Insignien des Bischofs
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Die Bischöfe treffen sich in Ingolstadt zu ihrer Vollversammlung

Hirtenstab trifft Audi-Ringe

Die Themen der Vollversammlung in Ingolstadt: Osteuropa und die Jugendsynode. Doch hinter verschlossenen Türen dürften die deutschen Bischöfe auch über aktuelle Probleme in den eigenen Diözesen sprechen.

Von Thomas Jansen |  Ingolstadt - 19.02.2018

Es ist schon vorgekommen, dass ein Eichstätter Bischof Papst wurde. Aber, dass sich die Deutsche Bischofskonferenz zu ihrer Vollversammlung in dem bayerischen Bistum – genauer gesagt in Ingolstadt – trifft, das passiert nun zum ersten Mal in ihrer 150-jährigen Geschichte. Von heute an bis Donnerstag hat der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke 64 Diözesan- und Weihbischöfe aus der gesamten Bundesrepublik zu Gast. Der Hirtenstab im Logo der Bischofskonferenz wird dann vorübergehend die vier Audi-Ringe in den Hintergrund drängen, die Ingolstadt als Sitz des Autoherstellers sonst prägen.

Zumindest in der offiziellen Tagesordnung der Bischöfe haben die aktuellen Ereignisse, die derzeit die Berichterstattung über die katholische Kirche in Deutschland bestimmen, keinen Niederschlag gefunden: Inhaltliche Schwerpunkte bilden in Ingolstadt das Verhältnis der deutschen Bischöfe zu den Kirchen in Osteuropa sowie die bevorstehende Bischofssynode zum Thema Jugend. Der Finanzskandal in Eichstätt, der das Bistum mehr als 40 Millionen Euro kosten könnte, sowie die angekündigten Schulschließungen in Hamburg, die das dortige Erzbistum in große Bedrängnis gebracht haben, dürften allenfalls inoffiziell zur Sprache kommen.

Debatte über europäische Flüchtlingspolitik

Dass die deutschen Bischöfe das Gespräch mit den östlichen Nachbarn vertiefen wollen, dürfte vor allem der Debatte über die europäische Flüchtlingspolitik geschuldet sein. Hier zeigte sich, wie wenig man letztlich über die Befindlichkeiten des jeweils anderen weiß. Die Gräben zwischen den deutschen Bischöfen und ihren Amtsbrüdern in Ungarn, Polen und anderen osteuropäischen Ländern waren offensichtlich kaum weniger tief, als jene zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihren schärfsten Kritikern, Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban sowie seiner inzwischen zurückgetretenen polnischen Kollegin Beata Szydlo. Die Kommission der Bischofskonferenzen der EU-Mitgliedsstaaten war angesichts dieser Differenzen nicht in der Lage, sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren auf eine einheitliche Linie in der Flüchtlingsdebatte zu verständigen.

Themenseite: Vollversammlungen

Zweimal im Jahr trifft sich die Deutsche Bischofskonferenz zu Vollversammlungen. Die teilnehmenden Bischöfe beraten und entscheiden dort über wichtige kirchliche Themen und Ereignisse. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zu den Versammlungen.

Zu ihrem Studientag mit dem Titel "Verständnisgrundlagen des Dialogs mit den Kirchen in Mittel- und Osteuropa" hat die Bischofskonferenz jedoch keine Bischöfe eingeladen, sondern jeweils einen prominenteren Katholiken aus Ungarn, Tschechien und Polen. Das gibt dem Gespräch einen weniger offiziellen Anstrich und dürfte einen offenen Gedankenaustausch fördern. Der bekannteste Gast ist der tschechische Priester und Soziologe Tomas Halik, der sich auch in Deutschland als Autor religiöser Bücher einen Namen gemacht hat.

Der zweite Schwerpunkt der Vollversammlung ist die Jugendsynode, die im Oktober im Vatikan stattfindet. Hierbei dürfte es vor allem um eine Verständigung darüber gehen, was sich die Bischöfe von der Synode überhaupt versprechen, und bei welchen Themen sie sich besonders einbringen wollen. Die vergangenen beiden Bischofssynoden zu Ehe und Familie haben gezeigt, dass die deutschen Bischöfe Einiges erreichen können, wenn sie sich auf Themen konzentrieren und hier mit einer Stimme sprechen. Das Themenspektrum der bevorstehenden Synode ist sehr breit gefächert. Es reicht von Jugendarbeitslosigkeit über kirchliche Angebote für Heranwachsende bis hin zu Berufungen zum Priesteramt.

Wer fährt aus Deutschland zur Jugendsynode?

Mit der Auswertung der Rückmeldungen von katholischen Jugendverbänden und -einrichtungen auf den vatikanischen Fragebogen zur Jugendsynode hatten sich die Bischöfe bereits bei der Herbstvollversammlung in Fulda beschäftigt. Das wenig überraschende Ergebnis: Jugendliche wünschen sich eine glaubwürdigere Kirche. Die Frage ist nun, welche Schlussfolgerungen die Bischöfe daraus ziehen. Schließlich geht es in Ingolstadt auch darum, wer die deutschen Bischöfe bei der Jugendsynode vertritt. Die Vollversammlung wählt drei deutsche Mitglieder für die Synode. Feste Anwartschaften für die Teilnahme gibt es zwar nicht, doch spricht sehr viel dafür, dass der Jugendbischof Stefan Oster einer der drei Delegierten sein wird. Weil es auch um die Berufung zum Priesteramt gehen soll, läge zudem die Wahl des Münsteraner Bischofs Felix Genn nahe, der in der Bischofskonferenz für dieses Thema zuständig ist.

Die Bischöfe müssen sich jedoch nicht nur untereinander abstimmen, sondern auch mit den beiden jungen Erwachsenen, die sie als Delegierte für die Vorsynode im März ausgewählt haben. Einer von beiden ist der Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Thomas Andonie. Das Verhältnis des BDKJ zu Bischof Oster war in der Vergangenheit nicht ganz spannungsfrei.

Zwei Hände in Nahaufnahme zerbrechen eine Hostie.
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Auch die Frage, ob ein gemeinsamer Kommunionempfang von gemischtkonfessionellen Paaren zumindest in Einzelfällen künftig ermöglicht werden soll, wird Thema der Vollversammlung sein.

Auch eine Hausaufgabe des ökumenischen Reformationsjahrs haben die Bischöfe noch zu erledigen: Die Frage, ob ein gemeinsamer Kommunionempfang von gemischtkonfessionellen Paaren zumindest in Einzelfällen künftig ermöglicht werden soll. Der Vorsitzende der Konferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte bei der vergangenen Herbstvollversammlung angekündigt, dass sich die Bischöfe im Frühjahr mit diesem Thema befassen würden, nachdem es damals vertagt worden war. Die Kommissionen für Glaubensfragen und für Ökumene sollten dafür einen Vorschlag ausarbeiten. Marx selbst gehört ebenso wie der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Franz-Josef Bode, zu den vehementen Befürwortern einer solchen Einzelfalllösung. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte sich im Herbst dagegen ausgesprochen.

Die Hoffnung, dass der Papst den deutschen Bischöfen in dieser Frage einen deutlichen Fingerzeig geben könnte, hat sich unterdessen nicht erfüllt. In seinem am Freitag veröffentlichten Dankesschreiben an Marx und den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, für das ökumenische Reformationsgedenken, spricht Franziskus das Thema nicht an. Er forderte nur allgemein dazu auf, "weiter voranzuschreiten".

Selbstverpflichtung der Bistümer auf ökologische Mindeststandards

Sehr klar hingegen ist die Ansage, die Franziskus mit seiner Enzyklika "Laudato si" gemacht hat: Das Thema Umweltschutz steht daher erneut auf der Tagesordnung der Bischöfe. Nachdem im Herbst vorbildhafte ökologische Initiativen aus deutschen Bistümern vorgestellt worden waren, sollte es nun auch darum gehen, ob die Bistümer eine mögliche Selbstverpflichtung auf ökologische Mindeststandards eingehen, die über die von der Bundesregierung angestrebten Ziele hinausgehen. Ein solcher Vorschlag war bei der Herbstvollversammlung ins Spiel gebracht worden.

Dem Eichstätter Bischof Gebhard I., der im 11. Jahrhundert Papst wurde und sich den Namen Viktor II. (1055-1057) gab, werden die Bischöfe übrigens nicht begegnen: Seine Statue steht im Eichstätter Dom, rund 25 Kilometer von Ingolstadt entfernt.

Von Thomas Jansen