene Bibel zusammenklicken.

Von Felix Neumann

Themenseite: War's das?!

"War's das?!" fragt katholisch.de in seinem satirischen Wochenrückblick. Im Wechsel lassen verschiedene Autoren freitags die zu Ende gehende Woche Revue passieren. Mit einem Augenzwinkern blicken sie auf Kurioses und Bemerkenswertes in der katholischen Welt zurück.