Ein satirischer Wochenrückblick von Joachim Heinz

In der Weihnachtsbäckerei

In der Weihnachtsbäckerei
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

Guten Tag, ich bin der Nikolaus. Na, was muss ich da in meiner Weihnachtsbäckerei hören? "Bestimmte Kräfte im Hintergrund" seien für das Ende seiner Amtszeit als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation verantwortlich, raunt Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Der Papst von kruden Mächten sonderbar geborgen? Nein, das wollen wir nicht hören in unserer Gerüchteküche. Es gibt schließlich so viel Wichtiges in diesen Tagen.

Zum Beispiel dieses: Die bundesweite Kampagne "Hörst du nicht die Glocken?" musste zum Auftakt auf eine publikumswirksame Aktion verzichten: den Guss eines solchen Klanggefäßes. Zu kalt war’s. "Jingle bells" minus eins, naja. Immerhin gab es in der jetzt zuende gehenden Woche Anerkennung für eine andere tönende Gesellin: die Orgel.

Deutscher Orgelbau und Orgelmusik sind Immaterielles Kulturerbe. Darauf eine Toccata und Fuge von Bach! Jetzt ist es amtlich: Wir sind ein Volk der Pfeifen, manche klein, manche schon ganz groß. Die Allergrößten scheinen derzeit allerdings woanders zu sitzen; aber, Obacht liebe Freunde: Auch die Vorfahren eines Donald Trump stammten … na woher? Richtig, aus deutschen Landen.

Menschen, die ihr wart verloren … Nun aber bitte alle mal ganz kyrieleis. Was geht denn an der soeben aufgestellten Krippe am Petersplatz in Rom vor sich? Dort können, so lesen wir mit schreckgeweiteten Augen, Besucher erstmals via WLAN auf ihren mobilen Endgeräten weitere Informationen abrufen. Natürlich, die Weihnachtsgeschichte ist vielen möglicherweise nicht mehr so bekannt; fast jeder fünfte Grundschüler aus Deutschland wird sie wohl auch nie in seinem Leben richtig lesen können.

Aber: In der Krippe liegt ein Neugeborenes! Denkt denn niemand an die Strahlenbelastung? Stattdessen weiter Diskussionen um das päpstliche Schreiben zu Ehe und Familie "Amoris laetitia" und die Frage, wie mit wiederverheirateten Geschiedenen umzugehen sei. Da ist die türkische Religionsbehörde Diyanet einen guten Schritt weiter. Sie erlaubt die Scheidung per SMS, Brief oder fernmündlich. Ein Fax an die Ex geht auch. Die Nächste bitte – Nächstenliebe ganz praktisch.

Und führe uns nicht in Versuchung. Was war sonst noch? In den Medien ist 2017 schon zuende, bevor sich 2018 überhaupt am Horizont zeigt. Von RTL bis "Zeit" - alle haben sie schon ihre Rückblicke abgeliefert. Selbst die jüngste Vergangenheit scheint irgendwie besser als die triste Gegenwart. Jerusalem und Intifada, Nordkorea und Raketen, Söder gegen Seehofer. Und Friede auf Erden… Schön wär’s, die Realität ist eine andere, die Suche geht weiter: Wer hat das Rezept verschleppt?

Joachim Heinz